Entwurf stößt im Planungsausschuss auf Kritik

Entwurf stößt auf Kritik

Im Industrie- und Gewerbepark Brundorf sollen Unternehmen Erweiterungsmöglichkeiten bekommen, auch das Warenzentrallager von Lidl. Ein Änderungsentwurf zum Bebauungsplan stößt bei der Politik auf Bedenken.
13.02.2021, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gabriela Keller

Schwanewede. Im Industrie- und Gewerbepark Brundorf sollen Unternehmen Erweiterungsmöglichkeiten bekommen. Das ist das Ziel einer geplanten Änderung des Bebauungsplanes für das Gebiet. Ein Vorentwurf ist am Donnerstag dem Schwaneweder Planungsausschuss vorgestellt worden – und dort auf Bedenken gestoßen. Vor allem die geplanten Änderungen für eine Erweiterung des Lidl-Warenzentrallagers sahen die Ausschussmitglieder kritisch.

Der Entwurf sieht vor, dass auf den bestehenden Gewerbegrundstücken künftig mehr Fläche bebaut werden darf: 80 statt bisher 60 Prozent. Der Schwaneweder Verwaltungsausschuss hat bereits zugestimmt. Lidl will zudem sein vorhandenes Betriebsgelände in östlicher Richtung bis zum Stundenweg erweitern und dafür von der Gemeinde Schwanewede sechs Grundstücke mit insgesamt 50.000 Quadratmetern kaufen (wir berichteten). Einer künftigen Bebauung der Flächen stehen laut Franziska Lüders vom Plankontor Städtebau aus Oldenburg, das den Entwurf erarbeitet hat, aber Hindernisse im Weg. Sie sollen mit der Planänderung beiseite geräumt werden.

Im Ausschuss erläuterte sie, was sich speziell mit Blick auf die Lidl-Erweiterung ändern soll. Eine Erschließungsstraße vom Stundenweg, die auf der künftigen Baufläche verläuft, soll wegfallen. Eine Gastrasse verlegt, ein Entwässerungsgraben verrohrt oder verlegt werden. Der Entwurf sieht außerdem vor, dass im Erweiterungsgebiet höher gebaut werden darf als auf dem vorhandenen Lidl-Betriebsgelände. Für den Bestandsbau sind maximal 16 Meter zulässig, die künftigen Neubauten auf der Ausbaufläche dürften bis zu 22,50 Meter hoch werden. Derzeit festgesetzte Pflanzflächen für Gehölze würden nach dem Entwurf zubetoniert werden. „Wir gehen davon aus, dass wir in dem Gebiet ohne Anpflanzungsflächen auskommen“, sagte Lüders. An Dach- und Fassadenbegrünungen im Industrie- und Gewerbegebiet hält der Änderungsentwurf fest. Mit einer Ausnahme: Für die Lidl-Gebäude soll die Vorgabe nicht gelten.

Höhere Gebäude, kaum noch Grün, bis zu 80 Prozent Flächenversiegelung auf den Grundstücken – vielen im Ausschuss ging das gegen den Strich. Von einem Industrie- und Gewerbepark mit Betonung auf Park könne keine Rede mehr sein, waren sich die Grünen-Fraktionsvorsitzende Dörte Gedat und ihr SPD-Kollege Björn Herrmann einig. Gedat sprach von einem „hässlichen Hallengebiet“ und befürchtete: „Mit einer Erhöhung der Grundflächenzahl auf 0,8 sind wir in manchen Bereichen bei einer Vollsiegelung.“ Skepsis auch bei Björn Herrmann. „Ob diese Erhöhung sein muss, ist fraglich.“ Angesichts der Ausnahmen für Lidl vom Dachgrün bis zur Gebäudehöhe dränge sich ihr der Eindruck auf, „dass diese große Firma Sonderrechte bekommt“, so Dörte Gedat. „Das gefällt uns überhaupt nicht.“ Kritik an der geplanten Gebäudehöhe von bis zu 22,50 Meter kam von allen Fraktionen. „Ein Ding der Unmöglichkeit“, fand Bernhard Wendelken (Wählergemeinschaft). „Mit der Grundflächenzahl sind wir einverstanden, bei der Höhe haben wir Beratungsbedarf“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Karl-Gerd Brand. Für die SPD stellte Fraktionschef Herrmann fest: „Das ist eine Höhe, die wir in dem Gebiet bisher nicht haben. Es ist fraglich, ob wir das hier brauchen.“ Auch Arnold Neugebohrn (Die Linke) sprach sich gegen höhere Gebäude aus. Laut Verwaltung hat Lidl die Gebäudehöhe von 22,50 Meter mit den auf der Erweiterungsfläche geplanten technischen Einrichtungen begründet. Demnach sollen dort unter anderem Kühllager entstehen.

Zu den Bedenken gegen eine Grabenverrohrung sage Bauamtsleiterin Ulrike Becker: „Wir prüfen, ob eine Verlegung des Grabens in nördlicher Richtung möglich ist.“ Auf die Frage, warum Regenwasser nicht auf den Grundstücken versickert, sondern in Rückhaltebecken geleitet wird, erklärte sie: „Eine Versickerung ist wegen einer Lehmschicht in 5,80 Meter Tiefe nicht möglich.“ Die Fraktionen waren sich am Ende einig: Sie wollen erst einmal über den Änderungsentwurf beraten.

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