Handball-Oberliga der Männer Am Boden zerstört

So hatte sich die HSG Schwanewede/Neuenkirchen das Spitzenspiel nicht vorgestellt. Beim Tabellenführer TV Cloppenburg setzte es vor 1500 Zuschauern eine deftige 27:44-Niederlage.
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Von Olaf Kowalzik

Schwanewede. Das Werbetransparent einer amerikanischen Fast-Food-Kette war neben der Anzeigetafel bestens platziert. Es deutete an, mit welcher Leichtigkeit der TV Cloppenburg die HSG Schwanewede/Neuenkirchen mit 44:27 (24:13) verspeist hatte. Die sogenannten „Sahneschnitten" erwiesen sich beim Spitzenreiter der Handball-Oberliga der Männer – gegensätzlich zu ihrem Namen – als leichte Kost.

Die „Schwäne“ waren nach dem Top-Spiel völlig am Boden zerstört. Ihr Trainer Andreas Szwalkiewicz verspürte da nicht einmal mehr Lust zum Nachtreten, ganz im Gegenteil: „Mir tun meine Jungs einfach nur megaleid. Sie sind richtig gebrochen und müssen jetzt erst einmal wieder komplett aufgerichtet werden.“ Da ist es umso bitterer, dass diese das kommende Wochenende spielfrei haben. „Dadurch können sie diesen Ausrutscher nicht gleich wieder gutmachen und grübeln noch länger über diese Leistung nach", meinte der HSG-Coach. „Wir dürfen uns davon aber nicht verrückt machen lassen, denn wir stehen mit 10:6 Punkten immer noch richtig gut da.“

Es war die enorme Kulisse von rund 1500 Zuschauern, an der der Liga-Novize komplett zerbrach. Und an der seine Hoffnungen auf ein gutes Spiel am 30. Jahrestag des Mauerfalls gleich in den ersten 13 Spielminuten mit dem 4:10-Rückstand in Schutt und Asche gelegt wurden. Dabei hatte „Andi„ Szwalkiewicz seinem Team noch beim obligatorischen Spaziergang vor der Halle den Rat gegeben, dass es sich beim Aufwärmen mit der besonderen Atmosphäre vertraut machen und dann „60 Spielminuten nicht nach links und rechts schauen soll“. Es klappte überhaupt nicht.

Zu beeindruckend war der Budenzauber, den die aufstiegswilligen Hausherren in der großen Arena veranstalteten. Angefangen von einer Musik- und Lichtshow, die selbst die hohe Kunst der HSG in der „Heidehölle“ in den Schatten stellte. Außerdem wurde im Sporttempel extra ein spezieller Handballboden verlegt und VIP-Lounges eingerichtet. Dadurch hatten die Gäste im Nu die Lehren ihrer Videoschulung vom vorherigen Donnerstag vergessen. Nämlich, dass sie den Cloppenburger Rückraumschützen Erik Gülzow (vier Tore) frühzeitig attackieren und die Kreise ihres früheren Mitspielers Ole Harms (6) an der Nahwurfzone einengen wollten. Es kam noch schlimmer, da sie sich derart viele technische Fehler erlaubten, dass sie die Cloppenburger Konterwelle im hohen Bogen aus der Halle spülte. Der Rest zerschellte an der kompromisslosen, aber fairen Cloppenburger 5:1-Deckung, bei der der Vorgezogene das Spielfeld in zwei Hälften zu teilen schien. Da half es auch nicht, dass die „Schwäne“ mit zwei Kreisläufern angriffen.

„Dieses Mal lagen zwischen den Teams Welten ", gab der HSG-Coach zu. „Uns sind die Grenzen aufgezeigt worden.“ Schwacher Trost für seine Mannschaft: es war nicht die höchste Klatsche in der Vereinsgeschichte. Die hatte es am 29. Oktober 2011 mit 18:37 in Bremervörde gesetzt, trotzdem wurde die HSG damals am Ende der Saison Siebter.
Wer hätte das Spiel der HSG Schwanewede/Neuenkirchen beruhigen können? Sicherlich der privat verhinderte Routinier Torben Lemke, der in der heiklen Phase vor allem auf die Tempobremse getreten hätte. Er hätte zur Schadensbegrenzung beitragen können. Neben ihm fehlten besonders die verletzten Marco Wilhelms und Tizian von Lien sowie der studienbedingt verhinderte Tim Paltinat.

Für Marc Blum, Andrej Kunz, Roberto Cagliani und Niels Huckschlag hieß das, im Rückraum alles richten zu müssen, was allein schon mangels eingespielt zu sein zum Scheitern verurteilt war. „Dafür werden wir länger brauchen als gedacht. Vielleicht sogar bis zum Saisonende“, mutmaßte Szwalkiewicz und schloss die Trainerbank in Cloppenburg nicht von Fehlern aus. „Wir waren auch hektisch und haben nicht für die nötige Ruhe gesorgt“, gab er zu. Den 100 mitgereisten Schwaneweder Fans, bei denen vor allem Diane Wallrabe viele Jugendliche mobilisiert hatte, war das egal: Sie feuerten ihre Farben bis zum Schluss unaufhörlich an. „Hut ab, wie sie für uns geklatscht und für uns gerufen haben", lobte der HSG-Trainer. Wenigstens etwas Positives an diesem völlig misslungenen Abend.

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