Sportplätze am Moormannskamp

Mangelhafte Flickschusterei

Die Sportanlagen im Ritterhuder Stadion Moormannskamp sind in einem desolaten Zustand. Während die Vereine deshalb teilweise nur noch Auswärtsspiele bestreiten, hofft die Gemeidne auf Sanierungsgeld aus Berlin.
04.10.2018, 16:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald
Mangelhafte Flickschusterei

Nicht nur Maik Fiegert, Trainer der 1. Herren der SG Platjenwerbe, beklagt den Zustand des Fußballplatzes im Stadion Moormannskamp.

Maximilian von Lachner

Ritterhude. Das Urteil über das Stadion Moormannskamp ist vernichtend: Auf einem solchen Acker hätten sie noch nie gespielt, halten Gastmannschaften mit geharnischter Kritik nicht hinterm Berg. Olaf Wendorff, Fußballspartenleiter der SG Platjenwerbe, und Trainer Jan Harde haben deshalb ungewöhnliche Konsequenzen gezogen: Wahrscheinlich bis zur Winterpause absolviert der Kreisliga-Neuling nur noch Auswärtsspiele. Derweil hofft die Rathausverwaltung auf Fördergelder des Bundes, um für 1,57 Millionen Euro die Sportanlagen im Stadion zu sanieren sowie einen Kunstrasenplatz anzulegen.

Der erste Blick vom Parkplatz aus täuscht. Da präsentiert sich der Rasen des Spielfeldes scheinbar noch in sattem Grün. Doch bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass er eine Gefahr für die Sportler ist und dringend einer Kur bedarf. Ute Marquardt, zuständig für die Politikfelder Bildung, Kultur und Freizeit in der Hammegemeinde, verweist auf die monatelange Hitzewelle und Trockenperiode, in der zu allem Überfluss auch die Sprinkleranlage nicht funktionierte. Um den Platz doch noch für den Spielbetrieb zumindest leidlich fit zu machen, ließ der Bauhof unlängst ein Gemisch aus Sand und Mutterboden auffahren. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass die von einer Firma gelieferte Erde mit Steinen und Glasscherben durchsetzt war. Mitglieder der Ritterhuder Badgers und der SG Platjenwerbe entfernten die gefährlichen Fremdkörper in einer Gemeinschaftsaktion. Ein regelmäßiger Spielbetrieb im Stadion ist freilich noch immer nicht möglich. Und dieser Engpass macht für die betroffenen Vereine deutlich, dass es in Ritterhude ein Sportplatzproblem gibt.

Auf dem Geestrücken namens Moormannskamp befinden sich zwei Rasenplätze, die von den Fußballern der TuSG Ritterhude, der SG Platjenwerbe, des TSV Lesumstotel sowie von den Footballern der Ritterhuder Badgers genutzt werden. Darüber hinaus gibt es ein in Eigenarbeit der Vereine hergerichtetes kleineres Rasenfeld, auf dem in erster Linie trainiert wird. Insgesamt tummeln sich rund 30 Mannschaften auf den drei Spielfeldern beim Schulzentrum.

Was vor allem die Belastbarkeit der Rasenfläche im Stadion bei weitem übersteige, hat das Bremerhavener Planungsbüro Hoppe in einem Gutachten für die Gemeinde festgestellt. Und weiter: Die intensive „Sportnachfrage“ lasse sich eigentlich nur noch mit einem Kunstrasenspielfeld befriedigen. Die Alternative würde heißen: Mangelhafte Flickschusterei und keine Sanierung der Sportanlagen insgesamt. Die vom Planungsbüro erarbeitete Mängelliste ist denn auch lang. Auf dem Stadiongelände präsentieren sich neben dem Spielfeld sämtliche Kunststoffflächen der Laufbahnen und Sprunganlagen sowie die Einlaufrinnen zur Oberflächenentwässerung in einem desolaten Zustand. Fazit der Seestädter: „Die Sportanlage Moormannskamp ist in die Jahre gekommen. Verdeckte und offensichtliche Schäden führen vor dem Hintergrund der intensiven Nutzung durch Schule und Sportvereine zu einem dringlichen Sanierungsbedarf.“

Die Kosten dafür werden mit insgesamt 1,57 Millionen Euro beziffert. 90 Prozent dieser Summe möchte sich die Gemeinde, wie berichtet, aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ vom Bund finanzieren lassen. Mit rund 100 Millionen Euro will das Bauministerium bundesweit 102 Projekte fördern. Ob auch für die Sanierung des Ritterhuder Stadions Geld zur Verfügung gestellt wird, dürfte sich demnächst herausstellen. Sollte der vom Rat abgesegnete Vorstoß in Berlin auf Wohlwollen stoßen, müsste Ritterhude rund 157 000 Euro, also zehn Prozent der Gesamtsumme, aus eigener Kasse bezahlen. Wenn der Ritterhuder Antrag in der Bundeshauptstadt indes keine positive Resonanz findet, leiden Vereins- und Schulsport weiter. Die Plätze seien schon jetzt so stark ausgelastet, dass eigentlich nichts mehr passieren dürfe, sagt der Fußballabteilungsleiter der TuSG Ritterhude, Volker Guttmann. Mit anderen Worten: Auch in Zukunft sind ohne Fördergelder des Bundes notdürftige Reparaturmaßnahmen und Spielausfälle programmiert. Und noch dramatischer wäre die Lage, hätte die TuSG Ritterhude ihren Jahnsportplatz für den Bau eines Verbrauchermarktes aufgeben müssen. Doch diese Pläne seien vom Tisch, sagt Volker Guttmann und fügt an: „Wir wollen in unserer guten Stube bleiben.“

Über zu wenige und gleichzeitig zu stark belastete Sportplätze in der Gemeinde Ritterhude wird schon seit gut zwei Jahrzehnten geklagt. Und seitdem hat sich die Lage nicht gebessert. Als die SG Platjenwerbe 2012 darauf hoffen durfte, an der Straße Heidkamp eine Sportanlage mit Fußballplätzen zu erhalten, scheiterte das Projekt auf der Zielgeraden an einer kurzfristig mit Hilfe der Verwaltung initiierten Bürgerbefragung. Damals sprach die Gemeinde von einer nicht tragbaren finanzielle Belastung, heute verweist sie auf ihre „Haushaltsnotlage“, um nur zehn Prozent der Kosten für eine Stadionsanierung tragen zu müssen. Falls das Bundesbauministerium grünes Licht gibt.

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