Bundestagswahl Die SPD hat die Qual der Wahl

Nach Benedikt Pape (Verden) hat sich mit Michael Harjes (Ritterhude) noch ein weiterer SPD-Bewerber um das Direktmandat im Wahlkreis 34 aus der Deckung gewagt. Die Delegierten entscheiden per Briefwahl.
23.01.2021, 05:09
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Die SPD hat die Qual der Wahl
Von Jörn Dirk Zweibrock

Landkreis Osterholz. Vollversammlung oder Delegiertenwahl? Während in der Satzung der Genossen aus dem Heidekreis Vollversammlungen für alle politischen Ebenen verpflichtend sind, haben sich die Kreisvorstände aus Verden und Osterholz für eine Delegiertenwahl zur Nominierung ihres Bundestagskandidaten entschieden. Gerade in Pandemiezeiten ergebe dies durchaus Sinn, ist Roland Güttler, Verdener SPD-Kreisgeschäftsführer, überzeugt.

In einem Schreiben an die Delegierten des Bundestagswahlkreises 34 (Osterholz-Verden) haben die beiden SPD-Kreisvorsitzenden Christina Jantz-Herrmann (Osterholz) und Bernd Michallik (Verden) nun den Fahrplan für das Aufstellungsverfahren festgelegt. Nachdem die ursprünglich für den 16. Januar terminierte Online-Vorstellungsveranstaltung der beiden Bewerber Benedikt Pape (Verden) und Michael Harjes (Ritterhude) im Achimer Kasch (Kulturhaus Alter Schützenhof) coronabedingt ausfallen musste, präsentieren sich die beiden Sozialdemokraten nun am Sonnabend, 30. Januar, ab 10 Uhr virtuell den insgesamt 125 Delegierten. Die Videokonferenz über den Anbieter WebEX wird von Christina Jantz-Herrmann und der Verdener Landtagsabgeordneten Dörte Liebetruth (SPD) moderiert. Sie steht allen Interessierten offen.

Im Anschluss daran sind alle gewählten Delegierten aufgerufen, sich per Briefwahl für einen der beiden Bewerber zu entscheiden. Um berücksichtigt zu werden, müssen die Wahlbriefe bis Montag, 8. Februar, in der SPD-Kreisgeschäftsstelle in Achim angekommen sein. Die Frist endet um Punkt 13 Uhr. Anschließend findet dann die Stimmenauszählung mit den beiden SPD-Kreisvorsitzenden statt.

Insgesamt 125 Delegierte entscheiden darüber, wer den langjährigen Inhaber des Direktmandates, Andreas Mattfeldt von der CDU, herausfordert. „Die Anzahl der Delegierten richtet sich nach der Mitgliederstärke der SPD-Ortsvereine und wird nach dem Hare-Niemeyer-Verfahren ermittelt“, erklärt Roland Güttler. Diesmal stellt Osterholz 62 Delegierte, Verden dagegen 63.

Der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Ritterhude, Michael Harjes, ist 46 Jahre alt, ledig und arbeitet in der Bremer Senatskanzlei. Dort ist der diplomierte Verwaltungsbetriebswert für die Ortsämter und Beiräte zuständig. Außerdem lotst er als Standesbeamter immer wieder Heiratswillige in den Hafen der Ehe. In seiner Freizeit engagiert sich der passionierte Werder-Fan als Ausbilder bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Auch die Kultur zählt zu seinen Steckenpferden, denn Harjes ist der Organisator des Hammefestes, das im vergangenen Jahr coronabedingt ins Wasser gefallen ist. 2001 ist er in den Ritterhuder Gemeinderat eingezogen, fünf Jahre später wurde er dann stellvertretender Vorsitzender der dortigen Ratsfraktion und 2015 Vize-Bürgermeister seiner Heimatgemeinde. Außerdem ist er als Kreiskassierer tätig.

Benedikt Pape gilt als die große Nachwuchshoffnung der Verdener Sozialdemokratie. Der 25-Jährige sitzt in der Allerstadt nicht nur im Stadtrat, sondern ist dort ebenfalls SPD-Chef. Er engagiert sich im Juso-Kreisvorstand und in der Evangelischen Jugend. Weil in den Parlamenten – sei es nun auf kommunaler Ebene oder im Bund – nur wenige Handwerker sitzen, sticht der junge Verdener aus dem Meer der vielen Juristen heraus. Pape hat nämlich gerade eine Ausbildung zum Hörakustiker absolviert. Zuvor hatte er in Israel einen internationalen Jugendfreiwilligendienst geleistet. In seiner Freizeit verdingt er sich gerne als Ranger im Verdener Kletterpark und spielt Handball.

Mit 98,1 Prozent – bei zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung – haben die CDU-Mitglieder aus den Landkreisen Osterholz und Verden Andreas Mattfeldt (51) bereits im Herbst in Verden zum CDU-Kandidaten für das Hohe Haus in Berlin nominiert. „Wenn ihr einen Abgeordneten wollt, der alles absegnet und überall lieb Kind macht, bin ich der Falsche. Wenn ihr aber einen wollt, der sagt, was er für richtig hält, bin ich der Richtige“, sagte der frühere Bürgermeister des Fleckens Langwedel in seiner Bewerbungsrede. Dass Mattfeldt in der Hauptstadt gern einmal fernab der Parteilinie agiert, sich als Gegner der Erdgasförderung einen Namen gemacht hat, scheint jedenfalls bei der CDU-Basis anzukommen. Mattfeldt sitzt im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages, ist dort aktuell Berichterstatter für den Einzelplan Wirtschaft. Der Familienvater betätigt sich darüber hinaus aber auch als Unternehmer und braut gemeinsam mit Georg Friedrich Prinz von Preußen Bier.

2009 hatte Mattfeldt dem langjährigen rechtspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Stünker, das Direktmandat abgenommen. Christina Jantz-Herrmann (SPD) gehörte dem Bundestag in der vergangenen Legislaturperiode (2013-2017) an. Sie war damals über die Landesliste in das Parlament eingezogen. Der Achimer Bundestagsabgeordnete Gero Hocker (FDP) wurde bereits 2020 bei einer Wahlkreismitgliederverammlung erneut als Kandidat für die Liberalen nominiert. Die Freien Wähler wollen den Verdener Dominique Paetz nach Berlin schicken.

Christina Jantz-Herrmann und Bernd Michallik freuen sich, dass beide SPD-Bewerber vorab erklärt haben, das Ergebnis der Briefwahl anzuerkennen. Die pro forma notwendige Aufstellungskonferenz mit dem siegreichen Bewerber werde zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

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