Ausstellung Mit Klecksen Kunst erschaffen

Georg Olliges hat sich der Kunstform Tachismus verschrieben. Derzeit sind einige seiner Bilder im Ritterhuder Rathaus zu sehen.
11.04.2019, 16:04
Lesedauer: 2 Min
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Von Christa Neckermann

Ritterhude. In den nächsten Tagen wird Ritterhudes Bürgermeisterin wieder etwas länger in ihr Büro brauchen. Was ihr den Weg verlängert sind die Werke Georg Olliges, dessen Ausstellung jetzt in der unteren Rathaushalle eröffnet wurde. Wie Susanne Geils anlässlich einer zurückliegenden Ausstellung erklärte, liebt sie es, auf dem Weg ins Büro noch einmal die Werke der Künstler auf sich einwirken zu lassen.

Und Olliges Bilder können Eindruck machen. „Ich gebe meinen Bildern absichtlich keine Titel“, verrät der Künstler. „Jeder soll für sich selbst finden, was das Bild für ihn darstellt“.

Das entspricht in etwa auch der Kunstform, die sich Georg Olliges in den vergangenen Jahren zunehmend verschrieben hat, dem Tachismus. Susanne Geils beschreibt in ihrer Laudatio diese Form mit den eigenen Worten des Künstlers: „Das bedeutet nichts anderes, als Kleckse zu machen. Ein Bild entsteht aus dem Unterbewusstsein heraus, aus der Intuition, ohne eine wirkliche Idee dahinter…“

Und so erfassen auch die Betrachter die Werke intuitiv auf ihrer eigenen Seelenebene. Sie erkennen im Gesamtbild vielleicht einen Sonnensturm, doch bei näherer Betrachtung einzelner Stellen scheint es eher ein Lebewesen zu sein, das in einen Farbtopf eintaucht. „Manchmal, wenn man ganz nah an das Bild herangeht, erkennt man auch Gesichter oder Tiere darin“, meint Georg Olliges schmunzelnd.

„Georg Olliges beschreibt seinen Schaffensdrang als die Auseinandersetzung mit sich selbst und dem Material“, sagt Susanne Geils in ihrer Laudatio und stellt diesen Schaffensdrang wie einen künstlerischen Kampf Mann gegen Material vor. Olliges kämpfe mit der Leinwand und die Leinwand mit ihm. Das könnte auch erklären, weshalb Olliges sich weigert, seiner Malerei eine räumliche Richtung zu geben. Wo ist oben, wo unten? „Die Bilder können auch verkehrt herum aufgehängt werden. Dann erschließen sich ganz neue Perspektiven und Einblicke“, bemerkt der Künstler. Und so sind gleich mehrere Ausstellungsbesucher zu finden, die mit geneigtem Kopf die Bilder betrachten und so Neues in ihnen entdecken.

Georg Olliges gewährt seinen Bildern einen gewissen Reifungsprozess während der Entstehung. Oft kommt es vor, dass er die Bilder zur Seite stellt und sich erst anderen Werken zuwendet, bevor er das erste Werk wieder hervorholt, vielleicht um 90 Grad gedreht auf die Staffelei stellt und aus diesem neuen Winkel heraus mit Ölfarbe und Farbpigmenten, die seinen Arbeiten diese enorme Leuchtkraft verleihen, weiter bearbeitet. So reifen seine Bilder wie ein guter Wein und sind doch niemals wirklich fertig.

Olliges malt nicht um des Gefallens willen, sondern er malt den Gefühlszustand seiner inneren Welt. Dadurch veranlasst er die Betrachter, ebenfalls in ihre eigenen inneren Welten einzutauchen, um etwas in dem Werk zu erkennen und sich von ihm inspirieren zu lassen.

Inspirieren ließen sich die Gäste der Ausstellungseröffnung auch von dem Quintett „The awful hungry Hash House“ aus Bremen-Nord, die Georg Olliges zur Vernissage mitgebracht hatte. Klaus Busse, Martha Rosenbaum, Volker Haese, Klaus Schnirring und Axel Rosenbaum sind Musiker, die sich in der Formation des „Awful hungry Hash House“ ein wenig mit Blue Grass, Skiffel, Country und Western-Musik auseinandersetzen und ihr ihren eigenen Stempel aufdrücken. Das gefiel dem Publikum offenbar und passte sogar zu den Bildern Olliges, da auf einmal klar war, was die Bilder wirklich darstellten: Einen Sandsturm, die Sonne fast verdunkelnd, über den Wüsten New Mexicos.

Die Ausstellung mit Bildern von Georg Olliges ist noch bis zum 7. Juni während der Geschäftszeiten im Rathaus zu sehen.

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