Fußball-Landesliga Lüneburg

Die Vertrauensfrage gestellt

Nach sieben sieglosen Spielen hat sich die Situation für die TuSG Ritterhude krisenhaft zugespitzt. Trainer Geils verrät im Interview auch, dass er in der Teamaussprache die Vertrauensfrage gestellt hat.
28.09.2018, 16:55
Lesedauer: 4 Min
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Die Vertrauensfrage gestellt
Von Tobias Dohr
Die Vertrauensfrage gestellt

"Die Vertrauensfrage haben wir schon gestellt": Julian Geils hofft nun endlich auf den Wendepunkt.

Christian Kosak

Herr Geils, seit vier Jahren ging es gefühlt immer nur nach oben mit der TuSG. Erst der Bezirksliga-Klassenerhalt, dann die Vizemeisterschaft, schließlich der Aufstieg und zuletzt der souveräne Ligaverbleib in der Landesliga Lüneburg. Würden Sie mir zustimmen, dass Sie derzeit die erste richtige Krise in Ritterhude erleben?

Julian Geils : Wir hatten ja auch in der vergangenen Rückrunde ähnliche Ergebnisse wie jetzt. Aber da hatten wir ein entsprechendes Punktepolster, das fehlt nun natürlich. Deshalb fühlt sich die derzeitige Situation eben auch etwas anders an.

Wie genau fühlt es sich denn an?

Ich habe seit der ersten Trainingseinheit im Sommer immer wieder davon gesprochen, dass wir bei der TuSG mit unseren Mitteln immer ans Limit gehen müssen, um die Landesliga halten zu können. Es sollte jedem bewusst sein, dass wir einem solchen Ziel alles unterordnen müssen. So war es auch in den Jahren unserer Erfolge. Insofern ist es schon sehr enttäuschend, wenn von 26 Spielern gleich 13 in der Sommervorbereitung in den Urlaub fahren.

Sie sprechen die Vorbereitung an, wie geht das Team denn aktuell mit der Situation um?

Wir hatten den absoluten Tiefpunkt ja nach dem 2:7 im Gellersen-Spiel. Die Jungs müssen verstehen, dass selbst 100 Prozent keine Garantie bei uns sind, dass wir automatisch gewinnen. Wir waren in Gellersen sehr weit weg von 100 Prozent, aber viel schlimmer war die Art und Weise. Ein Beispiel: Die Gästekabine in Gellersen ist wirklich sehr klein. Als wir da reinkamen, sagte ein Spieler sofort: Da ziehe ich mich ja lieber draußen um. Durch solche Sachen haben wir Energieverluste, die wir einfach nicht gebrauchen können.

Das ist sicherlich eine Kleinigkeit, die aus der gesamten Situation resultiert. Aber was würden Sie denn als Hauptursache für den derzeitigen Negativlauf ausmachen?

Die Hauptursache liegt sicher darin, dass wir uns als Team einfach noch nicht gefunden haben. Phasenweise zeigen wir es, aber noch nie über 90 Minuten. Und das trifft auch aufs Training zu. Es bringt uns einfach nicht weiter, wenn wir genervt sind von der Platzsituation. Wenn wir lustlos trainieren, spielen wir auch entsprechend.

Jetzt sind mit Marco Grahl und Andre Grundmann zwar zwei ganz wichtige Spieler gegangen, aber Sie haben mit Akteuren wie Tobias Jahn, Niklas Kutz, Merten Hellmann, Marcel Meyer oder Janluca Grove ja immer noch zahlreiche erfahrene Spieler im Kader.

Das ist so, wir haben es aber noch nicht geschafft, zu vermitteln, was wirklich wichtig ist. Und auch diese Spieler gehen nun erst in ihre zweite Landesligasaison und erleben solch eine Phase zum ersten Mal. Nach dem Gellersen-Spiel saßen wir zwei Stunden zusammen. Da wurden Dinge klar angesprochen, und wir haben ja auch Konsequenzen gezogen (Dario Cordes wurde aus der Mannschaft gestrichen, Anm. d. Red.). Die Körpersprache war zuletzt im Training und im Harsefeld-Spiel auch schon deutlich besser, deshalb habe ich auch ein besseres Gefühl als zuletzt.

