Football-Regionalliga Nord Viel Frust, noch mehr Stolz bei den Badgers

Die Ritterhude Badgers haben dem großen Titelfavoriten und ungeschlagenen Erzrivalen von den Oldenburg Knights einen Kampf bis aufs Messer geliefert. Ständig wechselte die Führung hin und her.
16.06.2019, 21:02
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Viel Frust, noch mehr Stolz bei den Badgers
Von Tobias Dohr

Ritterhude. Da standen sie nun, Quarterback Chasen Gampeler und Headcoach Benjamin Crljenkovic. Der eine, Gampeler, konnte seine Enttäuschung nicht mehr zurückhalten und musste von dem anderen, Crljenkovic, lange getröstet werden. Die Reaktion des Quarterbacks der Ritterhude Badgers war aber auch nur zu verständlich. Und so wie Gampeler ging es letztlich jedem Spieler der Ritterhuder nach diesem bitteren 22:28 (9:14).

Sie hatten dem großen Titelfavoriten und ungeschlagenen Erzrivalen von den Oldenburg Knights einen Kampf bis aufs Messer geliefert. Ständig wechselte die Führung hin und her, am Ende hatten die Hausherren vor rund 800 Zuschauern den Sieg in der eigenen Hand – und mussten sich dennoch geschlagen geben. Trotz alledem hörte man nach der Partie immer wieder ein Wort im Moormannskampstadion: Stolz. Und stolz konnten sie wirklich sein auf diese Leistung, die trotz einiger Personalsorgen schlichtweg als fantastisch zusammenzufassen war.

Dass man jene Personalausfälle kaum bemerkt hatte, machte Headcoach Crljenkovic nur noch stolzer: „Weil die Jungs einfach Bock haben und als Team zusammenarbeiten.“ Die Formel für diese starke Leistung war am Ende natürlich etwas ausgefeilter. Doch die besondere Atmosphäre im Spiel gegen viele ehemalige Ritterhuder (unter anderem Ex-Coach Marcus Meckes und den langjährigen Kapitän Roberto Krahl) war von der ersten Sekunde an zu spüren. Es knisterte im stimmungsvollen Moormannskampstadion – und die Badgers waren sofort voll da.

Die Defense schickte die Oldenburger Offense unter riesigem Jubel umgehend wieder vom Feld. Die Ritterhuder schafften es danach prompt bis auf ein Yard an die Endzone. Doch drei Versuche reichten nicht, um den Touchdown zu erzielen, weshalb Darrian Naujoks im vierten Versuch das Fieldgoal erzielte und die Hausherren mit 3:0 in Front brachte. Diese frühe Führung hielt das komplette erste Viertel. Erst zu Beginn des zweiten Durchgangs ließ sich die Ritterhuder Verteidigung erstmals mit einem weiten Pass überrumpeln und kassierte im darauffolgenden Drive der Oldenburger gleich den nächsten Touchdown. 3:14 stand es nun – und die Partie drohte komplett in Richtung der ungemein effektiven Oldenburger zu kippen.

Die Badgers vergaben dann vier weitere Versuche kurz vor der Endzone, holten sich durch eine starke Interception von Neuzugang Franklin Slearer das Leder aber umgehend zurück. Wieder standen die Badgers ein Yard vor der Endzone, und diesmal übernahm Quarterback Gampeler selbst die Verantwortung und trug das Spielgerät zum 9:14-Pausenstand in die Endzone. Ähnlich spektakulär ging es dann nach der Halbzeitpause weiter. Tammo Vroom nahm einen weiten Pass auf und brachte die Badgers per Touchdown mit 15:14 in Front. Doch die Antwort der Oldenburger folgte auf dem Fuße, und schon liefen die Ritterhuder wieder einem 15:21-Rückstand nach.

Jetzt ging endgültig die Post ab. Viele Flaggen, unzählige Strafen und ordentlich Emotionen – niemand wollte diese Partie verlieren. Erneut war es Vroom, den Gampeler mit seinem Pass fand. Diesmal versenkte Naujoks auch den PAT, sodass die Badgers wieder mit 22:21 in Führung gingen. Doch zu Beginn des Schlussviertels bekam die ansonsten so aufmerksame Defense der Badgers das Laufspiel der Oldenburger dreimal in Folge nicht in den Griff – 22:28.

Was folgte, waren dramatische Schlussminuten. Wiederholt nahmen die Coaches Auszeiten. Die Badgers kämpften sich Schritt für Schritt an die Endzone der Oldenburger heran und hatten 1:08 Minuten vor dem Ende schließlich ein neues First Down – sieben Yards vor dem Ziel. Und dann war es so weit: Christian Heinke brach über links durch und schaffte es im letzten Moment in die Endzone – doch aufgrund eines Fouls zuvor wurde der Spielzug zurückgepfiffen. Dann verpasste Franklin Slearer den Ball nur um Zentimeter, ehe sich Vroom und Heinke in der Endzone selbst ein wenig behinderten und ein Oldenburger den abgefälschten Ball coverte. Das Angriffsrecht wechselte, und die Partie war entschieden. Oldenburg kniete ab und verzichtete darauf, die letzten Sekunden auszuspielen.

„Wir haben immer wieder den Weg bis und auch in die Endzone hinein gefunden. Aber Oldenburg hat auch eine starke Defense“, sagte Benjamin Crljenkovic hinterher. „Und am Ende hat der Gegner eben ein, zwei Fehler weniger gemacht als wir. Deshalb ist es dann auch irgendwo ein verdienter Sieg für Oldenburg.“ Keine Frage: Der Frust war groß, doch der Stolz war noch größer.

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