Jugend forscht Mit Tintenkiller-Projekt zum Sieg

Mit ihren beiden Projekten haben drei Ritterhuder Gymnasiastinnen die Juroren von Jugend forscht und Schüler experimentieren überzeugt. In wenigen Tagen stellen sie sich der Konkurrenz beim Landesentscheid.
12.03.2019, 16:41
Lesedauer: 3 Min
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Mit Tintenkiller-Projekt zum Sieg
Von Brigitte Lange

Ritterhude. Welcher Schüler kennt ihn nicht – den Tintenkiller. Seit Generationen hilft er ihnen, die beim Schreiben mit einem Füller entstandenen Fehler zu löschen und zu überschreiben. „Aber wenn man sich dann beim Korrigieren noch mal verschreibt, hilft auch der Tintenkiller nicht mehr weiter“, sagt Katinka Schröter. Die zwölfjährige Ritterhuder Gymnasiastin hat sich darüber dermaßen geärgert, dass sie nach einer Lösung gesucht hat.

Mit der Idee, die Katinka Schröter zu dem Problem kam und an der sie in der Schul-AG „Jugend forscht“ gearbeitet hat, überzeugte sie nun die Juroren beim Regionalwettbewerb von „Schüler experimentieren“. Im Bereich Arbeitswelt belegte sie den ersten Platz. Ende des Monats wird sich zeigen, ob ihr Projekt das Zeug hat, um auf Landesebene zu siegen: Vom 28. bis zum 30. März stellen die Teilnehmer ihre Arbeiten und Ideen der Jury in Oldenburg vor.

Die Zwölfjährige ist nicht die einzige Ritterhuder Gymnasiastin, die mit einem Projekt bei diesem Nachwuchswettbewerb gepunktet hat. In der Teilnehmergruppe der 15- bis 21-Jährigen, die in der Kategorie „Jugend forscht“ antreten, haben die 17-jährige Finja Papke und die 18-jährige Anna Sophie Jungnitsch die Nase vorn gehabt und die übrigen Kandidaten beim Regionalentscheid im Bereich „Arbeitswelt“ in den Schatten gestellt. Anders als die Zwölfjährige gehören sie nicht zur AG. Sie entwickelten ihr Projekt als Teil des Unterrichtsfaches „Seminarfach“. Für die Freundinnen geht es nun am 18. März zum Landesentscheid nach Clausthal. Je nach Abschneiden könnten sie danach beim Bundesentscheid dabei sein.

Während Katinka Schröter mit verschiedenen Haushaltschemikalien experimentierte, um einen Weg zu finden, selbst die mit einem Tintenkiller-Stift produzierten Schreibfehler verschwinden zu lassen, entwickelten die beiden Älteren sowohl praktische als auch psychologische Tests für ihr Projekt. Die Frage, der sie damit nachgingen: „Wie wirkt sich der Charakter eines Menschen auf seine Fähigkeiten aus?“, umschreibt es Anna Sophie Jungnitsch. Anders formuliert: „Du bist, was du kannst; aber kannst du, was du bist?“

Um das herauszufinden, entwarfen die beiden jungen Frauen einen Persönlichkeits- und einen Fähigkeitstest. Bei ersterem mussten die Probanden Fragen beantworten. Je nach Antwort wurden ihnen Charaktereigenschaften zugewiesen. Im zweiten Teil ihrer Untersuchung testeten sie die Fähigkeiten der Teilnehmer. Zur Teilnahme an diesem praktischen Teil ihres Versuchs animierten sie ihre Mitschüler „mit Süßigkeiten und Softdrinks“, erzählt Anna Sophie Jungnitsch. Insgesamt 76 Personen hätten an beiden Tests teilgenommen.

Anhand der Ergebnisse des Persönlichkeitstestes konnten sie die anonymisierten Teilnehmer neun verschiedenen Charakteren zuordnen. „Innerhalb dieser Bereiche konnten wir dann die Fähigkeiten der Teilnehmer, die wir wiederum durch den praktischen Test ermittelt hatten, vergleichen“, erklärt Finja Papke. Bei diesem zweiten Test ging es um Geschicklichkeit, logisches Denken, Empathie. Anna Sophie Jungnitsch nennt ein Beispiel: „Die Teilnehmer mussten Gesichtsausdrücke interpretieren.“ Verschiedene Bilder wurden ihnen dazu vorgelegt. Ein anderes Mal mussten sie eine vorgezeichnete Form aus Draht nachbauen. Dabei bewerteten die Mädchen, wie genau die Form vom Probanden geformt wurde. „Waren die Ecken des Rechtecks ganz korrekt ausgeformt oder nur so larifari? Wie wichtig war es ihm, die Form richtig nachzubilden?“, erklärt Jungnitsch.

Die Ergebnisse beider Tests werteten die jungen Forscherinnen von Hand aus und trugen sie in eine Tabelle ein. „Durch die Tabelle konnten wir erkennen, dass tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Charakter und Fähigkeiten besteht“, sagt Finja Papke. Teilnehmer, die laut Persönlichkeitstest zum Beispiel „Helfer“ waren, bewiesen, dass sie alle sehr empathisch und sehr kreativ sind, berichtet Anna Sophie Jungnitsch. „Und beim Optimisten erwartet doch eigentlich jeder, dass er Empathie besitzt, weil er die Leute mitreißt“, bemerkt Finja Papke. Ihr Fähigkeitstest habe aber gezeigt, dass diese Personen tatsächlich nicht sehr empathisch seien, sondern vielmehr selbstverliebt. Sie wollten das Beste für sich selbst rausholen.

Eine Anwendungsmöglichkeit für den Test haben die Mädchen beim Wettbewerb direkt aufgezeigt bekommen. Er könnte Arbeitgebern bei der Auswahl von Mitarbeitern und Auszubildenden helfen, meinte ein Juror. „In die Richtung wollen wir weiter arbeiten“, sagt Jungnitsch. Viel Zeit haben sie und Papke dafür im Moment allerdings nicht. Sie lernen gerade für ihre Abiklausuren.

Während auf diese Drei der nächste Wettbewerbsentscheid zukommt, sitzen die übrigen Mitglieder der Jugend-forscht-AG, die von den Lehrerinnen Klaudia Thierbach und Maike Heiermann geleitet wird, bereits wieder an neuen Projekten. Insgesamt 30 von ihnen hatten an dem Wettbewerb teilgenommen. Einige von ihnen belegten auch zweite und dritte Plätze und gewannen Sonderpreise.

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