Volksbegehren startet in Schwanewede Unterschriften für mehr Natur

Dörte Gedat, Vorsitzende der Grünen in Schwanewede, hat sich gemeinsamen mit anderen auf den Marktplatz gestellt, um Unterschriften für Artenvielfalt zu sammeln. Sie ist optimistisch.
24.06.2020, 20:49
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Schwanewede. „Ich merke es im eigenen Garten, in dem auch einige Obstbäume stehen: Vorher flogen dort viele Schmetterlinge wie der Admiral, jetzt ist nichts mehr da“, sagt Dörte Gedat, Vorsitzende der Grünen in Schwanewede. „Es muss etwas passieren, um den Verlust der Vielfalt zu stoppen, so geht es nicht weiter“, meint sie. Dörte Gedat von den Grünen und weitere Unterstützer haben sich an diesem Vormittag auf dem Marktplatz in Schwanewede einen kleinen Infostand aufgebaut. Sie sammeln Unterschriften für das Volksbegehren „Artenvielfalt. Jetzt!“ in Niedersachsen. Ein solches Volksbegehren hatte es im vergangenen Jahr bereits in Bayern gegeben. Es wurde vom bayerischen Landtag mit großer Mehrheit angenommen und hat zu einer Änderung des Landesnaturschutzgesetzes geführt.

Das Artensterben betrifft, wie Ökologen nachdrücklich betonen, nicht nur Falter, Wildbienen und andere Blütenbesucher, sondern die gesamte Vielfalt der Tiere und Pflanzen. In Niedersachsen sind nach Schätzungen von Experten rund die Hälfte von 11 000 Arten bedroht. Seit 1992 seien bundesweit rund 14 Millionen Vogelbrutpaare verschwunden. Dabei ist der ökonomische Wert der Artenvielfalt gewaltig: Allein dank der Bestäubung von Pflanzen durch Insekten wird in Deutschland jährlich ein Wert von rund 2,5 Milliarden Euro erzeugt, so der Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen. Intakte Ökosysteme würden dem Klimaschutz dienen, doch sie sind an eine hohe Artenvielfalt gebunden.

Im Landkreis Osterholz haben sich die Grünen, die Linke, der Nabu, der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und die Aktionsgemeinschaft Bremer Schweiz zusammengeschlossen, um Unterschriften für eine baldige Änderung des Landesnaturschutzgesetzes auch in Niedersachsen zu schaffen. Dazu müssen rund 610 000 Unterschriften gesammelt werden.

Die Forderungen des Volksbegehrens nach mehr Artenvielfalt zielen vor allem darauf, wieder mehr Strukturreichtum in die Landschaft zu bringen – in Form von Hecken, Blühflächen, Grasstreifen am Wegrand oder ein mindestens fünf Meter breiter Randstreifen an Gewässern, auf dem nicht gedüngt oder gespritzt werden darf.

Doch auch auf Flächen mit industrieller Großproduktion durch die Landwirtschaft soll sich etwas ändern. Das Volksbegehren fordert ein nachhaltigeres Wirtschaften und die Förderung des Ökolandbaus ebenso wie artenreiche Wiesen und Weiden, die wichtige Kohlendioxid-Speicher sind. In Wäldern soll der Naturschutz Vorrang haben, indem zum Beispiel mehr Alt- und Totholz für Käfer, Pilze und Spechte entsteht. „Die Kernforderungen für mehr Artenvielfalt richten sich eindeutig an die Landwirtschaft“, sagt Dörte Gedat, die im Organisationsteam des Volksbegehrens mitarbeitet. „Bei den Landwirten ist ein Umdenken erforderlich, sie müssen sich bewegen“, sagt sie, „allerdings müssen sie auch merken, dass wir ihnen nichts Böses wollen. Und für ihre Leistungen zugunsten der Artenvielfalt müssen sie einen finanziellen Ausgleich erhalten.“ Ein wichtiger Baustein sei die EU-Agrarförderung, die derzeit neu verhandelt werde.

Die Initiative für das Volksbegehren in Niedersachsen ist von der bisherigen Resonanz überwältigt: Zwei Wochen nach dem Start des Volksbegehrens seien rund 200 000 Unterschriftenlisten verschickt worden, so der Initiator des Volksbegehrens Niedersachsen, Nick Büscher. „Wir können uns vor Anfragen nach Unterschriftenbögen kaum retten. Denn die Menschen wollen einen besseren Naturschutz“, sagt Büscher.

Rund 50 Aktionsgruppen in Niedersachsen beteiligen sich an der Aktion. Konkrete Zahlen, wie viele Menschen das Volksbegehren unterzeichnen, werden nicht vor Anfang August erwartet. Unterschriftenlisten für das Volksbegehren Artenvielfalt liegen in Schwanewede, Meyenburg und Aschwarden unter anderem in Geschäften.

Wer das Organisations-Team unterstützen möchte, kann sich unter der E-Mail artenvielfalt.jetzt@posteo.de melden. Weitere Informationen gibt es unter www.artenvielfalt-niedersachsen.jetzt.

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