Gesperrte Dammbrücke

Dehnungsfuge wird zum Sanierungsfall

Spröder Stahlbeton hat die Dammbrücke längst zum Sorgenkind des Landkreises gemacht. Nun hat ihr auch noch der Sommer zugesetzt. Der Hitzeschaden kann repariert werden, das Grundproblem besteht weiter.
21.09.2018, 18:03
Lesedauer: 3 Min
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Dehnungsfuge wird zum Sanierungsfall
Von Brigitte Lange
Dehnungsfuge wird zum Sanierungsfall

Die Hitze der vergangenen Wochen hat der Dammbrücke – als einziger Brücke im Landkreis – heftig zugesetzt, wie Umweltamtsleiter Andreas Schütte schildert.

Christian Kosak

Ritterhude. Die ungewöhnliche Hitze der vergangenen Monate und der Zahn der Zeit haben der Dammbrücke in Ritterhude übel mitgespielt. Am zweiten August-Wochenende haben Polizisten ein Loch in der Fahrbahndecke der 1973 gebauten Betonspann-Brücke bemerkt und die zuständige Kreisstraßenmeisterei alarmiert. Das Bauwerk wurde zunächst komplett, dann halbseitig für den Verkehr gesperrt. Nun rückt die Fachfirma an. „Die Sanierungskosten liegen im hohen vierstelligen Bereich“, berichtet Andreas Schütte, Leiter des Umweltamtes beim Landkreis Osterholz.

Ein Foto vom 10. August zeigt, dass das Loch zunächst etwa faustgroß gewesen war. „Immer mehr Asphalt ist durch den Spalt nach unten gefallen“, sagt Schütte. Inzwischen ist die Öffnung etwa handbreit und länger als ein Arm. Sie gibt den Blick frei auf den darunter liegenden Kopf des Brückenpfeilers.

„Der Schaden ist genau im Bereich der Dehnungsfuge aufgetreten“, bemerkt er. Über dem Brückenpfeiler, dem sogenannten Widerlager. Das Bauwerk besitze zwei solcher Fugen – jeweils dort, wo die Straße in die Brücke übergeht; dort, wo der Überbau der Brücke beginnt. Die Fugen sind unabdingbar für die Stabilität des Bauwerks. „Die Statik allein könnte die Reiß- und Ziehkräfte, die auf eine Brücke wirken, nicht ausgleichen.“ Unter dem Einfluss von Kälte, Hitze, Wind, der Erdbewegung und den Fahrzeugen bewegt sich das Bauwerk, dehnt sich aus, zieht sich zusammen, wird – etwa bei Bremsmanövern schwerer LKW – geschoben. Diese Bewegungen gleicht die Dehnungsfuge aus.

Normalerweise seien solche Fugen drei bis vier Zentimeter breit. „Hier ist sie auf gut neun Zentimeter aufgeweitet“, sagt Schütte. Dazu kommt, dass die Firmen, die die Brücke in den 1970er-Jahren bauten – damals noch im Auftrag des Landes Niedersachsen, Stahlbleche für die Fugen in den Überbau eingearbeitet hätten. In einen Bereich, der von unten offen ist. „Die Bleche sind mit der Zeit verrottet.“ Schütte zeigt auf die rostig-zerbröckelten Kanten der aufgebrochenen Spalte. „Aus Verkehrssicherheitsgründen haben wir die Brücke sofort gesperrt.“ Vor allem für Motorradfahrer sei der Spalt im Asphalt gefährlich.

Um das Bauwerk zumindest provisorisch wieder in Betrieb nehmen zu können, organisierte der Landkreis über eine Baufirma zwei Eisenplatten, die sie über die Schadensstelle legten. Das habe eine Woche gedauert: Keine der angesprochenen Firmen konnte bei vollen Auftragsbüchern ad hoc Eisenplatten entbehren. Mit den dann doch bereitgestellten Platten war die Brücke einspurig mit einer Höchstgeschwindigkeit von zehn Stundenkilometern befahrbar. Vor der Sanierung mussten die Platten nun entfernt, die Brücke erneut komplett gesperrt werden.

Ab Montag soll die Spalte geschlossen werden. Die Fachfirma, die den Auftrag zu einem „angemessenen, nicht überteuerten Preis“, wie Schütte betont, erhalten hat, sei die einzige von fünf angefragten Fachfirmen, die ein Angebot abgegeben habe. Sie wird nun die Fahrbahndecke der Brücke im Bereich der Dehnungsfuge auf ganzer Breite abfräsen. Die freigelegte Fuge wird dann mit einem Bitumengemisch gefüllt. Damit dieses nicht nach unten auf den Brückenpfeiler tropft, wird zuvor eine Matte, eine Art Vlies, in der Fuge verlegt. „Das Bitumengemisch ist sehr elastisch, wie Knete; es geht bei jeder Bewegung mit“, erklärt Andreas Schütte. Von der restlichen Asphaltdecke könne es kaum unterschieden werden. Voraussichtlich nächsten Donnerstag sollen die Arbeiten abgeschlossen und die Brücke wieder für Pkw geöffnet werden.

Daran, dass Lastwagen die Dammbrücke gar nicht und landwirtschaftliche Fahrzeuge sie nur mit einer Ausnahmegenehmigung vom Landkreis queren dürfen, ändert diese Sanierung übrigens nichts. Der Spalt im Asphalt hat nichts mit dem grundsätzlichen Problem des Bauwerkes, dem spröden Stahl im Inneren, zu tun. Die Brücke muss ersetzt werden. Die Vorarbeiten dazu laufen. Aktuell würde ein Fachbüro unter anderem klären, ob die Widerlager der Dammbrücke stehen bleiben können oder genau wie der Überbau für den Neubau abgerissen werden müssen. „Das ist ein langwieriges Verfahren“, so Schütte. Er geht davon aus, dass die Ergebnisse etwa Anfang kommenden Jahres der Politik vorgestellt werden können.

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