Serie „Der neue Alltag“ - Letzter Teil

Frank Mühlmann: „In Erinnerung bleiben die persönlichen Schicksale“

Zum Abschluss unserer beliebten Serie "Der neue Alltag“ lassen wir unseren Freien Mitarbeiter Frank Mühlmann im 100. und letzten Teil einmal selbst erzählen, wie es ihm so als Sportler geht.
23.08.2020, 13:47
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Frank Mühlmann: „In Erinnerung bleiben die persönlichen Schicksale“
Von Dennis Schott
Frank Mühlmann: „In Erinnerung bleiben die persönlichen Schicksale“

Frank Mühlmann, Sportwart und Tischtennis-Spieler der TuSG Ritterhude.

FR

Lieber Frank, anlässlich der 100. Ausgabe unserer Serie, die zugleich den Abschluss bildet, drehen wir den Spieß einfach mal um und befragen Dich an dieser Stelle. Also: Wie sieht Dein neuer sportlicher Alltag aus und in welchen Bereichen vermutest Du persönlich die größten Schwierigkeiten?

Frank Mühlmann: Ich trainiere schon länger wieder regelmäßig zweimal pro Woche, auch wenn es nach dem unberechtigten Abstieg und dieser Albtraum-Entscheidung anfangs schwer war, neue Motivation zu schöpfen. Am 2. September beginnen wir in Huchting ungewöhnlich früh mit den Punktspielen und würden gerne die schwache letzte Saison vergessen machen. Angesichts steigender Infektionszahlen, deren Trend sich in den kälteren Monaten fortsetzen dürfte, Maskenpflicht in der Sporthalle und vielerorts geschlossener Duschräume, frage ich mich allerdings, ob es wirklich sinnvoll ist, gerade in einer Hallensportart nun in eine neue Spielzeit zu starten. Meiner Meinung nach will der Verband hier mit dem Kopf durch die Wand. Als Sportwart waren die letzten Monate übrigens teilweise deprimierend. Kaum hatte man ein Hygienekonzept aufgestellt, musste man es schon wieder überarbeiten. Selbst wenn ich die Vorgaben des Landes Niedersachsens und die Vorstellungen des Tischtennisverbandes vollständig berücksichtigt hatte, konnte es sein, dass sie nicht mit denen der Gemeinde Ritterhude übereinstimmten.

Lesen Sie auch

Wie siehst Du die derzeitigen Lockerungen?

Mir ging es anfangs mit den Lockerungen viel zu schnell. Außerdem fehlt mir nach wie vor seitens der Regierung ein vorausschauender, transparenter Plan, wie man bei unterschiedlichen Infektionsszenarien zukünftig verfahren will. Der Lockdown war zweifellos richtig, um in dieser vergleichsweise entspannten Situation zu sein. Mir sind die Geldstrafen für Maskenverweigerer und die Nichteinhaltung der Quarantäne aber viel zu niedrig.

Was hast Du während des Lockdowns am meisten vermisst und welche Dinge aus dieser Zeit möchtest Du gerne beibehalten?

Am meisten die ausgefallenen sportlichen Großereignisse in diesem Sommer. Ich hatte Fußballtickets für EM-Spiele in Dublin, München und Amsterdam und hätte bei den Olympischen Sommerspielen sicherlich auch wieder eckige Augen bekommen. Es fiel auch schwer, monatelang nicht unterrichten zu können. Glücklicherweise haben viele meiner erst kürzlich nach Deutschland gezogenen Schülerinnen und Schüler ihre B2-Sprachprüfung trotz der langen Pause mittlerweile bestanden. Positiv war, dass ich mir wieder mehr Zeit zum Lesen genommen habe.

Lesen Sie auch

Wie sehr schränkt Dich Corona noch ein?

Es ist schon noch ein mulmiges Gefühl, in hoch frequentierte öffentliche Verkehrsmittel zu steigen. Restaurants besuche ich lediglich, wenn man bei gutem Wetter draußen sitzen kann. Zudem kann ich mir schwer vorstellen, dass es in diesem Jahr noch mit einem Besuch im Weserstadion klappt.

Es gibt kaum jemanden, den Du nicht befragt hast. Wie bist Du eigentlich auf die ganzen Interviewpartner gestoßen?

Ganz unterschiedlich! Bekannte „Größen“ unserer Region hat man natürlich auf dem Zettel. Manchmal bekam ich aber auch Tipps, wer wohl eine interessante Story zu erzählen hat. Und dann half die Internetrecherche bei meinem persönlichen Wunsch, praktisch alle Sportarten in unserer Umgebung abzubilden.

Und was ist Dir in den exakt 99 Interviews am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben?

Erst mal die durch und durch spontane und freudige Bereitschaft der Interviewpartner mitzumachen und gerne auch mal etwas über den sportlichen Tellerrand hinaus zu erzählen. Es war natürlich spannend, Einblicke aus den unterschiedlichen Sportarten zu erhalten. Wie geht die Fußballszene mit der langen Wettkampfpause um, aber wie beeinflusst Corona auch das Training eines Parkour-Läufers oder Ultrasteinstoßweltmeisters? An Aspekte, dass beim Turnen viele Geräte wegen der Unverträglichkeit des Desinfektionsmittels nicht benutzt werden können oder beim Rudern nur das Fahren im Einer erlaubt war, hätte ich nie gedacht. In Erinnerung bleiben aber auch die persönlichen Schicksale. Selbstverständlich fühlt man mit, wenn das Haus eines Befragten kurz vorm Lockdown komplett abbrennt oder ein Hochzeitsfotograf oder Kampfsportstudiobetreiber durch Corona ihrer gewohnten Arbeit nicht mehr nachgehen können.

Das Interview führte Dennis Schott.

Lesen Sie auch

Info

Zur Person

Heute von:

Frank Mühlmann, 41 Jahre alt, freier Mitarbeiter der Sportredaktion und Tischtennis-Spieler der TuSG Ritterhude

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+