14. Torfnacht an der Hamme Es rockt - auch ohne 10CC

Kurzfristig sagte die Band 10CC ihren Auftritt in Ritterhude ab. Die Besucher nahmen es gelassen. Nazareth und Captain Candy machten Dampf.
16.06.2019, 16:20
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Peter von Döllen

Ritterhude. Captain Candy sprang kurzfristig ein. Wobei springen nicht das richtige Wort ist. Der Rocker in roter Fantasyuniform kam mit einer Krücke auf die Bühne am Hamme-Forum in Ritterhude. Mit der wedelte er herum und röhrte in das Mikrofon, was das Zeug hielt. Dann zeigte der Captain auf eine Knieorthese und raunte: „Ich bin auch gehandicapt. Aber ich trete auf.“ Es war eine Anspielung auf die Band 10CC, die von Fans sehnsüchtig bei der Torfnacht erwartet wurde. Doch daraus wurde nichts.

Geschäftsführerin Regine Schäfer hatte den Gästen zuvor schon die traurige Nachricht überbracht. „Ich mache die Torfnacht schon so lange. Noch nie habe ich eine so kurzfristige Absage erlebt“, sagte sie. Nach dem Konzerte erklärte sie, was passiert war. Am Freitagnachmittag ploppte bei ihr eine Mail auf. Aus gesundheitlichen Gründen sagte 10CC die Teilnahme für den nächsten Tag ab. Knapp 24 Stunden blieben dem Team für eine Entscheidung. „Absagen wollten wir nicht“, erklärte Schäfer. Schließlich stand Nazareth schon in den Startlöchern. Und deren Fans sollten nicht enttäuscht werden. Zudem war die Bühne schon aufgebaut, alle Vorbereitungen waren getroffen.

Also musste noch eine Supportband her. Nach ganz vielen Telefonaten wurde Regine Schäfer schließlich bei Captain Candy fündig. Die Band ist auch als Bremen-Eins-Band bekannt, covert gekonnt Rockstücke und bringt jede Party zum Kochen. Spontan sagten die Musiker zu. „Es ist toll, auf einer solch bekannten Veranstaltung zu spielen“, bemerkte Captain Candy. Eine Coverband als vollwertigen Ersatz für 10CC? Das muss jeder selbst werten. Fakt ist, dass die Candys richtig Dampf auf dem Open-Air-Gelände an der Hamme machten. Einen Rockklassiker nach dem anderen feuerten die Jungs ab: Rader Love, Born to be wild, Satisfaction oder We will rock you. Das Publikum kam immer mehr in Stimmung. Als die Band nach einer Stunde die Instrumente wegpackte, waren die Besucher ein wenig enttäuscht. „Die Band soll weiter spielen“ oder „Bleibt hier“ war aus den Reihen zu hören. Die lauten Rufen nach Zugabe mussten die Rocker wohl überhören.

Während die Techniker für Nazareth umbauten, holten sich die Zuschauer ein Bier oder deckten sich mit etwas zum Essen ein. Die Wehmut konnten aber nicht alle runterspülen. „Ich bin extra wegen 10CC aus Cuxhaven gekommen. Nazareth habe ich schon mehrmals gesehen“, meinte ein Besucher traurig. Und ein anderer sagte: „10CC hat mehr so richtig bekannte Hits als Nazareth.“ „Nicht mehr einladen“, meinte ein Dritter kategorisch. Er hatte erst auf dem Gelände von der Absage gehört. „Wir haben über Facebook, Radio und andere Kanälen informiert“, sagte Regine Schäfer. Doch die Wahrscheinlichkeit, alle Karteninhaber zu erreichen war in der kurzen Zeit natürlich gering. Deswegen bot und bietet das Hamme-Forum jetzt zwei Möglichkeiten der Wiedergut-Machung: Wer sich gar nicht erst auf den Weg gemacht hat, kann die Karten komplett zurückgeben. Wer sich das Konzert anhörte, bekommt einen Teil des Eintrittspreises erstattet. Damit waren offenbar viele Musikfans einverstanden.

Etwas nach 21 Uhr war es dann soweit: Zu schottischen Klängen betraten die Musiker von Nazareth die große Bühne. Dann stürmte Frontmann und Sänger Carl Sentance hinzu. Der Funke sprang gleich über. Die Zuschauer machten mit und geizten nicht mit Beifall. Köpfe nickten im Takt, Hände gingen nach oben. Lee Agnew, Jimmy Murrison, Pete Agnew und Sentance legten gleich eine harte und schnelle Gangart ein. In der langen Bandgeschichte, die 1968 begann, wechselten die Schotten öfter mal die Stilrichtung, wurden teilweise auch poppiger. Davon war in Ritterhude nichts zu spüren. Carl Sentance, der erst 2014 als Sänger zu Nazareth kam, interpretierte die Stücke souverän.

Zwischendurch legten Jimmy Murrison und Pete Agnew minutenlange Gitarrensolos ein, und kurz vor Schluss wurde es unter dem hellen Mond auch ein wenig psychedelisch. Am Ende wurde es doch eine schöne 14. Torfnacht, mit der Musiker, Organisatoren und Besucher zufrieden waren.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+