Badgers-Headcoach Robert Schulz im Interview Ziele verpasst, Erkenntnisse gewonnen

Mittelfeld-Platz statt Aufstiegsrennen: Dennoch hat Robert Schulz, Headcoach der Ritterhude Badgers, der Saison in der Football-Regionalliga Nord auch positive Erkenntnisse abgewinnen können.
05.09.2018, 17:39
Lesedauer: 4 Min
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Von JAN-HENRIK GANTZKOW
Herr Schulz, nach einer inkonstanten Saison reichte es für die Ritterhude Badgers letztlich nur zu einem Platz im unteren Tabellenmittelfeld. Aufgrund ausstehender Partien der Konkurrenz ist noch nicht klar, ob ihr Team letztlich Fünfter oder Sechster wird. Das Saisonziel wurde aber in jedem Fall verpasst, oder?

Robert Schulz: Wenn man die Saison aus rein sportlicher Sicht betrachtet, dann hätte sie natürlich besser laufen können, und wir dürfen damit nicht zufrieden sein.

Woran lag es denn, dass die Tabellenspitze nicht angegriffen werden konnte?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen hatten wir natürlich mit einem relativ kleinen Kader zu kämpfen. Uns hat aber auch die Konstanz und in einigen Momenten vielleicht auch das nötige Quäntchen Glück gefehlt.

Es sind auch immer wieder wichtige Akteure wie Antonio Krahl ausgefallen, oder?

Ach, da waren wir jetzt nicht einmal überdurchschnittlich von betroffen. Man kann damit rechnen, dass pro Spiel ein Akteur längerfristig ausfällt. Das kam bei uns auch ganz gut hin, wie gesagt, war der Kader aber von Beginn an ziemlich dünn besetzt und die Saison war einfach zu lang.

Sie sprechen die Saisonlänge an. 14 Spiele in knapp drei Monaten sind heftig, oder?

Ja, das ist einfach zu lang. Selbst in der GFL, immerhin die Spitzenliga Europas, gibt es nicht mehr Spiele. Manche Teams mussten neun Wochen am Stück durchspielen, wir immerhin fünf. Da ist die Belastung für die Spieler einfach zu hoch.

Im Gegensatz zu den vorherigen Jahren ist Ihr Team mit Maximin Lange mit einem deutschen Quarterback in die Spielzeit gegangen. War das ein Problem?

Nein, überhaupt nicht. Natürlich kann man sagen, wenn der Quarterback jedes Spiel zwei Touchdowns mehr wirft, dann stehst du weiter oben. Damit macht man sich aber unglaubwürdig, denn Football ist der ultimative Teamsport. Wir haben uns in allen Mannschaftsteilen Fehler erlaubt, die alleine für sich genommen noch kein Problem darstellen, in der Summe aber dafür sorgen, dass wir am Ende da stehen, wo wir stehen.

Es gab aber auch einige denkbar knappe Niederlagen, und mit ein bisschen mehr Fortune wäre mehr drin gewesen.

Sicherlich. Wenn man auf die Tabelle schaut, sieht man, dass zwischen uns und dem dritten Rang nur vier Punkte liegen. Es ist einfach eine sehr ausgeglichene Liga, und wir konnten ja beispielsweise auch den Tabellenführer aus Hannover schlagen.

War dieser Erfolg gegen das Team aus der Landeshauptstadt eines der Highlights der Saison?

Ja, aber für mich war viel eher die Niederlage bei den starken Hamburg Pioneers ein echter Höhepunkt.

Wieso das?

Eine Woche vorher hatten wir eine der bittersten Pleiten erleben müssen und gegen Braunschweig im letzten Viertel einen 14-Punkte-Vorsprung aus der Hand gegeben. Dann sind wir mit einer absoluten Rumpfmannschaft nach Hamburg gefahren, und alle dachten, wir bekommen 60 oder 70 Punkte. Das Team hat aber eine tolle Moral bewiesen, super gekämpft und sogar bis kurz vor Schluss geführt. Da war ich echt stolz.

Gab es neben dieser Moral auch individuelle Leistungen, die Sie besonders überzeugt haben?

