Meine Woche

„Ich tippe auf einen 3:2-Sieg der Bremer in Frankfurt“

Stürmer Andre Niedzulka vom Fußball-Kreisligisten SG Platjenwerbe berichtet darüber, was er in den vergangenen sieben Tagen erlebt hat und was ihn bewegt hat.
03.03.2020, 15:25
Lesedauer: 4 Min
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„Ich tippe auf einen 3:2-Sieg der Bremer in Frankfurt“

Fußballspieler und Fußballfan: Andre Niedzulka von der SG Platjenwerbe.

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Mittwoch, 26. Februar: Um 12.45 Uhr mache ich mich auf zu meiner Spätschicht bei der Firma Saturn Petcare im Güterverkehrszentrum. Seit fünf Jahren arbeite ich hier als Maschinen- und Anlagenführer. Da Katzen und Hunde nicht aussterben werden, handelt es sich um einen sicheren Job. Viele wollen aber keine Schichtarbeit machen. Deshalb sucht meine Firma auch immer neue Mitarbeiter. Ich selbst kann mir vorstellen, diese Arbeit noch für zehn bis 15 Jahre zu verrichten, weil auch der Verdienst stimmt. Auf Dauer macht Schichtarbeit aber den Körper kaputt. Unter der Schichtarbeit leidet auch das soziale Leben. Wenn andere sich vergnügen, muss ich zur Arbeit. Aber seitdem ich im Schichtdienst tätig bin, weiß ich wenigstens, wer meine wahren Freunde sind. Aufgrund privater Probleme ist der Fußball bei mir in den vergangenen Monaten in den Hintergrund getreten. Deshalb und wegen gesundheitlicher Probleme habe ich in diesem Jahr noch nicht einmal gegen den Ball getreten. Dennoch bin ich für das Punktspiel meiner Mannschaft beim SV Aschwarden am Sonntag eingeplant.


Donnerstag, 27. Februar: Auf der Arbeit verpacke ich bereits fertige Tüten mit Tierfutter in Pappe und übernehme die Endkontrolle. Da es an jedem Tag andere Störungen mechanischer und elektronischer Art gibt, ist die Arbeit nie eintönig. Ein Dauerthema auch auf der Arbeit ist natürlich die sportliche Situation bei meinem Lieblingsverein Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga. Die Krise liegt nicht an einzelnen Spielern, sondern am Großen und Ganzen. Im Pokal reißen sich die Spieler dann zusammen und sind bereit, zu jedem Ball zu gehen. Es hängt also von der Einstellung jedes Einzelnen ab. Die stimmt bei K.-o-Spielen, aber eben nicht in der Liga, weil die Spieler da immer glauben, sie könnten es ja noch im nächsten Spiel wieder richten. Viele Akteure scheinen nach dem Motto zu verfahren, dass das viele Geld auch so auf ihr Konto wandert und sie im Falle des Abstiegs eben den Verein wechseln. Vielleicht wäre ein Abstieg auch mal reinigend.


Freitag, 28. Februar: Da ich mich nicht so gut fühle, nehme ich mir einen Tag Urlaub. Ich lasse mich nicht wegen jeder Kleinigkeit gleich krankschreiben. Ich nutze den Tag, um mir auf Netflix eine Dokumentation über Karim Benzema von Real Madrid anzuschauen. Ich bewundere diesen viel mehr als Leo Messi und Christiano Ronaldo, weil Benzema mit weniger Talent viel erreicht. Ich selbst hatte nach meinem Innenbandriss im rechten Knie beim SV Lemwerder schon ans Aufhören gedacht. Mein Kumpel Jan-Hendrik Bosse, der Trainer bei der SG Platjenwerbe ist, hat mich dann aber vor dieser Saison zum Probetraining eingeladen. Nach nur zehn Minuten war ich begeistert und hatte Lust, mit den vielen 18- und 19-Jährigen im Kader etwas zu erreichen. Meine gute Zeit liegt aber schon hinter mir. Nach Spielen fühlt sich mein Knie mal gut und mal schlecht an. Da ich kein Geld mit dem Fußball verdiene und auch mal Frau und Kinder haben möchte, hänge ich die Fußballschuhe an den Nagel, wenn es mit dem Knie schlechter wird. Ich will schließlich auch noch mit meinen Kindern kicken können.


