Ritterhude Badgers

Beben im Dachsbau: Headcoach Benjamin Crljenkovic tritt zurück

Die Corona-Krise macht vielen Vereinen arg zu schaffen. Bei den Ritterhude Badgers ist nun sogar Headcoach Crljenkovic zurückgetreten. Und auch der neue Quaterback ist bereits wieder abgereist.
09.04.2020, 09:32
Lesedauer: 3 Min
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Von JAN-HENRIK GANTZKOW
Beben im Dachsbau: Headcoach Benjamin Crljenkovic tritt zurück

Nach Unstimmigkeiten mit dem Vorstand zog Benjamin Crljenkovic seine Konsequenzen und trat als Headcoach der Ritterhude Badgers zurück.

Tobias Dohr

Ritterhude. Die Corona-Krise hat den Sport weiterhin fest im Griff und macht vielen Vereinen arg zu schaffen. Bei den Ritterhude Badgers hat die angespannte Situation nun drastische Folgen – der Dachsbau wird aktuell von einem mittelschweren Beben erschüttert: In der vergangenen Woche verkündete Headcoach Benjamin Crljenkovic via Facebook seinen sofortigen Rücktritt. Manch ein Fan hoffte angesichts des Zeitpunkts der Veröffentlichung am 1. April noch auf einen schlechten Scherz. Allerdings stand die Entscheidung des beliebten Übungsleiters bereits seit dem 22. März fest.

„Die letzten Monate waren extrem anstrengend, die Akkus sind leer. Neben der belastenden Lizenzfrage musste durch viele Gespräche auch ein Kader zusammengestellt werden. Ausgerechnet in der heißen Phase wurden wir dann durch die Pandemie gestoppt, eine Saison scheint ausgeschlossen. Wann überhaupt wieder Sport betrieben werden kann, ist fraglich und momentan ja auch nicht die zentrale Frage. Darunter leidet aber natürlich die Motivation, Trainer nur auf dem Papier zu sein, ist nichts für mich. So kam ich zu dem Entschluss, mein Amt niederzulegen“, erklärt Crljenkovic.

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Keine Rolle bei dieser Entscheidung spielte dabei, dass der Verein aufgrund der Krise Einsparungen vornehmen muss und davon natürlich auch der Trainerstab betroffen ist. „Die Maßnahmen des Clubs sind nachvollziehbar und richtig. Das Wohl des Vereins steht ganz oben, finanzielle Aspekte haben keinerlei Einfluss auf meinen Rücktritt“, erklärt der Headcoach, der auf seine Aufwandsentschädigung ohne mit der Wimper zu zucken verzichtet hätte. Eine weitaus wichtigere Rolle spielte da schon der Mitte März verpflichtete US-Quarterback Shon Belton, der sich zu einem Streitthema zwischen Verein und Trainer entwickelte.

Schon kurz nach dessen Ankunft wollte der Vorstand den Spielmacher angesichts des drohenden Saisonausfalls wieder zurückschicken – um so die damit verbundenen Kosten einzusparen. „Bei dieser Verpflichtung hatte ich von Beginn an ein schlechtes Bauchgefühl. Wir haben uns dann dazu drängen lassen und mussten dies im Nachgang korrigieren“, bedauert der Badgers-Vorsitzende Holger Bürger den riskanten Einkauf. Crljenkovic dagegen hätte sich gewünscht, dass der Verein noch bis Mitte April wartet, weil erst dann tatsächlich über die kommende Spielzeit entschieden wird. Einige Kommunikationsschwierigkeiten taten ihr Übriges, schließlich zog Crljenkovic die Reißleine.

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Zum Entsetzen des Vorstandes. „Ich bin extrem überrascht und auch sehr enttäuscht. Monatelang hat man alles für die Erste Herren gegeben (der Verein hatte vor Gericht erfolgreich den Regionalliga-Verbleib erstritten, Anm. d. Red.) und dann das. Was soll man davon halten? Die Entscheidung ist für mich nicht nachvollziehbar“, zeigt sich Bürger verärgert. „Als würde man einem Kind den Lolli wegnehmen und dann schmollt es. So etwas wirft natürlich Fragen auf, aber irgendwie ist es auch bezeichnend für die Footballszene“, so der Vereinsboss.

Dessen Ärger trifft bei seinem ehemaligen Cheftrainer zwar nur bedingt auf Verständnis, böse Worte kommen aber trotz der Kritik nicht über seine Lippen. „Ich kann schon verstehen, dass der Vorstand enttäuscht ist. Dreckige Wäsche werde ich aber nicht waschen. Wenn Holger meint, dass er jetzt seiner Wut freien Lauf lassen will, dann ist das seine Entscheidung. Es gab einige Dinge, die letztlich zusammenkamen, aber ich werde nicht aus dem Nähkästchen plaudern. Stattdessen wünsche ich dem Verein weiterhin alles Gute“, bleibt Crljenkovic diplomatisch.

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Eines scheint indes klar. Ohne Corona-Pandemie und die daraus resultierende dramatische Entwicklung wäre es wohl nicht zur Trennung gekommen. Dabei sind weitreichendere Folgen schon jetzt absehbar – nicht nur, weil sich einzelne Spieler nach dem Abgang ihres geschätzten Coaches ebenfalls vom Moormannskamp verabschieden werden. „Momentan gibt es viele Gerüchte, und viele Vereine geraten in große Probleme. Ein Team hat sich schon aufgelöst. Auch wir haben quasi keine Einnahmen und weiterhin laufende Kosten. Dafür gilt es Lösungen zu finden und abzuwarten“, blickt Holger Bürger besorgt in die Zukunft. Immerhin haben die Verantwortlichen bei der Suche nach einem neuen Headcoach keinen Zeitdruck, denn ein Footballspiel scheint auch in den kommenden Monaten nur schwer vorstellbar.

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