Also dass ein Felix Gartelmann, der seine erste Saison als Runnimg Back spielte, von einigen Gegnern bereits als einer der stärksten Läufer eingeschätzt wird, ist natürlich klasse. Und auch ein Tammo Vroom, der erst zwei Monate vor der Saison mit dem Sport angefangen hat, ist eine echte Überraschung. Weiterhin kann man sagen, dass unsere Laufverteidigung wohl immer noch die beste der Liga ist.

Sie selbst sind ja relativ kurzfristig in die Rolle des Cheftrainers gerutscht. Wie haben Sie persönlich Ihre erste Saison in dieser Position erlebt?

(lacht) Also es hat mir wirklich jede Menge Spaß gemacht, war aber auch sehr anstrengend. Als Headcoach bist du einfach viel mehr mit Organisation und Planung beschäftigt. Da ich nebenbei noch Offensive Coordinator bin, fehlte für manche Aspekte einfach die Zeit, was sich letztlich auch in der sportlichen Lage widerspiegelt.

Machen Sie trotzdem weiter?

Ich habe große Lust, das auch in der neuen Saison zu machen. Das muss aber natürlich auch der Vorstand entscheiden. Von meiner Seite steht einer weiteren Spielzeit aber nichts im Wege. Vor allem da wir mit Daniel Estevez Milan jetzt auch über einen Teammanager verfügen, der mir in den vergangenen Wochen schon viel Arbeit abnehmen konnte.

Und wie soll es dann sportlich bei den Badgers weitergehen? Ist die GFL 2 weiterhin ein realistisches Ziel?

Natürlich muss man nach so einer Saison erst mal kleine Brötchen backen. Aber ich bin weiterhin überzeugt, dass uns nicht viel fehlt, um oben anzugreifen. Hannover ist ein gutes Beispiel dafür, dass in kurzer Zeit mit richtigen Entscheidungen viel erreicht werden kann. Wichtig sind ein gutes Konzept und gute Trainer, dann bekommst du auch gute Spieler.

Vielleicht auch wieder einen Quarterback aus den USA?

Da Maximin uns wohl studienbedingt verlassen wird, brauchen wir wahrscheinlich einen neuen Spielmacher. Und ich denke schon, dass wir uns dann wieder nach einem Importspieler umschauen werden.

Was muss sich sonst noch verändern?

Ach, ich glaube von der Infrastruktur können wir sogar mit manchen Teams aus der ersten Liga mithalten. Wir haben tolle Zuschauer und fleißige Helfer. Wichtig wird sein, Jugendliche aus der Umgebung für diesen tollen Sport zu motivieren und darüber hinaus gute Spieler aus Bremen zu holen. Das Einzugsgebiet ist definitiv gegeben.

Eine allerletzte Frage: Der Verein hat sich vor der Saison das Motto „together“ auf die Fahnen geschrieben. Konnte dieser Zusammenhalt trotz der durchwachsenen Saison vorangetrieben werden.

Auf jeden Fall. Und ich denke auch, dass dies eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der vergangenen Saison ist. Die Kommunikation im gesamten Verein hat sich deutlich verbessert. Letztes Jahr hätte kein Spieler aus der zweiten Mannschaft oder der Jugend bei uns mittrainiert oder gespielt. In diesem Jahr haben sie uns super unterstützt, da sind wir wirklich auf einem guten Wege.

Das Gespräch führte Jan-Henrik Gantzkow.

Info

Zur Person

Robert Schulz (35)

von berufs wegen IT-Leiter, übernahm vor der Saison die Position des Headcoaches bei den Ritterhude Badgers in der Football-Regionalliga Nord. Vor den ersten Spielen hatten die Ritterhuder große Ziele und wollten so lange wie möglich im Aufstiegsrennen mitmischen. Allerdings mussten die „Dachse“ diese Hoffnungen recht schnell wieder begraben. Woran das lag, warum die Saison trotz der verpassten Ziele auch positive Erkenntnisse mit sich brachte und wie die Zukunft bei den Hammestädtern aussehen soll, erklärt Schulz im großen Saisonrückblick-Interview.

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