HIlfe für Insekten Ritterhude blüht etwas

Ob Honig- oder Wildbiene, Fliege oder Wespe - ohne Insekten würden Pflanzen keine Früchte tragen und die Ernte fiele aus. Ritterhude will den emsigen, im Bestand bedrohten Tieren nun helfen.
04.09.2018, 16:10
Lesedauer: 3 Min
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Ritterhude blüht etwas
Von Brigitte Lange

Ritterhude. Der Bestand an Insekten geht drastisch zurück. Das hat eine langjährige Beobachtung von Mitgliedern des Entomologischen Vereins Krefeld ergeben. Seit die Ergebnisse 2017 bekannt wurden, ist das Insektensterben allgegenwärtiges Thema, genau wie die Suche nach Lösungen. Die Bundesregierung etwa hat Eckpunkte für ein Aktionsprogramm „Insektensterben stoppen" veröffentlicht. Auch die Grünen im Rat der Gemeinde Ritterhude sehen Handlungsbedarf. Sie wollen, dass die Gemeinde prüft, wie sie die gemeindeeigenen Flächen insektenfreundlich gestalten kann. Ein Pflegekonzept soll her.

"Jeder muss etwas für die Insekten tun", wandte sich Dorothea v. Rex-Gröning (Grüne) an die Mitglieder des Ausschusses für Bau, Planung und Verkehr. Allein 84 Prozent der wichtigsten Lebensmittel-Pflanzen, wie Obstbäume und -sträucher, Getreide, Mais, seien auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. "Und sie sind eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und andere Tiere", sagte sie. Als Beispiel verwiesen die Grünen in ihrem Antrag auf die Situation der Wildbienen. Von ihnen gebe es 560 Arten in Deutschland, die Hälfte von ihnen sei gefährdet, 30 Arten gar vom Aussterben bedroht. "Durch die Zerstörung wichtiger Lebensräume und die industrielle Landwirtschaft, naturferne Gärten, Flächenversiegelung sowie Pestizideinsatz auf landwirtschaftlichen Flächen und auch in Hausgärten haben wir viele Wildbienenarten an den Rand des Aussterbens gebracht", holt die Fraktion in ihrem Antrag aus.

Was sie bräuchten, seien vielfältige und naturnahe Bepflanzungen, sie bräuchten heimische Gehölze wie Weide, Ahorn, Weißdorn und andere mehr. Sie bräuchten naturnahe Feldraine und Hecken, bräuchten heimische Blumen und blühende Wiesen, bräuchten offene Sandböden und Totholz sowie Stauden mit markhaltigen Stängeln für die Wildbienen zum Nisten. "Hier kann die Gemeinde ein Vorbild sein", sagte v. Rex-Gröning. Ein Vorbild für "hoffentlich viele private Nachahmer".

Als Beispiel nannte die Fraktion Blühstreifen, die die Gemeinde auf Verkehrsinseln anlegen könne. Diese Grünflächen müssten nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden. Das entlaste die Mitarbeiter des Bauhofes. Gleichzeitig würden die Pflanzen den Insekten Nahrung und Lebensraum bieten. Neben Verkehrsinseln könnten auf Wegrainen, öffentlichen Grünflächen sowie verpachteten Acker- und Grünlandflächen Blühstreifen angelegt werden, regten sie an. Eventuell solle die Verwaltung eine Änderung der Pachtverträge prüfen. Eine weitere Möglichkeit, den Insekten zu helfen, sehen die Grünen darin, die Baumschutzsatzung zu ändern. Und sie warben dafür, verstärkt Öffentlichkeitsarbeit in dieser Sache zu betreiben. Über Flyer könnten die Bürger informiert werden, sollten Tütchen mit Samen für eine naturnahe Begrünung bekommen. "Das sind alles nur Beispiele", betonte Dorothea v. Rex-Gröning. Die Verwaltung solle selbst sagen, welche Flächen umgewandelt werden könnten und welche Maßnahmen möglich seien.

Für Jürgen Ahlers (Gruppe Bürgerfraktion/FDP) war bei dem Thema eins sehr wichtig: "Die Bevölkerung sollte eingebunden werden." Giselher Klinger (CDU) stimmte ihm zu und hoffte, dass der Gedanke aus der Gemeinde zu den Bürgern getragen werde. Denn Kiesgärten seien zurzeit wohl groß in Mode. Und die seien absolut insektenfeindlich. Ein Aber kam von Jürgen Kuck (SPD): Sie müssten erst gucken, ob der Bauhof diese Pflege leisten könne. Vielleicht sollten sie lieber ins Auge fassen, Paten zu finden, die bereit seien, die öffentlichen Flächen vor ihrer Haustür zu pflegen. "Tatsächlich sind solche Flächen weniger intensiv zu pflegen", stellte Bürgermeisterin Susanne Geils richtig. "Für uns ist das eine Arbeitserleichterung; in Platjenwerbe brauchen wir zum Beispiel nur noch bis zu drei Mal im Jahr mähen", verwies die zuständige Verwaltungsmitarbeiterin Sabine Sameluck auf eine Blühstreifen-Aktion, die dort der Heimatverein in diesem Frühjahr angestoßen hat.

"Wir finden den Antrag gut; wir müssten blind und taub durch die Welt gehen, um nicht zu wissen, dass wir ein Insektensterben haben", bezog Geils Stellung. Es gebe eine Menge, das sie für die Wildbienen tun könnten. Was das sei, da vertraue sie auf Sameluck. Sie werde dies zu einem Pflegekonzept zusammenstellen. Abgesehen davon gehöre aber auch dazu, die Bürger mit dem Thema vertraut zu machen. Geils sprach von Basisinformation. Denn die Blühstreifen seien nicht so ordentlich, wie es viele gewohnt seien. Für diesen wilden Charakter müsse Verständnis geschaffen werden.

Das Plädoyer kam an: Einstimmig sprach sich das Gremium dafür aus, dass die Verwaltung ein entsprechendes Pflegekonzept für eine insektenfreundliche Gestaltung gemeindeeigener Flächen erstellen solle.

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