Sonnabend, 29. Februar: Weil sich mein Gesundheitszustand in der Nacht verschlechtert hat, trinke ich den ganzen Tag Kamillen- und Pfefferminztee. Außerdem esse ich Schwarzbrot mit Leberwurst. Meine beiden Großmütter Karin Vetteler und Elvira Niedzulka haben mir als Kind immer gesagt, dass man damit groß und stark wird. Ich nehme mir einen Handy-freien Tag, um meine Erkältung in Ruhe auszukurieren. Ich erfahre von der witterungsbedingten Spielabsage unserer Partie in Aschwarden. Auch wenn ich gerne gespielt hätte, ist dies in meiner derzeitigen Situation das Beste, was mir passieren konnte. Die Schmähplakate gegen den Mäzen der TSG Hoffenheim, Dietmar Hopp, der Anhänger von Borussia Dortmund und des FC Bayern München gehen natürlich gar nicht, auch wenn es sicherlich nicht die feine Art ist, einen Verein derart hochzukaufen. Dass sich die Spieler der TSG Hoffenheim und von Bayern München den Ball in den letzten Minuten absprachegemäß nur noch gegenseitig zuschieben, ist ein Novum.


Sonntag, 1. März: Mit meiner Gesundheit geht es deutlich bergauf. Deshalb nehme ich auch das Angebot meines direkten Nachbarn Marcel Meyer, seines Zeichens Stürmer beim Bezirksligisten TuSG Ritterhude, an, das Nachbarschaftsduell des SV Eintracht Aumund gegen den SV Grambke-Oslebshausen in der Bremer Fußball-Kreisliga A anzuschauen. Beim SVGO läuft mein Kumpel Philip Ruholl auf, dem ich natürlich besonders die Daumen drücke. Die Gastgeber gewinnen aber dank des Treffers von Ricardo Willenbrock mit 1:0. Wir verlassen die Anlage jedoch bereits nach 70 Minuten, um noch rechtzeitig zum Spiel von Marcels Sohn Joel zu kommen. Der tritt mit der U12 der TuSG Ritterhude gegen den Blumenthaler SV an. Mit Joel spiele ich ab und zu Fifa-Soccer auf der Playstation. Da muss ich ihn natürlich auch ab und zu mal gewinnen lassen, weil er ja erst elf Jahre alt ist. Am Abend schaue ich mir auf RTL das TV-Duell zwischen Oliver Pocher und Michael Wendler an. Pocher setzt sich erwartungsgemäß durch. Er ist schon ein dicker Brocken als Gegner. Dass das Heimspiel der Bremer gegen Eintracht Frankfurt von der DFL verlegt wurde, ist für Frankfurt gut. Aber auch die Werderaner können nun noch mal ein bisschen an sich arbeiten.


Montag, 2. März: Weil ich frei habe, helfe ich einem Freund, Laminat zu verlegen. Als gelernter Tischler kann ich so etwas. Ich bin immer für Freunde da, muss aber vielleicht auch mal lernen, Nein zu sagen. Aber grundsätzlich sollte eine Freundschaft eine gesunde Mischung aus Geben und Nehmen darstellen.


Dienstag, 3. März: Ich muss erneut nicht zur Arbeit und besuche deshalb meine Eltern „Kalle“ und Petra sowie meinen jüngeren Bruder Leon in Neuenkirchen. Leon spielt kein Fußball, sondern geht ins Fitnessstudio. Das kann ich mir auch gut für die Zeit nach meiner Fußballer-Laufbahn vorstellen. Ich freue mich schon auf Werders Pokalspiel morgen in Frankfurt. Ich tippe auf einen 3:2-Sieg der Bremer. Ich wünsche mir, dass mein Verein mal wieder Pokalsieger wird und in der Europa-League spielt. Ob der Pokal aber unbedingt in dieser Saison mit Abstiegskampf ins Konzept passt, ist fraglich.


Kirsten Janik, die Trainerin des SV Grambke-Oslebshausen II in der Handball-Bremenliga der Frauen, wird als Nächste über ihre Woche berichten.

Info

Zur Person

André Niedzulka (25)

ist Stürmer beim Osterholzer Fußball-Kreisligisten SG Platjenwerbe. Der gelernte Tischler und Maschinen- und Anlagenführer hatte zuvor für den SV Lemwerder gekickt und war dann lange verletzt ausgefallen. Niedzulka wohnt in Schwanewede.

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