Projekte Ritterhuder Schulen

„Irgendwann fällt jede Mauer“

Ritterhuder Schulen haben mit Projekten zum 9. November Stellung zu zwei historischen Ereignissen bezogen: Dem Novemberpogrom und dem Mauerfall.
08.11.2019, 17:40
Lesedauer: 2 Min
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Von Friedrich-Wilhelm Armbrust
„Irgendwann fällt jede Mauer“

Schüler der Grundschulen in Ritterhude, Ihlpohl und des Schulzentrums Moormannskamp haben ihre ganz eigene Mauer gebaut.

CARMEN JASPERSEN

Ritterhude. Substantive und Adjektive wie „Trennung“, „Trauer“ und „Streit“, „unfair“ und „böse“ stehen auf mit Papier umwickelten Schuhkartons. Übereinander gestapelt, bilden sie eine Mauer in der Eingangshalle des Rathauses. Viertklässler der Ganztagsschule Ritterhude haben die Kartons hergestellt. „Auf der Mauer steht, was wir nicht so toll finden“, sagt der zehnjährige Femke. Vor der Mauer liegen Hämmer aus Papier. „Was auf den Hämmern steht, soll das Gute sein“, so der Viertklässler. Auf ihnen stehen Worte wie „Freiheit“ und „Gleichheit“. „Damit können die Menschen die Mauer zerbrechen“, erklärt die neunjährige Kaya.

Am Freitagvormittag stellten neben den Schülern aus der Ganztagsschule auch Viertklässler aus der Grundschule Ihlpohl und Zehntklässler aus der Haupt- und Realschule Moormannskamp ihre Projekte zum 9. November 1989 und 1938 vor. „Wir führen jedes Jahr bei uns die Unterrichtseinheit Stolpersteine durch“, berichtet die Schulleiterin der Grundschule Ihlpohl, Tanja Jordan. Ihre Schüler hatten eine Stellwand und eine Weltkugel mitgebracht.

Anhand von Porträts von Zeitzeugen und Biografien der Opfer wurde den Klassen vermittelt, was Diktatur und Krieg für den einzelnen Menschen bedeutet. Dazu ließen die Viertklässler von ihrer Betroffenheit wissen: „Die Verachtung und die Gewalt, die diese Menschen erleiden mussten, schockieren uns.“

Die Zehntklässler vom Moormannskamp hatten auf Bistro-Tischen bearbeitete Ytong-Steine gestellt. „Vorne steht drauf, was wir unter Freiheit verstehen“, sagt die 16-jährige Dilber. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, ist auf dort geschrieben. „Irgendwann fällt jede Mauer“, lautet ein weiterer Satz. Die Rückseite ist mit einem blauen Engel bemalt.

Realschulrektor Ralf Willert zeigte sich „beeindruckt“ von den Ideen, die die Schüler zum Fall der Mauer eingebracht hätten. „Ihr habt euch identifiziert.“ So bilde zum Beispiel ein Stein eine Marionette ab, so Willert. Insofern hätten die Schüler darüber nachgedacht, wie der Staat hinter der Mauer regiert habe. „Hut ab“, lobte er die Zehntklässler.

Die Schulen haben in Kooperation mit Rathaus-Sachbearbeiterin Birgit Mura die Ausstellung zum Gedenken an die Tage des 9. November 1989 und 1938 auf den Weg gebracht. Mura selbst hat die Stolpersteine in Ritterhude in Erinnerung an die von den Nationalsozialisten verfolgten Menschen geschmückt und dazu eine Kerze entzündet. Daneben steht eine Tafel mit der Biographie der Opfer.

Eröffnet hat die Veranstaltung Bürgermeisterin Susanne Geils. „Die Reichspogromnacht ist ein dunkles Kapitel in unserer Geschichte“, sagte die Bürgermeisterin. Die Stolpersteine und die Aktion der Schüler gäben dem Schicksal ein Gesicht. Das war ihr wichtig. Bei diesem Anlass erinnerte sie auch an den gerade plötzlich verstorbenen Reinhard Egge. „Er hat uns gemahnt, die Erinnerungskultur aufrecht zu erhalten und dass sich die Geschichte des Nationalsozialismus nicht wiederholen dürfe.“

Hinsichtlich des Falls der Mauer verwies die Bürgermeisterin darauf, dass die Menschen im Osten Deutschlands bis dahin in einem Unrechtsstaat gelebt hätten. Sie hätten „immer getreu ihren Politikern“ folgen müssen

Außerdem gibt es noch ein Projekt des Gymnasiums Ritterhude im Foyer des Schulzentrums Moormannskamp. Die Arbeitsgruppe „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ der Sekundarstufe I präsentiert eine Ausstellung am Schulzentrum. In der Ausstellung sind sowohl die 81 Jahre zurückliegende Reichspogromnacht als auch der Mauerfall vor 30 Jahren thematisiert. Damit können sich auch die Schüler, die diese Ereignisse noch nicht im Unterricht behandelt haben, informieren.

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