Wirbel um Facebook-Foto „Ich habe zu wenig überlegt gehandelt“

Grünen-Sprecher Wolfgang Goltsche hat bei Facebook vor einem Mann gewarnt, der sich bei einem Treffen der Grünen Jugend nicht als Mitglied der Jungen Union zu erkennen gab. Später löschte er den Eintrag wieder.
07.07.2019, 17:38
Lesedauer: 2 Min
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„Ich habe zu wenig überlegt gehandelt“
Von Brigitte Lange

Die Bundestagsfraktion der Grünen hat sich den Datenschutz zum politischen Ziel gesetzt. So schreibt sie auf ihrer Internetseite: „Wir streiten für Privatheit.“ Sie pochen darauf, dass „die informierte Einwilligung in den Umgang mit persönlichen Daten der Ausgangspunkt bleiben sollte“. Und sie sprechen sich gegen Manipulationen aus. In NRW setzen sich Ortsgruppen der Bündnisgrünen zudem ausdrücklich für den Schutz vor Cybermobbing ein. Dass seine Partei für all dies – für einen sensiblen Umgang mit Daten, Fotos und Menschen – steht, hatte der Sprecher des Osterholzer Kreisverbands der Bündnis-Grünen, Wolfgang Goltsche, Ende voriger Woche ganz offensichtlich komplett verdrängt. Ihm sei da ein „Fehler“ und eine „Riesendummheit“ unterlaufen, räumte er auf Nachfrage der Redaktion ein.

Zum Zeitpunkt des Gesprächs war auf der Facebook-Seite des Grünen-Kreisverbands noch ein Foto mit Mitgliedern der Jungen Union und der CDU-Ortsgruppe Ritterhude zu sehen. Eine der jüngeren Personen auf der Aufnahme, ein JU-Mitglied, war mit einem Pfeil besonders markiert und hervorgehoben.

Dieser junge Mann, so war zu lesen, sei jüngst zu einem Treffen der neu gegründeten Ritterhuder Ortsgruppe Grüne Jugend erschienen. Dass er zum Nachwuchs der CDU gehört, habe der junge Mann an dem Abend nicht verraten, ereifert sich Wolfgang Goltsche, der Verfasser des Posts. Stattdessen habe sich das JU-Mitglied für die E-Mail-Adressen der Teilnehmer interessiert, habe sie haben wollen. Und die „große Cola“, so ärgert sich Goltsche weiter, habe er sich auch spendieren lassen. „Hier ist der Übeltäter übrigens. Falls er es noch mal woanders versuchen sollte“, warnt der Sprecher des Osterholzer Kreisverbands mit Text, Bild und Pfeil die Besucher der öffentlich-zugänglichen Facebook-Seite.

Auf die Frage der Redaktion, ob dies der neue Stil der Osterholzer Grünen sei, kommt Wolfgang Goltsche am anderen Ende der Telefonleitung hörbar ins Stocken. „Das ist eigentlich nicht ganz korrekt“, stimmt er zu. „Aber ich habe mich so geärgert.“ Das sei schlechter Stil gewesen, räumt er ein. Er habe sich von seinen Emotionen hinreißen lassen. „Ich habe zu schnell und zu wenig überlegt gehandelt“, sagt der Kreisverbandssprecher. Anderen passiere das auch. „Ich mache das nicht noch mal.“ Den Post löschte Goltsche noch während des Telefonats von der Facebook-Seite.

Dass es sich bei dem Teilnehmer des Grüne Jugend-Treffens tatsächlich um ein Mitglied der Jungen Union handelt, habe er zufällig durch eine Freundschaftsanfrage eines anderen JU-Mitglieds auf Facebook entdeckt. Er habe wissen wollen, wer dieses JU-Mitglied ist, das da seine „Freundschaft“ suchte. „Auf dessen Facebook-Seite habe ich dann das Foto entdeckt“, erzählt Wolfgang Goltsche. Und auf dem Bild: den Teilnehmer, der nur wenig über sich preisgegeben habe. Er sei sich sicher, den Mann wiedererkannt zu haben.

„Hätte er uns gesagt, dass er zur JU gehört, wären wir damit ganz locker umgegangen“, sagt Goltsche. Das hätte die Diskussion doch befeuert; das wäre schön gewesen. Aber selbst als er nun das JU-Mitglied, das seine Freundschaft im sozialen Netz gesucht hatte, anschrieb und auf die Teilnahme seines Kollegen an dem Treffen der Grünen Jugend ansprach, habe er keine Antwort erhalten. Interessiert zur Kenntnis habe er stattdessen genommen, dass die CDU die Ritterhuder Gruppe der Jungen Union nun reaktiveren wolle, sagte Goltsche. Ein erstes Treffen war laut Facebook für Freitag geplant.

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