Energiewende Ritterhude will Tempo machen

Der Landkreis Osterholz strebt die Energiewende bis 2030 an. Damit das klappt, soll unter anderem ein altes Siedlungsgebiet in Ritterhude energetisch saniert werden.
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Von Klaus Grunewald

Ritterhude. Der Landkreis Osterholz will neue Wege beschreiten, um den Energieverbrauch zu drosseln. Eine Vorreiterrolle soll dabei die Gemeinde Ritterhude spielen. Genauer gesagt: ein rund 60 Hektar großes Siedlungsgebiet, in dem die Wohnhäuser mit Fördermitteln des Bundes energetisch saniert werden. Bürgermeisterin Susanne Geils: „Wir nehmen neue Fahrt auf dem Weg zur Energiewende 2030 auf.“

Seit 2008 bemühen sich der Landkreis und seine Gemeinden, dieses Ziel in zwölf Jahren zu erreichen. Dann soll die gesamte Stromversorgung zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien bestehen. Das Gesamtkonzept beruht nach den Worten von Projektentwickler Ulrich Müller und von Christian Meyer-Hammerström, Geschäftsführer der Osterholzer Stadtwerke, auf drei Säulen: Ausbau der erneuerbaren Energie, Steigerung des Eigenverbrauchs an lokal erzeugter Energie und Senkung des Energieverbrauchs insgesamt. Und diese dritte Säule soll nun in einem Quartier Wirkung zeigen, das den sogenannten Mühlenberg, die Straße Am Großen Geeren sowie das Gebiet zwischen Neuer Landstraße und Am Großen Geeren umfasst.

Sanierung mit Fördermitteln

Dort sind die Häuser zwischen 1950 und 1980 gebaut worden, dort leben und arbeiten rund 2500 Menschen. Und ihnen vor allem muss das neue Energiesparprojekt schmackhaft gemacht werden – von den Mitarbeitern eines Quartiersmanagements und eines Planungsbüros, das nach einem Ausschreibungsverfahren bis Frühjahr 2019 gefunden sein soll. Ulrich Müller: „Entscheidend ist, vor Ort mit den Bürgern wie auf einer Tupper-Party ins Gespräch zu kommen, um ihnen zu verdeutlichen, dass eine energetische Sanierung nicht nur die Energiekosten senkt, sondern auch den Wert ihrer Häuser steigert.“

Zur Finanzierung des energetischen Quartierskonzepts stehen Fördergelder der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zur Verfügung. Sie sind von der Gemeinde Ritterhude eingeworben und kurzfristig bewilligt worden, wie Susanne Geils während einer Pressekonferenz im Rathaus erläuterte. Der finanzielle Anreiz für die Hausbesitzer, so Ulrich Müller, liege auf der Hand: „Sie können zehn Jahre lang 90 Prozent der Investitionen steuerlich absetzen.“

Vor acht Jahren hatte die Agentur für Erneuerbare Energien mit Sitz in Berlin den Landkreis Osterholz als „Energie-Kommune des Monats Juni 2010“ ausgezeichnet. Inzwischen aber sind nach den Worten der Ritterhuder Bürgermeisterin und des Geschäftsführers der Stadtwerke Osterholz zusätzliche Aktivitäten auf kommunaler Ebene unverzichtbar, um die angestrebte Energiewende planmäßig zu erreichen. Zwar habe die Hammegemeinde laut Geils öffentliche Gebäude energetisch saniert und deren Dächer mit Photovoltaikanlagen belegt. Doch ein systematisches Konzept zur Unterstützung des Energiewende-Programms im Landkreis Osterholz fehle bislang.

Nun aber wird an einem Ritterhuder Plan gearbeitet, um konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz festzulegen. Und dabei stehen private Wohnhäuser und Unternehmen im Mittelpunkt. Sie besäßen das größte Potenzial zur Verbesserung der Ritterhuder Energiebilanz, sagt Susanne Geils.

Energiewende bis 2030

Dass Ritterhude jetzt die Schlagzahl auf dem Weg zur Energiewende 2030 erhöhen will, ist im Übrigen auch der Partnerschaft mit der polnischen Gemeinde Sztum zu verdanken. Beide Kommunen hätten an dem deutsch-polnischen Projekt „Städtepartnerschaft für eine emissionsarme Wirtschaft“ teilgenommen, erklärte die Bürgermeisterin der Hammegemeinde. Und ein wichtiges Ergebnis dieser Kooperation mit den Polen sei nun, den Energieverbrauch in dem 60 Hektar großen Siedlungsgebiet von Alt-Ritterhude möglichst drastisch zu senken.

Der Landkreis ist zuversichtlich, die Ziele der Energiewende schon vor 2030 zu erreichen. Bereits in einigen Jahren könne der Strombedarf im Kreisgebiet zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden, heißt es auf Anfrage. Wahrscheinlich fließe dann sogar mehr alternativer Strom ins Netz als der Landkreis benötige. 2017 lag dieser Anteil in den Gemeinden Lilienthal und Ritterhude sowie in der Stadt Osterholz-Scharmbeck bei 37 Prozent. Davon entfielen allein auf die Windenergie 66,5 Prozent, die auch für die Gemeinden Worpswede, Grasberg, Hambergen und Schwanewede die wichtigste Rolle bei der Versorgung mit erneuerbarer Energie spielt.

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