Explosion in Ritterhude

Organo Fluid: Keine neuen Ermittlungen

Vier Jahre nach der Zerstörung der Chemie-Firma Organo Fluid durch mehrere Explosionen weist die Generalstaatsanwaltschaft eine Beschwerde von Anwohnern ab. Diese wollten, dass weiter ermittelt wird.
18.09.2018, 16:45
Lesedauer: 2 Min
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Organo Fluid: Keine neuen Ermittlungen
Von Brigitte Lange
Organo Fluid: Keine neuen Ermittlungen

Am 9. September 2014 zerstörten mehrere Explosionen die Chemie-Recycling-Firma Organo Fluid in Ritterhude. Zahlreiche Häuser wurden schwer beschädigt, Anwohner verletzt. Ein Mitarbeiter starb einige Tage später an seinen Verletzungen. Nun steht es endgültig fest: Weder die Ursache noch der Schuldige für die Explosionen kann ermittelt werden.

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Ritterhude. Nun steht es endgültig fest: Die Ermittlungen zur Explosionsursache des Chemie-Recycling-Unternehmens Organo Fluid am 9. September 2014 werden nicht wieder aufgenommen. Anfang dieser Woche hat die Generalstaatsanwaltschaft Celle eine entsprechende Entscheidung der Staatsanwaltschaft Verden vom Februar 2018 bestätigt. Sie hat damit eine Beschwerde von 16 Anwohnern des zerstörten Betriebs gegen die Einstellung des Ermittlungsverfahrens wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung, unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Abfällen, unerlaubten Betreibens von Anlagen und anderem als unbegründet zurückgewiesen.

Anita Bartel-Kockmann, Anwohnerin der Kiepelbergstraße und eine der Beschwerdeführerinnen, ist desillusioniert. Sie habe den Glauben in den Rechtsstaat verloren. „Das ist wieder nach dem Prinzip gelaufen: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen“, sagt sie auf Nachfrage der Redaktion. Sie bezieht sich damit darauf, dass die Generalstaatsanwaltschaft Celle menschliches Versagen als Ursache nicht ausschließen mag. Konkret teilt der Celler Oberstaatsanwalt Bernd Kolkmeier mit, dass „nach übereinstimmender Ansicht der Sachverständigen nicht ausgeschlossen werden kann, dass das Unglück durch einen Bedienfehler des verstorbenen Mitarbeiters des Unternehmens beim Anfahren des Ofens ausgelöst worden ist.“

Dass all die Probleme, die es mit der Firma in den Jahren vor dem Unglück gegeben habe, nun nicht zählten beziehungsweise rechtens gewesen seien sollen, hätten sie, die Anwohner, nicht für möglich gehalten, sagt Bartel-Kockmann. „Deshalb hatten wir überhaupt Einspruch eingelegt. Und nun verläuft doch alles im Sande.“

In der Mehrzahl der Fälle würden Ermittlungen eingestellt, stellt Kolkmeier fest. „Das ist die Realität; das ist im Rechtsstaat so.“ Ohne hinreichenden Tatverdacht gebe es keine Ermittlungen, kein Strafverfahren. Diesen hinreichenden Verdacht gab es im Fall Organo Fluid nicht. Ermittlungen gegen Verantwortliche der Firma Organo Fluid sowie eine Mitarbeiterin des staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Cuxhaven mussten eingestellt werden. Nicht nur, weil menschliches Versagen als Ursache nicht ausgeschlossen werden kann. Den Verantwortlichen des Unternehmens könne auch nicht nachgewiesen werden, die Explosion fahrlässig herbeigeführt zu haben.

Weiter teilt Kolkmeier mit: „Den Beschuldigten kann auch nicht der Vorwurf gemacht werden, unbefugt eine genehmigungsbedürftige Anlage betrieben oder unbefugt Abfälle außerhalb einer dafür zugelassenen Anlage bewirtschaftet zu haben.“ Es hätten sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür ergeben, dass bewusst von einem erforderlichen Genehmigungsverfahren abgesehen wurde. Dass sich die Beschuldigten diese Genehmigung durch bewusst unvollständige Angaben erschlichen oder „erkauft“ hätten, lasse sich nicht belegen. Und dass der Betrieb der Anlage von den Genehmigungen abgewichen sei, habe nicht nachgewiesen werden könne, so Kolkmeier.

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