Meine Woche

Elfmeterschießen wäre verdient gewesen

Fynn Müller-Rulfs ist Mitglied beim RC Tempo Ritterhude. Auch sein älterer Bruder Eric und seine Cousine Julia Müller-Rulfs sind als Springreiter beim RC Tempo Ritterhude im Einsatz.
04.05.2021, 12:32
Lesedauer: 6 Min
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Von Karsten Hollmann
Elfmeterschießen wäre verdient gewesen

Fynn Müller Rulfs studiert Umwelttechnik und kümmert sich in seiner Freizeit um seine Pferde.

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Mittwoch, 28. April: Wie jeden Tag starte ich zusammen mit meinem Bruder Eric mit dem Füttern und Versorgen der Pferde. Damit beginnen wir meistens zwischen 6.30 Uhr und 7 Uhr, aber auch schon mal früher. Anschließend finden normalerweise die Vorlesungen meines Studiums der Umwelttechnik an der Hochschule Bremen statt. Heute fällt die Vorlesung Umweltmikrobiologie jedoch kurzfristig aus. So nutze ich die Zeit, um schon einmal zwei Pferde zu reiten, bevor es am Mittag mit nachhaltiger Infrastruktur in meinem Studium weitergeht. Einer der wenigen Vorteile an den Online-Semestern ist, dass ich die Freistunden gut nutzen kann. Am späten Nachmittag steht dann wie jeden Tag erneut das Füttern der Pferde auf dem Programm. Der Reitsport wurde mir quasi in die Wiege gelegt, da mein Opa damals langsam damit angefangen hatte und vor allem mein Vater Henning zusammen mit meinem Onkel Carsten Müller-Rulfs das Ganze weiter intensiviert hat. Derzeit wird gerade ein Springturnier nach dem anderen wegen der Corona-Pandemie gestrichen. Der Landkreis Osterholz lässt überhaupt keine Turniere zu. Das ist ein schwieriges Thema. Man muss, denke ich aber, schon langsam einen Weg finden, wie man Veranstaltungen wieder unter bestimmten Bedingungen stattfinden lassen kann. Immer natürlich unter Berücksichtigung der aktuellen Corona-Fallzahlen. Vor allem wünsche ich mir einfach einheitlichere Regelungen, da es in jedem Landkreis sehr unterschiedlich geregelt ist, wie und wo ein Turnier stattfinden darf. Mit den ganzen Turnierausfällen und Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie ist es schon sehr ermüdend, da man immer etwas ins Ungewisse weitertrainiert. Der Tag endet mit dem Nacharbeiten der ausgefallenen Vorlesung. Den Stoff müssen wir uns in dieser Woche quasi selber beibringen.

Donnerstag, 29. April: Der Donnerstag ist normalerweise der Labortag in meinem Studium. Aufgrund der Corona-Regeln sind wir zurzeit aber in sehr kleine Gruppen aufgeteilt und haben nur etwa jeden dritten Donnerstag ein Laborpraktikum in der Hochschule. Der freie Tag startet nach der normalen Stallroutine am Morgen allerdings wieder mit ein paar Uni-Aufgaben. Und vor dem Mittag kann ich noch einen jungen Hengst zu Hause trainieren. Am Nachmittag steht ein Springtraining auswärts auf dem Programm. Dafür nehme ich dieses Mal den fünfjährigen Wallach Valantus und meinen zehnjährigen Schimmelwallach Cool Edition mit. Für meine siebenjährige Stute Catalonia steht nämlich noch eine Impfung an. Es handelt sich dabei um eine Zweitimpfung gegen Pferdeherpes. Auf vielen Turnieren gibt es Bestimmungen zur Fiebermessung und der Kontrolle davon. Auf internationalen Turnieren wird gegebenenfalls auch gezielt auf das Pferdeherpes getestet. Die Fälle scheinen sich ja aber etwas beruhigt zu haben. Am Abend arbeite ich an einem Gruppenprojekt zum Thema „Aufbereitung von Weserwasser“. Es handelt sich dabei nur um ein Selbstprojekt, damit wir alle so etwas mal in der Praxis und im kleinen Maßstab sehen können. Ob so etwas in Zukunft auch unsere bevorstehenden Wasserprobleme lösen kann, ist für mich schwierig zu sagen. Dafür fehlen mir auch noch weitere Hintergrund-Informationen. Jedenfalls muss in Zukunft verstärkt auf Alternativen geschaut werden. So viel scheint sicher zu sein. Ich habe mich für ein Studium der Umwelttechnik entschieden, da es ein Thema mit zunehmender Wichtigkeit ist, das in Zukunft wohl auch gute Perspektiven bieten kann.

Freitag, 30. April: Statt einer Vorlesung im Modul „Wasserwirtschaft“ steht an diesem Morgen eine erste Vorbesprechung der Gruppenarbeit zur Wasseraufbereitung mit der Dozentin an. Anschließend gibt es noch ein paar Übungsstunden zu verschiedenen Themen. Ab dem frühen Nachmittag geht es dann wieder bis zum Abend in den Stall. Den späten Abend füllt der Rest Umweltmikrobiologie vom Mittwoch. Nebenbei verfolge ich aber auch noch die nächste Niederlage von Werder Bremen. Das DFB-Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig ist aber sehr spannend und ausgeglichener als erwartet. Werder hätte, finde ich, das Elfmeterschießen verdient gehabt. Und dann wäre alles offen und ein Ausscheiden danach nicht so extrem bitter gewesen. Selbst spiele ich zwar auch noch Fußball bei der SG Platjenwerbe in der Kreisliga Osterholz. Dort bin ich aber nur aktiv, wenn es mein eigener Zeitplan zulässt.

