Made in Niedersachsen: BKE Fislage

Büro-Ausstatter aus Ritterhude erforscht die Wünsche der Beschäftigten

Bisher kennen viele BKE Fislage wohl nur für eins: die Bürostuhl-Hockey-Meisterschaften. Doch die Ritterhuder verkaufen nicht nur Büromöbel, sondern erforschen auch die Gemütslage und Wünsche ihrer Kunden.
31.05.2020, 05:00
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Büro-Ausstatter aus Ritterhude erforscht die Wünsche der Beschäftigten
Von Eva Przybyla
Büro-Ausstatter aus Ritterhude erforscht die Wünsche der Beschäftigten

Ein luftiger Raum gesäumt von hellen Birken: Hier beginnt für viele Unternehmen ihre Büro-Neugestaltung. Seit 1997 hilft ihnen BKE Fislage dabei. Gründer Jens Fislage (r.) und Marketing-Chef Tim Baltruschat (l.) wollen ihre Kunden nun auch durch die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen begleiten.

Christian Kosak

Ist das Büro zu laut, die Stimmung der Mitarbeiter darin schlecht oder das Möbeldesign veraltet – dann ist Jens Fislage im Einsatz. Der Gründer des Ritterhuder Unternehmens BKE Fislage – der auch die Deutschen Bürostuhl-Hockey-Meisterschaften initiiert hat – arbeitet dann wie ein Allgemeinmediziner, wie er sagt: „Eine Firma hat Symptome, irgendetwas stimmt nicht. Wir machen die nötigen Tests und ermitteln, woran das liegen könnte.“ Die Lösung kann sehr verschieden ausfallen. Sei es ein Komplettumbau der Firmen-Büroräume oder sei es ein neuer Corona-Schichtplan. Was Fislage jedoch wichtig ist: Er verkauft nicht nur Möbel.

Betritt man den Flachbau von BKE Fislage in Ritterhude, sieht man auch nicht viele davon. Vor den bodentiefen Fenstern stehen ein paar Sitzgruppen, leuchtend grün, mit hohen Lehnen oder wellenartiger Silhouette. Teppiche mit verschiedenen Karo-Mustern liegen um einen Stehtisch. Alles zum Anfassen für die Kunden in Fislages Verbreitungsgebiet, dem Norden Deutschlands. Hier sollten die Auftraggeberinnen und -geber sehen, wie ihr Büro aussehen könnte, sagt Fislage.

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Dass sich die Innenarchitekten von BKE Fislage bei jedem Design etwas denken, verrät etwa der Besprechungsraum: Ihn trennt nur ein halbhoher Wall aus hellen Birkenstämmen von dem Ausstellungsraum. „Das soll Luft zum Atmen lassen“, erklärt der Geschäftsführer.

In diesem Raum beginnt der Prozess des „Changemanagements“, wie die Ritterhuder ihre Arbeit auf ihrer Internetseite nennen. Zunächst erzählten die Geschäftsführer einer Firma, was die Motivation für die Veränderung in ihrem Unternehmen ist, sagt Marketing-Chef Tim Baltruschat. Dann inspizierten Berater, Innenarchitekten und Auftraggeber das betroffene Gebäude, dessen Innenraum verändert werden soll. Schließlich seien die Mitarbeiter der Auftraggeber-Firma dran. Baltruschat holt ein großes Spielbrett mit bunten Kacheln.

Analyse, Planung, Umsetzung und Möbelbelieferung

„Produktives Arbeiten“ und „Konstruktives Arbeiten“ steht auf zwei davon. Mit diesen Kacheln sollen Mitarbeiter diskutieren, wo sie Ruhe für konzentrierte Tätigkeiten wie etwa das Programmieren brauchen. Das ist Teil des Gesamtpakets „Businessroom Escorting“ – so nennt BKE Fislage Analyse, Planung, Umsetzung und Möbelbelieferung. Das Konzept bietet die 1997 gegründete Firma seit etwa vier Jahren an.

Am Ende des Veränderungsprozesses soll der Auftraggeber dem Konzept zufolge alles für ein besseres Büro bekommen, was er will und bezahlen kann: eine gute Akustik, ergonomische Sitzmöbel, optimierte Laufwege, ein neues Design und vieles mehr. Für Plan und Umsetzung sind größtenteils die insgesamt 30 Mitarbeiter von BKE Fislage zuständig, darunter Innenarchitekten, Monteure und Logistiker. 2019 hat die Firma nach eigenen Angaben mehr als 60 Unternehmen begleitet. Heute zählt sie insgesamt 1 700 Firmen zu ihrem Kundenstamm.

