Meine Woche

Einige Stürmer können sich durchaus noch bewerben

Bastian Haskamp (37) ist Trainer des Fußball-Bezirksligisten TuSG Ritterhude und seit zwei Jahren in diesem Verein tätig. Der Verwaltungsangestellte bei der Stadtteil-Schule ist verheiratet mit Melanie Haskamp.
21.07.2020, 16:03
Lesedauer: 6 Min
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Von Karsten Hollmann
Einige Stürmer können sich durchaus noch bewerben

Der TuSG-Trainer Bastian Haskamp sucht noch torhungrige Spieler.

Dennis Schott

Mittwoch, 15. Juli: Mein Tag beginnt bereits um 5.30 Uhr. Ich stehe auf und leite meine alltägliche Morgenroutine mit dem Gang zur Terrassentreppe ein. Ich setze mich kurz nach draußen und checke meine E-Mails, WhatsApp und die Sportnachrichten. Ich bin immer noch fassungslos, dass Manchester City im nächsten Jahr doch in der Champions-League starten darf. Ich finde die Verfehlungen von ManCity schlimm. Die „kleinen“ Vereine werden aufgrund kleinerer Vergehen vom Europapokal ausgeschlossen, während das Team von Trainer Pep Guardiola einfach so weitermachen darf. Das Financial Fairplay ist aus meiner Sicht nur noch eine Farce. Bei der Arbeit ist der Fußball erst einmal ausgeblendet, da im Moment sehr, sehr viel bei uns zu tun ist. Die vielen WhatsApp-Nachrichten und E-Mails bearbeite ich dann nach Feierabend in der Straßenbahn. Ich hole noch unsere neuen Trainingsmaterialien bei der Post ab, telefoniere mit Burdenski-Sportswear wegen der neuen Klamotten für die Mannschaft und gehe dann nach Hause, um noch kurz Zeit mit meinem Sohn Finn zu verbringen. Um 19 Uhr geht Finn ins Bett. Ich gehe duschen, esse etwas, erledige noch ein paar Sachen bei Fupa, um dann auf der Couch den Abend ausklingen zu lassen. Fast hätte ich es vergessen, noch die Tasche für morgen im Hinblick auf das letzte freiwillige Training vor der Vorbereitung zu packen. Um 22 Uhr ist mein Tag vorbei. Mal schauen, wie ich schlafen werde. Mein Sohn nimmt schließlich schon wieder gefühlt das ganze Bett ein.

Donnerstag, 16. Juli: Mein Wecker klingelt mal wieder um 6 Uhr. Diesmal gehe ich nur kurz nach draußen und schaue auf das neue Instagram-Profil der TuSG Ritterhude. Meine Frau und mein Sohn verlassen um 7 Uhr das Haus. Ich kann deshalb schon ein paar Sachen für unsere Vorbereitung erledigen. Auf der Arbeit liegen schon die nächsten Aufträge und mehrere Bewerbungen auf dem Tisch. In der Mittagspause bearbeite ich Anfragen für Testspiele. Jetzt fehlt noch ein Testspiel, bevor der Vorbereitungsplan endgültig steht. Wir haben bis Ende August Testspiele beim TSV Bevern, gegen unser zweites Team, die SG Platjenwerbe, den 1. FC Burg, in Sudweyhe, beim FC Hambergen II, beim OSC Bremerhaven, in Lilienthal sowie in Jaderberg vereinbart. Ich mache früher Feierabend, da ich noch einen Arzttermin habe. Im Anschluss fahre ich gleich weiter zur Volksbank in Osterholz-Scharmbeck, in der der Derbycup-Endstand bekannt gegeben wird. Hier haben wir Ritterhuder den zweiten Platz belegt. Dafür bekommen wir immerhin 300 Euro. Der Derbycup ist uns schon wichtig, aber nicht unser Hauptaugenmerk. Danach mache ich mich auf den Weg zum Training, bei dem wir nur ein Spielchen machen, und ich endlich mal wieder zufriedene Gesichter sehe. Zu Hause bearbeite zwei Anfragen für Testspiele, die aber leider nicht in den Vorbereitungsplan passen. Im Anschluss falle ich etwas übermüdet ins Bett.

Freitag, 17. Juli: Ich bin froh, dass bald Wochenende ist, und gehe gut gelaunt zur Arbeit. Heute fällt alles ein wenig leichter, sodass die Zeit schnell rumgeht. Um 16.15 Uhr ist endlich Wochenende. Am Abend spiele ich noch ein wenig mit meinem Sohn. Nachdem er ins Bett gegangen ist, bereite ich den morgigen Tag mit dem Mannschaftstreffen und dem dazugehörigen Fotoshooting vor und kümmere mich um organisatorische Dinge. Danach mache ich mir mal einen schönen Abend mit Melanie. Meine Frau und mein Sohn kommen in letzter Zeit durch die Vorbereitung für den Fußball etwas zu kurz. Das wird nach der Vorbereitung mit dem Punktspielstart aber wieder besser. Ich bin froh, dass meine Frau das so mitmacht.

