Verein braucht Hilfe

Bürgerbus droht die Puste auszugehen

Seit 2014 rollt der Bürgerbus durch Ritterhude. Was schleppend begann, wird inzwischen gern von den Bürgern genutzt. Trotzdem stimmen die Einnahmen nicht - und die Ausgaben steigen.
20.09.2018, 15:24
Lesedauer: 3 Min
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Bürgerbus droht die Puste auszugehen
Von Brigitte Lange
Bürgerbus droht die Puste auszugehen

Seit 2014 rollt der Bürgerbus durch Ritterhude. Inzwischen transportiert er 6500 bis 7000 Passagiere im Jahr. Doch nun droht ihm die finanzielle Puste auszugehen. Die Einnahmen stimmen nicht – während die Ausgaben steigen.

Gemeinde Ritterhude

Ritterhude. Die Ritterhuder haben ihren Bürgerbus angenommen. 6500 bis 7000 Fahrgäste transportieren die ehrenamtlichen Fahrer des Vereins inzwischen im Jahr. Tendenz steigend. Und trotzdem: „Finanziell kriechen wir auf dem Zahnfleisch“, berichtete Norbert Wellbrock dem Ausschuss für Soziales, Senioren und Freizeit. Sie seien daher künftig darauf angewiesen, dass Ritterhude sie unterstütze. „Wir müssen den Kooperationsvertrag, den wir 2013 mit der Gemeinde geschlossen haben, erstmals in Anspruch nehmen“, wandte sich der Vorsitzende des Ritterhuder-Bürgerbus-Vereins an die Politiker.

Als der grün-blau-rote Bus 2014 mit zwölf Fahrern an den Start ging, lief das Projekt holprig an, räumte Wellbrock ein. Etwa 150 Fahrgäste hätten sie im ersten Jahr monatlich transportiert. Dann begannen die Fahrgastzahlen zu steigen. Allein zwischen 2016 und 2017 gab es ein Plus von 20 Prozent. Auch die Zahl der Vereinsmitglieder ist seit Gründung von 22 auf 67 Personen gewachsen. Und statt auf zwölf kann das sechsköpfige Orga-Team heute auf 25 ehrenamtliche Fahrer zurückgreifen. „Wir können aber ständig neue Fahrer gebrauchen“, sagte Wellbrock.

Von Anfang an sei es das Ziel des Vereins gewesen, alle Ortsteile von Ritterhude mit dem Bürgerbus anzufahren. „Es ist schließlich ein Angebot für alle Bürger der Gemeinde.“ Die ersten Monate gelang ihnen dies nicht. Stendorf musste außen vor bleiben. „2015 haben wir die Strecke verschlankt; nun können wir auch Stendorf ansteuern“, sagte Wellbrock. Erfreut reagierten die Politiker auf die Nachricht, dass der Bürgerbus ab Dezember erneut mit leicht geändertem Fahrplan unterwegs sein wird. „Wir steuern dann auch den neuen Marktplatz an der Riesstraße an.“ Die vier Minuten, die sie dieses Manöver koste, müssten sie an anderer Stelle wieder rausholen. Der Bus muss schließlich die Anschlussverbindungen am Ritterhuder Bahnhof und in Lesum erreichen. „In Platjenwerbe wird eine Haltestelle und in Ritterhude der Stader Postweg wegfallen.“ Aber das seien ohnehin kaum genutzte Haltestellen, versicherte Wellbrock.

Diese positiven Nachrichten werden von der Finanzmisere in den Schatten gestellt. Wie sie trotz der steigenden Fahrgastzahlen entstehen konnte, erklärte der Vorsitzende: „Gut 80 Prozent unserer Fahrgäste transportieren wir kostenlos.“ Diese Fahrgäste seien entweder Schwerbehinderte, Schüler oder Umsteiger aus Bremen. Denn Fahrgäste, die bereits ein Ticket für die Strecke in Bremen gelöst und von Bus oder Bahn in den Bürgerbus umstiegen, um an ihr Ziel zu kommen, müssten kein weiteres Ticket bei den ehrenamtlichen Fahrern lösen. Vor diesem Problem stünden alle Bürgerbus-Vereine. „Aktuell führt unser Dachverband Pro-Bürgerbus deshalb Gespräch mit dem Verkehrsverbund Bremen / Niedersachsen.“ Es gehe darum, dass die Bürgerbus-Vereine eine pauschale Vergütung ihrer Transportleistung vom VBN erstattet haben wollen. „Aber ich glaube nicht, dass daraus was wird“, meinte Wellbrock.

André Hilbers (Grüne) sprach von einem Skandal. Auch die SPD glaubte, sich verhört zu haben. Und Horst Schumacher (CDU) forderte, dass sich die Verwaltung einschalten und für eine Vergütung des Vereins einsetzen müsse. „Es ist durchaus ein politisches Thema“, bestätigte Norbert Wellbrock. Uwe Helmers (SPD) regte daraufhin an, die Problematik in den Kreistag und zum Landrat zu tragen.

Es gab aber noch mehr schlechte Nachrichten. So informierte Wellbrock das Gremium darüber, dass die Unterhaltung des Busses sehr teuer sei. „Allein dieses Jahr haben wir 9000 Euro für Reparaturen bezahlt.“ 2017 hätte der Wagen einen Unfall gehabt. Der Fahrer hatte die Fahrzeugseite lädiert. Die Versicherung zahlte zwar, und der Verein konnte sich einen anderen Bürgerbus für die Zeit der Reparatur leihen. „Aber der wurde aus Versehen mit Benzin statt mit Diesel betankt.“ Allein dieses Missgeschick habe sie über 5000 Euro gekostet.

Bis Ende dieses Jahres reiche ihr Geld noch, um den Diesel für das Fahrzeug zu bezahlen. Dieses Geld, so berichtete Wellbrock, stamme von Sponsoren: Stadtwerke und Sparkasse nutzen den Bus als Werbeträger. Weitere Sponsoren habe er trotz aller Bemühungen unter den Ritterhuder Betrieben nicht finden können, bedauerte der Vorsitzende. Daher müssten sie nun die Gemeinde ansprechen. „Um unsere Betriebskosten nächstes Jahr decken zu können, bräuchten wir 11 000 Euro“, so Wellbrock. Verwaltungsmitarbeiterin Ute Marquardt bestätigte, dass der Betrag vorsichtshalber in den Entwurf des Haushaltsplans 2019 eingestellt worden sei. Die Ausschussmitglieder sahen nichts, was dagegen sprach. Sie stimmten dafür, dass der Rat dieses Geld zur Verfügung stellen solle.

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