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Fislage spricht vom „Spirit“ der Auftraggeber-Firma oder der DNA, der er gerecht werden will. Der Antrieb der Auftraggeber sei völlig unterschiedlich, meint der Geschäftsführer. Manche wollten lediglich ihre Geschäftsfläche optimieren, wiederum andere den attraktivsten Unternehmensstandort in der Stadt schaffen. Unterschiedlich fallen dann auch die Ergebnisse aus: Ein Empfangstisch beim Cornflakes-Hersteller Kellogg in Form einer hölzernen Müsli-Schale, eine Lounge mit roten Polstern im früheren Restaurant Erotic Kartoffel in der Bremer Innenstadt.

Nicht immer stößt eine angekündigte „Komplettlösung“ auf Gegenliebe bei den Büro-Mitarbeitern der Firmen, die sich von den Ritterhudern beraten lassen. „Oft sind die Mitarbeiter zunächst skeptisch“, sagt Fislage. Denn einige befürchteten, dass mit BKE Fislage das unbeliebte Großraumbüro Einzug in ihren Alltag halte. Doch selbst wenn die Ritterhuder dann Wände einreißen und einen Großraum inklusive einer Spielwiese schaffen: „Am Ende können wir die Belegschaft doch zufriedenstellen“, meint Fislage. Manche würden dann sogar den Großraum ihrem Einzelbüro vorziehen.

Yucca-Palmen als lebendes Vermächtnis

Fislage weiß: Übergeht sein Team die Bedürfnisse der Mitarbeiter, so wird sich das später rächen. Sticheleien sowie Unzufriedenheit könnten die Folge sein und dem Büro-Klima nachhaltig schaden, sagt er. Wie unvorhersehbar die Wünsche der Beschäftigten sein können, zeigt er an einem Auftrag für einen Energieversorger: Ein Viertel der Mitarbeiter bestand dort vehement darauf, alle Zimmerpflanzen ins neugestaltete Büro mitzunehmen. Fislage wurden jedoch in die Jahre gekommene Yucca-Palmen gezeigt, die nicht ins neue Bürokonzept passten. Diese „Erbpflanzen“ waren jedoch so etwas wie das lebende Vermächtnis der in Rente gegangenen Beschäftigten. Firmengeschichte im Blumentopf. Für sie plant Fislages Team nun einen Wintergarten.

Nicht nur mit den Wünschen der Mitarbeiter sind die Ritterhuder in den Umfragen konfrontiert, auch mit ihren Problemen. Manchmal zeige sich, dass ein Teil der Belegschaft bereits innerlich gekündigt habe, sagt Fislage. Eine bedenkliche Situation, an der jedoch keine Möbel oder Raumkonzepte etwas ändern könnten. Hier verläuft die professionelle Grenze für die Ritterhuder. „Wir sind keine Unternehmensberater“, sagt Baltruschat.

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Allerdings sind sie nah dran. Das zeigt etwa auch ihre Antwort auf das Coronavirus: „BKE Health“ heißt das Konzept. „Minimierung von krankheitsbedingten Ausfällen“ verspricht es nach eigenen Ahngaben. Doch Hygieneschutz allein soll das Angebot für Firmen nicht umfassen. Fislage will nämlich auf diese Weise, so die Idee, auch die Digitalisierung der Unternehmen vorantreiben und dauerhafte Homeoffice-Lösungen für sie finden. Statt von Plexiglasscheiben zwischen den Mitarbeitern spricht der Geschäftsführer von Prozessoptimierung.

Es klingt nach einem neuen Spielplan für die Büros – nicht nur für eine Übergangsphase. Denn Fislage ist sicher: „Die Corona-Pandemie wird auch in den nächsten Jahren Auswirkungen auf die räumliche Organisation der Unternehmen haben.“

Info

Zur Sache

German Chair-Hockey Masters

2007 feierte BKE Fislage sein zehnjähriges Bestehen mit den ersten Bürostuhl-Hockey-Meisterschaften in Deutschland. Bei diesem Jux-Sport treten zwei Firmenteams auf Bürostühlen gegeneinader an und spielen Hockey – nur im Sitzen. Diese ungewöhnliche Meisterschaft wurde zum Publikumshit: Teams aus Europa und ganz Deutschland reisen seither für die Veranstaltung an, die BKE Fislage alle zwei Jahre organisiert.

Um Geschäfte geht es dort nicht. „Der Großteil der Besucher weiß überhaupt nicht, was BKE Fislage ist und macht“, sagt Jens Fislage, Initiator des Turniers. Die Einnahmen werden an soziale Projekte gespendet.

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