Sie hatten schon vor einigen Monaten gesagt, dass es durch den Erfolg leichter geworden sei, neue Spieler von der TuSG zu überzeugen. Im Vorfeld der Saison waren Sie dann auch ziemlich zufrieden mit der Kaderzusammenstellung. Wie beurteilen Sie es aus heutiger Sicht?

Ich sage es ganz klar: Von der individuellen Klasse her sind wir stärker als im vergangenen Jahr. Das spielerische Vermögen, vor allem auch in der Breite, ist besser als zuletzt.

Bei 27 Gegentreffern nach sieben Spielen muss man aber ja festhalten: Entweder ist die Qualität nicht ausreichend, oder aber die Einstellung. Die Qualität ist aber eigentlich vorhanden, sagen Sie?

Aus meiner Sicht ja. Aber derzeit spielen dann eben auch andere Dinge mit rein. Dann kommen dann so Sachen dazu, wie diese unfassbare Fehlentscheidung vor dem Elfmeter im Harsefeld-Spiel, der zum 0:1 führt. Danach gehen die Köpfe dann natürlich schnell wieder runter.

Im Profifußball steht ein Trainer nach sieben sieglosen Spielen längst im Fokus der Kritik. Vereinsseitig haben Sie nach den tollen Erfolgen der letzten Jahre sicher nicht viel zu befürchten. Aber wie sieht es intern aus? Hinterfragen Sie sich derzeit auch selbst?

Natürlich tut man das. Das ist ohnehin mein Naturell. Wenn ich versuche, den Jungs seit der ersten Trainingseinheit etwas zu vermitteln, und es bis jetzt offenbar noch nicht angekommen ist, muss ich mir natürlich Gedanken machen. Und das geht auch nicht spurlos an mir vorbei.

Aber Sie wollen es jetzt gemeinsam aus dieser Phase heraus schaffen?

Auf jeden Fall. Ich kann es ja auch ruhig so offen sagen: Die Vertrauensfrage haben wir nach dem Gellersen-Spiel schon gestellt. Es gab aber keine Anzeichen, die auf eine Trennung hindeuteten. Die Mannschaft war eher betroffen, dass ich überhaupt diese Gedanken habe. Dieses Gespräch mit der Mannschaft war wirklich gut und wichtig. Ich habe das Gefühl, dass die Jungs nun endlich wissen, worum es geht.

Das Gespräch führte Tobias Dohr.

Info

Zur Person

Julian Geils (35)

übernahm die TuSG Ritterhude im Dezember 2014 und führte das Team in die Landesliga Lüneburg, wo in der vergangenen Saison ein recht souveräner Klassenerhalt gelang. Geils arbeitet als Leitender Physiotherapeut an der Klinik Lilienthal und begann seine Fußballerlaufbahn einst auch bei der TuSG Ritterhude.

Info

Zur Sache

Gegner in Reichweite

Selten war für Julian Geils der Blick auf den nächsten Gegner so nebensächlich wie vor der Landesliga-Auswärtspartie seiner TuSG beim VfL Güldenstern Stade (Sonntag, 15 Uhr). „Wir dürfen jetzt nur auf uns schauen“, sagt Geils. „Entscheidend ist die Art und Weise, wie wir uns auf dem Platz präsentieren.“ Wie wichtig ein Erfolgserlebnis wäre, weiß aber natürlich auch der TuSG-Coach: „Wir brauchen dringend einen Brustlöser.“ Mit großer Freude hat Geils zur Kenntnis genommen, dass mit Merten Hellmann ein ganz wichtiger Akteur wieder an Bord ist. Dafür wird Niklas Lehmkuhl ausfallen, auch Nick Rode ist gesundheitlich angeschlagen. Aufsteiger Stade steht mit sieben Punkten auf Platz elf – also in Reichweite der TuSG.

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