Planen für die Zukunft

Forschung: Vom Auto aufs Fahrrad

Die Universitäten in Dortmund und Bremen wollen wissen, wann Senioren zu Fuß oder mit dem Rad fahren. Die Ergebnisse sollen Städteplanern helfen. Eine der Kommunen, die am Projekt teilnehmen, ist Ritterhude.
10.10.2018, 17:58
Lesedauer: 2 Min
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Forschung: Vom Auto aufs Fahrrad
Von Brigitte Lange
Forschung: Vom Auto aufs Fahrrad

Forscherin Lena Oeltjen.

Brigitte Lange

Ritterhude. Die Bezeichnung ist ein wenig sperrig: Afoot nennt sich das Forschungsprojekt, an dem Ritterhude aktuell teilnimmt. Der Titel steht für „Alternd zu Fuß oder mit Fahrrad“. Zu kompliziert, findet Bürgermeisterin Susanne Geils. „Wir suchen noch nach einem anderen Namen.“ Nebensächlich. Worum es eigentlich geht, will die Verwaltung am Freitag, 12. Oktober, ab 8 Uhr auf dem Marie-Bergmann-Platz erläutern.

Initiiert wurde das Forschungsprojekt von Professor Gabriele Bolte von der Universität Bremen (Public Health und Pflegeforschung) und Professor Karsten Zimmermann (Raumplanung) von der Technischen Universität Dortmund. Im Visier haben sie die ältere Generation. Wie kann sie motiviert werden, mehr Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen? Wie müssen die Städte geplant werden, damit Senioren seltener ins Auto steigen? Denn jede Besorgung, die sie nicht mit dem Wagen erledigen, ist gut für ihre Gesundheit. Und wer länger fit bleibt, könne länger in der eigenen Wohnung leben. Geils hofft, so ein Hilfsmittel an die Hand zu bekommen, um Ritterhude für die ältere Generation so attraktiv zu gestalten, dass diese nicht ins nahe Bremen abwandert.

Dabei gehe es nicht um eine komplette Überplanung von Ritterhude. Auch wenn Geils sagt: „Ich würde am liebsten alles auf links drehen.“ Aber das ließe die finanzielle Lage Ritterhudes gar nicht zu, schiebt sie nach. Vielmehr gehe es darum, ein Schema beziehungsweise Anhaltspunkte zu bekommen, was sie für die ältere Generation bei künftigen Planungen bedenken sollten, erklärt Oliver da Silva Sobral, Ingenieur im Bauamt der Gemeinde Ritterhude.

Besonderes Bonbons für die Gemeinde: Mit Geldern aus dem Forschungsprojekt wurde eine Stelle in der Gemeindeverwaltung geschaffen. Gesundheitswissenschaftlerin Lena Oeltjen ist für zwei Jahre der Bauabteilung zugeteilt und übernimmt den praktischen Teil der Forschung. „Wenn ich am Ende gehe, soll die Gemeinde etwas haben, das sie für ihre Planungen nutzen kann.“

Von Beginn an sollen die Bewohner ins Projekt einbezogen werden, teilen die Drei mit. Sie seien die Experten, sie wüssten, warum sie ihre Einkäufe lieber mit dem Auto erledigen. „Für viele spielt dabei der Sicherheitsaspekt eine große Rolle“, vermutet Oeltjen. Geschotterte Wege, hohe Bordsteinkanten, viel Autoverkehr auf engen Straßen seien Gründe, warum gerade Ältere nicht mehr Rad führen.

Bei Spaziergängen mit Bürgern durch die einzelnen Ortsteile und mit Fragebögen sowie anderen Aktionen will Oeltjen den Ursachen nachspüren. Auch wenn bei dem Projekt der Fokus auf den Senioren liegt, am Ende würden alle, auch die jüngeren Ritterhuder, von den Ergebnissen profitieren – wenn diese in die künftigen Planungen einfließen.

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