Bauvorhaben in Lesumstotel Von Auto-Chaos bis Kostenbeteiligung

Nordwestlich des Feuerwehrhauses in Lesumstotel soll ein Wohngebiet entstehen. Mit einer Bürgerbeteiligung hat die Gemeinde nun auch die Einwohner in die Planungen mit einbezogen.
03.05.2019, 17:51
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Von Auto-Chaos bis Kostenbeteiligung
Von Brigitte Lange

Ritterhude. „Ich habe ja nichts gegen das Bauvorhaben, aber ... .“ Dieser Satz, wenn auch nicht immer so ausgesprochen, schwang bei vielen Nachfragen mit, die die Ritterhuder jetzt zur Änderung des Bebauungsplans „Nördlich der Straße Am Hang“ hatten. Das heutige Grünland, auf dem bis zu zwölf Wohnhäuser und eine Kindertagesstätte entstehen sollen, liegt westlich und nordwestlich vom Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftshaus in Lesumstotel. Für viele Anwesende ist das kein einfacher Standort für ein Wohngebiet, wie sich bei der öffentlichen Planungsdiskussion im Rathaus zeigte.

Sonja Döring vom Planungsbüro Instara und Bauamtsleiter Michael Keßler informierten die zahlreich erschienen Bürger über den aktuellen Planungsstand: „Wir stehen noch ganz am Anfang“, betonte Keßler. Aktuell gehe es um die Erschließung des Gebiets. Darum, ob das zukünftige Wohngebiet direkt an Feuerwehr und Dorfgemeinschaftshaus vorbei erschlossen werden soll oder nicht. Alternativ könnte die Zufahrt zu den zwölf Häusern auch westlich von der ebenfalls geplanten Kita – und damit dichter an der bereits existierenden Wohnbebauung – mit der Straße Am Hang verbunden werden.

Eine im Planungsausschuss erörterte dritte Variante über die Straße Auf der Wurth, sei inzwischen vom Tisch, teilte Keßler mit. Die Mitglieder des nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss hätten sich bereits gegen diese Form der Erschließung ausgesprochen. Sie ergebe einfach keinen Sinn.

Im Verlauf der Bürgerbeteiligung zeichnete sich ab, dass die Anwohner eine Erschließung zwischen Kita und Feuerwehr bevorzugen würden. Einer der Anwesenden wies allerdings darauf hin, dass nach den dort eingeschlagenen Grenzmarkierungen die Straße nur drei Meter breit werden könne. Das sei zu schmal für Gegenverkehr, gab er zu bedenken und empfahl, die Gemeinde solle noch mal nachmessen.

Ein Anwohner der Straße Auf der Wurth bat die Gemeinde außerdem, von ihren Plänen abzusehen, eines der zwölf Grundstücke über seine Wohnstraße zu erschließen. Er fürchtete, das könne etwa bei Fragen der Straßenreinigung zu Problemen und Konflikten in der Nachbarschaft kommen. Auch sorgte er sich darum, dass Baufahrzeuge diese Anbindung an die Straße Auf der Wurth womöglich als Abkürzung nutzen könnten.

Kritisch wurde von vielen auch die Parkplatzsituation gesehen. Da Dorfgemeinschaftshaus, Sportverein und Feuerwehr an der Straße Am Hang gebündelt seien, werde es bei Veranstaltungen schnell eng für Autos. Bislang würden diese auf der Wiese neben der Feuerwehr abgestellt. Auf der jedoch soll nun die Kita gebaut werden. Die anwesenden Anwohner warnten daher vor einem regelrechten Park-Chaos.

Ein anderer Lesumstoteler fragte, wie es mit dem Verbleib des anfallenden Oberflächenwassers stehe und ob der Bau eines Regenwasserkanals geplant sei. Der Boden des künftigen Baugebiets sei so lehmhaltig, dass ein Versickern des Regenwassers auf den Grundstücken nicht möglich sei, warnte er. Diese Details, so bemerkte der Bauamtsleiter, würden erst zu einem späteren Planungszeitpunkt geklärt. Allerdings würden bereits Gespräche dazu geführt und Untersuchungen angestellt.

Im weiteren Verlauf der Diskussion kristallisierte sich heraus, dass bei den Planern der Bau eines Regenwasserkanals durchaus bereits ein Thema ist. Auch der Einbau eines sogenannten Stauraumkanals ist im Gespräch; der könnter wie ein unterirdisches Rückhaltebecken große Mengen an Regenwasser aufnehmen, um sie verzögert ins Regenwassernetz abzulassen. Daraus resultierte die nächste Sorge der Anwesenden: Würden die Kosten für die Arbeiten an der Straße auf sie als Anlieger zukommen? Bauamtsleiter Keßler erklärte, dass Anwohner an den Kosten einer Straßenreparatur nicht beteiligt würden. Erst bei einer Grundsanierung – bei der der Unterbau der Straße angefasst würde – wären sie mit im Boot. Außerdem handele es sich in diesem Fall um eine Erschließungsmaßnahme. Die Kosten dafür trage der Investor beziehungsweise die künftigen Bauherren. „Für diese Erschließung kommen keine Kosten auf die übrigen Anwohner zu“, bekrägtigte Keßler.

Und der Lärm vom Sportplatz? Könne die Wohnbebauung dazu führen, dass der Sportbetrieb eingeschränkt werden müsse? Eine abschließende Antwort darauf konnte Michael Keßler nicht geben. Zurzeit werde noch ein Lärmgutachten erstellt. Allerdings halte er es für unwahrscheinlich, dass das Bauvorhaben Nachteile für die Sportler haben könne. Dafür werde das Außengelände nicht intensiv genug genutzt.

Michael Keßler versicherte, dass alle Anregungen und Bedenken im Verlauf der weiteren Planungen erörtert und gegebenenfalls Eingang in die Pläne finden würden. Zu einem späteren Zeitpunkt im Bauleitverfahren bekämen die Bürger zudem eine weitere Chance, zum Vorhaben Stellung zu nehmen: dann, wenn die Planungsunterlagen für einen Monat öffentlich ausgelegt werden. Der Zeitpunkt dafür steht noch nicht fest.

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