Fast 400 Teilnehmer Friedlicher Protest gegen die AfD

Zwei Demonstrationszüge waren gegen die jüngste AfD-Veranstaltung im Hamme-Forum durch Ritterhude gezogen. Die Polizei sprach nach der Kundgebung vorm Veranstaltungszentrum von einem reibungslosen Verlauf.
17.03.2019, 19:34
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald

Ritterhude. Der „Straßenterror“, als den die Partei Alternative für Deutschland (AfD) die öffentlichen Protestaktionen gegen ihre Politik bezeichnet hatte, fand nicht statt: Gut drei Stunden lang demonstrierten am Sonnabend annähernd 400 Menschen – die Polizei sprach von mehr als 300 – friedlich und ohne Zwischenfälle vor dem Hamme-Forum in Ritterhude gegen das sogenannte Frühlingsfest des AfD-Kreisverbands Osterholz/Verden.

Während im Festsaal des Veranstaltungszentrums für die Europawahl im Mai mobilisiert wurde, skandierten die Demonstranten auf der Freifläche vor dem Hamme-Forum „AfD, das tut weh!“ Sie waren in zwei getrennten Kolonnen vom Bahnhof aus durch die Riesstraße marschiert. Zunächst das „Bremer Bündnis gegen Rechts“ in überwiegend schwarzer Kluft, eine knappe Stunde später der von den Osterholzer Jungsozialisten und Kreis-Grünen angeführte Demo-Zug mit bunten Schirmen und in farbenfroher Kleidung.

Unter dem Motto „Wir sind bunt“ solle deutlich gemacht werden, dass in Deutschland Menschen unterschiedlicher Herkunft zu Hause sind. Malte Wintjen, Vorsitzender der Osterholzer Jusos: „Die AfD und ihre Fraktionsvorsitzende Alice Weidel schüren dagegen Hass auf die aus ihrer Sicht Nicht-Deutschen.“ Und Wolfgang Goltsche, Kreisvorsitzender der Osterholzer Grünen, kritisierte: „Konzentration auf das Nationale und Modelle aus dem vorvorigen Jahrhundert, auf Marktextremismus und Neoliberalismus fördern Spaltung, Missgunst und Zwietracht in der Gesellschaft.“

Jungsozialisten und Grüne wollten die Demonstration gegen die Rechtspopulisten allerdings nicht als rein parteipolitisch motivierte Aktion verstanden wissen. Vielmehr waren alle Bürger aufgerufen, sich an der Kundgebung gegen die AfD zu beteiligen. Und so marschierten neben Vertretern aus Ritterhuder Ratsfraktionen auch Mitglieder aus Sportvereinen und Gewerkschaften zum Hamme-Forum. Wo die Vorsitzenden des SPD-Kreisvereins Osterholz, Christina Jantz-Herrmann und Jürgen Kuck, den Ansprachen ebenfalls lauschten und ihre Solidarität bekundeten. Redner des Bremer Bündnisses gegen Rechts geißelten vor allem die „AfD-Hetze gegen Geflüchtete und Muslime" und warfen der Partei vor, schon lange kein ausschließlich konservatives Profil mehr zu haben. Auch Teile des Bremer Landesvorstands seien vernetzt mit Rechtsradikalen und der Identitären Bewegung.

Der Osterhozer Juso-Chef Malte Wintjen und seine Vorstandskollegin Kristin Lindemann hatten in diesem Zusammenhang in einem Aufruf zur Demonstration an eine Aussage von Alice Weidel vom Mai vergangenen Jahres im Bundestag erinnert. Danach, so Weidel damals, könnten "Burkas, Kopftuchmädchen, alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und den Sozialstaat nicht sichern". Die Antwort auf diese Hasstirade lieferten Kundgebungsteilnehmer am Sonnabend mit dem Schlachtruf „Keinen Fußbreit für die AfD!"

Derweil patrouillierten schwer bewaffnete Polizeibeamte an den Sperrgittern rund ums Hamme-Forum und beobachteten die Szene auf der Rasenfläche nahe der Hammebrücke. Randale oder Krawalle konnten sie nicht registrieren. Wohl aber immer wieder Trillerpfeifen, Tröten und lautstarke Beifallsbekundungen für die Redner vernehmen, zu denen bunte Fahnen und Regenschirme geschwenkt wurden. Und schließlich zwei Eierwürfe in Richtung Veranstaltungsgebäude, wie es in der Mitteilung der Polizeiinspektion Verden/Osterholz vom Sonnabendabend heißt.

Die Beamten waren in zahlreichen Mannschaftswagen aus Verden, Oldenburg und Hannover angerückt. In welcher Zahl, wollte Polizei-Sprecherin Imke Burhop aus taktischen Gründen nicht sagen. Insgesamt aber seien Demonstrationsmärsche und Kundgebung friedlich und reibungslos verlaufen. Die Straßensperrungen hätten kurzfristig zu leichten Verkehrsbehinderungen geführt.

Nur einmal gab es doch ein wenig Aufregung unter den Kundgebungsteilnehmern. Als Besucher des „blauen Frühlingsfestes“ auf dem Balkon des Veranstaltungszentrums ihre Kameras zückten und auf die Demonstranten richteten. Die daraufhin ihre Schals vors und die Kapuzen ins Gesicht zogen.

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