Schüler gegen Plastikmüll Plastik-Fasten für den Wal

Die Schüler der Klasse 4c der Ganztagsschule Ritterhude befassen sich seit mehr als einem Schuljahr mit dem Thema Klima. Aktuell ist es der Plastikmüll, der die Schüler umtreibt.
26.04.2019, 13:30
Lesedauer: 3 Min
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Plastik-Fasten für den Wal
Von Brigitte Lange

Ritterhude. Wenn es um das Thema Plastikmüll geht, macht den Ganztagsschülern der Klasse 4 c in Ritterhude so schnell niemand etwas vor. Sie wissen genau, worauf sie beim Einkaufen achten müssen, damit keine Produkte mit Mikroplastik in die Einkaufswagen ihrer Eltern wandern. Bewusst greifen sie zu Glas- oder Mehrwegflaschen und finden es falsch, dass Salatgurken, Paprika sowie anderes Gemüse in Plastik eingepackt wird. Mit selbst gemachten Flyern übers Müllvermeiden, einem Comic zum Thema und dem Vorschlag zum Plastik-Fasten werben sie nun für mehr Umweltbewusstsein – unter ihren Mitschülern, deren Familien und ihren Lehrern. Die Idee: Je mehr davon erfahren, umso besser.

„Wir wollen nicht, dass die Umwelt voller Plastik ist“, sagt die zehnjährige Linea Keßler. Selbst kleine Schritte in die Richtung wären toll, stimmt ihr der neunjährige Marlon Wrieden zu. Als Schüler der 4 c gehen sie in eine von insgesamt drei Umweltklassen der Ritterhuder Ganztagsschule. Die hatte 2011 erstmals an einem Umweltprojekt teilgenommen und sich später erfolgreich um das Zertifikat „Umweltschule“ beworben.

Um diesen Titel zu behalten, muss sich die Schule alle zwei Jahre erneut bewerben, erklärt Schulleiterin Heidrun Ehrhardt-Froese. Dabei helfen die Projekte der Umweltklassen. Die Schüler der 4 b zum Beispiel befassen sich seit Beginn der dritten Jahrgangsstufe mit der Wasserqualität der Ritterhuder Beeke. Ebenso lange kümmert sich die 4 d um den Schulgarten. Und Linea, Marlon und ihre Klassenkameraden von der 4 c sind dem Klima auf der Spur. „Angefangen haben wir dabei mit den erneuerbaren Energien und dem Bau einer Biogasanlage“, berichtet Cornelia Thiel-Tietjen. Sie ist seit 2011 die Umweltkoordinatorin der Schule.

Seit einigen Wochen ist es nun das Müll-Problem, das die 25 Kinder der 4 c beschäftigt. Den Anstoß dazu gaben unter anderem Bilder von Plastikmüll-Teppichen, die auf dem Meer schwimmen, verdreckte Strände mit Vögeln, die sich in Plastikschnüren verheddert haben, sowie Bilder von Walen, die durch Plastik gestorben sind. „Viele Wale stranden mit 20 Kilo und mehr Plastik im Magen“, sagt Aaron Pintat (9). Nicht von ungefähr haben die Schüler daher ihrem Flyer zum Thema „Was kann jeder von uns gegen die Plastikfluten im Meer machen?“ die Form eines Wales gegeben.

Auf der Rückseite des Papiers finden sich Ratschläge. Etwa der, auf Kleidung aus Fleece-Stoffen zu verzichten, da deren Mikrofasern die Natur belasten, oder auch keine Duschgels zu kaufen, die Mikroplastik enthalten. Wie viel Mikroplastik in solchen Produkten ist, haben sie selbst gesehen: „Wir haben Shampoo durch einen Kaffee-Filter gegeben“, berichtet Linea. Die kleinen Plastikteilchen blieben dabei hängen. Auch raten die Schüler dazu, Stofftaschen statt Plastiktüten zum Einkaufen zu nehmen, auf To-Go-Becher zu verzichten und statt Einwegflaschen Edelstahl- oder Glasflaschen zu nutzen beziehungsweise gleich Leitungswasser zu trinken.

Wie schwierig es ist, diese Ideen im Alltag umzusetzen, wissen sie aus Selbstversuchen. „Wir wollten gucken, wie das geht – so ohne Plastik“, bestätigt Thiel-Tietjen. „Wir haben uns einen Sprudler geholt, und wir versuchen, nur noch Mehrwegflaschen zu kaufen“, erzählt etwa Emilia Marshall (10) von ihrem Familienalltag. „Ich fand die Idee des Plastik-Fastens toll“, meldet sich der elfjährige Emrah Celik. Er habe das versucht: Eine Woche lang wollte er keine Getränke aus Plastikbechern und Plastikflaschen trinken. Für jeden Tag, den er schaffte, durfte er eines von acht Wal-Bildern in seinem Plastik-Fasten-Pass ausmalen. Ein Vorschlag, den sich die Schüler von der Internetseite der „WDC Kids“ („Whale and Dolphin Conservation“) abgeguckt haben.

Seit sie sich diesem Thema widmen, ist den Kindern aufgefallen, wie viele Dinge aus Plastik sind. „Selbst im Bioladen ist viel in Plastik verpackt“, kritisiert Emilia. „Es ist wirklich schwierig, ohne Plastik auszukommen; so viel ist darin verpackt; wir sind umgeben von Plastik“, stimmt ihr ihre Klassenlehrerin Ilona Leipholz zu. Um so wichtiger ist es den 25 Schülern der 4 c, mit ihrem Projekt so viele Menschen wie möglich auf das Plastikmüll-Problem aufmerksam zu machen und sie aufzufordern, etwas dagegen zu tun.

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