Sonnabend, 18. Juli: Diesmal klingelt der Wecker nicht. Aber mein Sohn ist schon um 7 Uhr wach und zwingt uns aus dem Bett. Nach einer kurzen Spieleinheit und dem Frühstück lege ich meinem Sohn die Gummimatte ins Wohnzimmer, damit er immer wieder vom Sofa springen kann. Meine Frau kommt um 10 Uhr vom Einkaufen wieder. Somit kann ich direkt los zu Burdenski Sportswear, um die neuen Schuhe für unsere Mannschaft abzuholen. Spieler und das gesamte Trainer- und Betreuerteam haben Laufschuhe, passend zum Präsentationsanzug bekommen. Ich freue mich sehr darüber, meinen Vater Martin, der als Profi in der Saison 1980/81 den Wiederaufstieg mit Werder Bremen in die Fußball-Bundesliga geschafft hatte, weiter als Betreuer an meiner Seite zu haben. Danach fahre ich direkt zum Jahnsportplatz und schaue schon einmal, was ich vorbereiten kann. Alle Spieler und das Trainer- und Betreuerteam sind um 13 Uhr vor Ort. Wir machen uns gleich für das Mannschaftsfoto, mehrere Porträtfotos, kurze Videos und Anprobe von Hoodies und Regenjacken bereit. Danach gebe ich noch ein paar Infos an die Mannschaft.

Sonntag, 19. Juli: Finn ist sogar schon um 6.30 Uhr wach. Das gibt es doch nicht, denke ich mir. Aber wir können noch alle gemeinsam eine Stunde im Bett liegen. Nach dem Frühstück machen wir uns langsam fertig, denn wir treffen uns um 12 Uhr mit meinen Eltern, meinen Geschwistern, deren Partnern und Kindern bei Tietjens Hütte in Osterholz-Scharmbeck, um ein wenig zu essen und zu trinken. Wir spielen mit den Kindern an der Hamme, reden über alles Mögliche, genießen die Sonne und lassen die Seele einfach mal ein bisschen baumeln. Wir entscheiden uns spontan, im neuen Haus meiner Schwester vorbeizuschauen, das sich noch im Rohbau befindet. Nach diesem Kurzbesuch fahren wir alle gemeinsam zu meinen Eltern und setzen uns in den Garten. Die Kinder spielen im Wasser, in ihrem Gartenhaus und mit dem großen Elektrobagger. Wir fahren um 18 Uhr nach Hause und hoffen, dass unser Sohn nicht im Auto einschläft – es klappt. Daheim machen wir Finn bettfertig. Ich packe meine Tasche für das erste Training in der Vorbereitung und plane noch kurz die morgige Einheit. Danach schauen wir zusammen den Film „Angel Has Fallen“ mit Gerard Butler an.

Montag, 20. Juli: Mein Sohn begrüßt mich mit einem „Papa-Ball“, weil er mal wieder denkt, dass ich zum Fußball gehe. Ich freue mich auf den Tag, weil am Abend das erste Training in der Vorbereitung stattfindet. Bei der Arbeit stehen Vertragsverlängerungen der Vertretungslehrkräfte an. Einige Verträge müssen noch geschrieben werden. Nebenbei klingelt sehr oft das Telefon. Ich muss zudem Bewerbungen bearbeiten. Es kommen auch viele Vertretungslehrkräfte in unser Büro, die ihren Vertrag unterschreiben müssen. Nach einem anstrengenden Arbeitstag fahre ich um 17 Uhr etwas schlapp nach Hause, bin nach kurzer Zeit auch wieder gut drauf. Beim Training machen wir nach einer kurzen Aufwärmphase Sprints für die Spannung und üben anschließend eine Passform sowie eine Spielform – am Ende steht ein Abschlussspiel an. Nach dem Training hole ich ein bisschen Schlaf nach.

Dienstag, 21. Juli: Normalerweise hätten wir nun unsere Sportwoche ausgetragen, die aber auch dem Corona-Virus zum Opfer gefallen ist. Wir hätten diese natürlich gerne absolviert. Aber laut Aussage unseres Spartenleiters Volker Guttmann wird der Verein auch das überleben. Auch im nächsten Jahr erwarten wir mit dem Bremen-Ligisten SG Aumund-Vegesack, den Bremer Landesligisten SV Grohn, 1. FC Burg und VfL 07 Bremen sowie den niedersächsischen Bezirksligisten FC Hambergen und SV Löhnhorst attraktive Teilnehmer. Das Turnier soll vom 24. bis zum 31. Juli 2021 stattfinden. Ich bin grundsätzlich zwar nicht auf der Suche nach weiteren Verstärkungen für unser Team. Stürmer können sich aber dennoch sehr gerne bei mir bewerben. Auf der Arbeit ist wieder viel los. Für die Stadtteil-Schule ist es stets ein Hauptziel, förderungsbedürftige Kinder und Jugendliche erzieherisch und unterrichtlich zu unterstützen und ihnen bei der Teilhabe am schulischen, beruflichen und gesellschaftlichen Leben in Gegenwart und Zukunft neue Chancen zu eröffnen. Ein weiteres Hauptziel ist es, die Beschäftigung von Pädagogen und Lehrkräften zu fördern und neue Arbeitsmöglichkeiten für diese zu schaffen. Ich kümmere mich auf der Arbeit um die Bewerbungen, Verträge für die zurzeit rund 550 angestellten Lehrkräfte, täglich anfallende Verwaltungsaufgaben und die Telefonzentrale. Am Abend schaue ich mit meiner Frau die Serie „The Good Doctor“.

Amelie Cselényi, die Leichtathletin der SG Marßel, wird als Nächste über ihre Woche berichten.

Info

Zur Person

Bastian Haskamp (37)

ist Trainer des Fußball-Bezirksligisten TuSG Ritterhude und seit zwei Jahren in diesem Verein tätig. Der Verwaltungsangestellte bei der Stadtteil-Schule ist verheiratet mit Melanie Haskamp, mit der er den Sohn Finn (2) hat. Die Familie lebt in Bremen-Walle.

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