Sonnabend, 1. Mai: Der Tag startet wie immer mit dem Füttern der Pferde, bevor auf uns ein etwas längeres Frühstück wartet. Für Catalonia gibt es am Mittag erneut ein wenig Springtraining, nachdem die Stute die Herpes-Impfung gut überstanden hat. In genau einer Woche steht dann das langersehnte erste Turnier der neuen Saison für uns in Klein Vahrlingen an. Nach den vielen neuen Turnierabsagen, die den eigenen Turnierplan immer wieder durcheinandergebracht haben, sind wir sehr froh, dass wir endlich starten können. Da sich der Tag im Stall bis kurz vor 20 Uhr zieht, ist am Abend nichts mehr geplant. Deshalb kann ich mir noch das zweite DFB-Pokal-Halbfinalspiel zwischen Borussia Dortmund und dem Zweitligisten Holstein Kiel anschauen.

Sonntag, 2. Mai: Am Vormittag stehen bei mir die jungen Pferde auf dem Programm. Zum Beispiel absolviere ich mit einem vierjährigen Hengst ein paar lockere Sprünge. Der Hengst ist erst seit Dezember 2020 unter dem Sattel und lernt seitdem sehr schnell dazu. Am Nachmittag trainiere ich dann die älteren Turnierpferde. Da die Turniere jetzt also näherkommen, hat man auch endlich wieder ein genaues Ziel, worauf man sich vorbereiten muss. Das sorgt direkt für deutlich mehr Spaß in der täglichen Arbeit. Insgesamt geht ein recht ruhiges Wochenende zu Ende. So etwas bin ich schon gar nicht mehr gewohnt und wird sich durch die hoffentlich regelmäßigen Turniere nun auch schon ganz bald wieder ändern. Normalerweise wäre ich an diesem Wochenende zur Eröffnung der grünen Saison des Kreisreiterverbandes Osterholz beim Turnier des RV Sankt Jürgen in Frankenburg bei Lilienthal gestartet. Doch diese Veranstaltung fällt ebenfalls der Corona-Pandemie zum Opfer. Mitglied beim RC Tempo Ritterhude bin ich ungefähr seit meinem sechsten Lebensjahr. Einen Konkurrenzkampf zwischen mir, meinem Bruder Eric und meiner Cousine Julia Müller-Rulfs gibt es nicht. Wir helfen uns auch untereinander immer wieder mal bei den Pferden des jeweils anderen, wenn der eine mal einen Tag mehr Zeit hat und noch ein oder zwei Pferde mitreiten kann. Als Reiter ist man sowieso immer abhängig von der Qualität seiner Pferde. Und es wird immer Phasen geben, in denen man ein Pferd vielleicht nicht mehr hat und erst wieder ein junges Pferd auf ein höheres Niveau bringen muss. Die ganze Reiterei ist natürlich angenehmer, wenn die ganze Familie da auch mit dabei ist. Beruflich bin ich noch nicht ganz sicher, wohin die Reise geht. Die Reiterei werde ich aber wohl eher nicht zum Beruf machen. Da müsste sich schon eine ziemlich außergewöhnliche Situation ergeben, der man nicht widerstehen kann.

Montag, 3. Mai: In die neue Woche starte ich mit einer Vorlesung zum Thema „Ökosysteme und ihre Funktionsweise“. Thema heute sind marine Ökosysteme. Es geht also darum, was eigentlich alles im Wasser lebt und passiert. Anschließend nutze ich die etwas längere Mittagspause, um zwei Pferde zu bewegen. Aufgrund des schlechten Wetters ziehen wir uns in die Halle zurück und machen etwas lockere Bewegung. Direkt danach geht es wieder an den Schreibtisch. Den Nachmittag verbringe ich mit der Vorlesung Mathematik II. Die Vorlesung dauert bis in den frühen Abend. Deshalb helfe ich anschließend noch einmal im Stall und versorge unser mittlerweile sieben Tage altes Hengstfohlen.

Dienstag, 4. Mai: Der Tag beginnt mit einer Vorlesung in aquatischer Chemie und geht bis zum späten Vormittag. Es folgen bis in den Nachmittag hinein Übungsstunden. Danach geht es bis zum Abend in den Stall. Weil es erneut regnet, ziehen wir uns wieder in die Halle zurück. Ich bin schon gespannt auf den Auftritt von Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga am Wochenende gegen Bayer Leverkusen. Im Kampf um den Klassenerhalt sammelt die Konkurrenz in letzter Zeit immer Punkte, nur Werder nicht. Aber die Hoffnung bleibt, dass wir mittlerweile gut geübt in Krisensituationen und das auch noch irgendwie schaffen. Ich glaube, dass auch ein Trainer-Wechsel drei Spieltage vor Schluss jetzt keinen großen Unterschied mehr gemacht, sondern vielleicht sogar im Gegenteil für noch mehr Chaos gesorgt hätte. KH

Michael Nonnewitz, der Pistolen-Referent des Blumenthaler SV, wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Fynn Müller-Rulfs (22)

ist Mitglied beim RC Tempo Ritterhude. Der Springreiter studiert im zweiten Semester Umwelttechnik an der Hochschule Bremen. Auch sein älterer Bruder Eric und seine Cousine Julia Müller-Rulfs sind als Springreiter beim RC Tempo Ritterhude im Einsatz.

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