Industrie- und Gewerbepark Lidl darf in Brundorf wachsen

Das Lidl-Warenzentrallager in Brundorf darf erweitert werden. Dafür hat der Schwaneweder Planungsausschuss gestimmt. Damit können 80 statt bislang 60 Prozent der Gewerbegrundstücke bebaut werden.
15.03.2021, 08:51
Lesedauer: 4 Min
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Von Gabriela Keller

Lidl darf im Industrie- und Gewerbepark Brundorf wachsen. Der Schwaneweder Planungsausschuss hat mit der Stimmenmehrheit von SPD und CDU einer Änderung des Bebauungsplanes zugestimmt, der die Voraussetzungen für Erweiterungsmöglichkeiten von vor Ort ansässigen Betrieben im Allgemeinen und des Warenzentrallagers der Supermarkt-Kette im Speziellen schaffen soll. Grüne und Wählergemeinschaft lehnten die Änderung ab.

Das sind die geplanten Änderungen: Künftig können 80 statt bislang 60 Prozent der Gewerbegrundstücke bebaut werden. Die maximalen Gebäudehöhen werden aufgestockt: im mittleren Bereich des Gewerbeparks von zehn, zwölf beziehungsweise 16 Meter auf dann 16 beziehungsweise 22,5 Meter und im nordöstlichen Bereich von zehn auf zwölf Meter. Der Erweiterungsbau des Zentrallagers kann demnach bis zu 22,5 Meter hoch werden. Damit Lidl sich ausdehnen kann, sind weitere Planänderungen vorgesehen: Eine Gastrasse soll verlegt und ein Graben verrohrt werden, eine bislang vorgesehene Stichstraße westlich des Stundenweges fällt weg, ebenso Grünflächen auf der geplanten Erweiterungsfläche.

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„Wir können dem Beschlussvorschlag, auch mit der Gebäudeerhöhung, zustimmen“, sagte Martin Grasekamp für die SPD. Es gehe darum, das Gewerbegebiet zu erhalten. Auch die CDU-Fraktion hatte keine Bedenken gegen die Änderungen. Harsche Kritik an der Planung kam hingegen von Dörte Gedat (Bündnis 90/Die Grünen) und Bernhard Wendelken (Wählergemeinschaft). „Es ist unverständlich, dass in einem geschlossenen Gewerbegebiet mit einheitlichen Höhen jetzt ein so hoher Turm entstehen darf“, meinte Wendelken mit Blick auf die künftig erlaubte Höhe für den Zentrallager-Erweiterungsbau. „Wir bekommen hier eine total versiegelte Fläche, bei der auch noch das letzte Grün wegfällt. Ursprünglich war mal ein durchgrünter Gewerbepark geplant, jetzt wird daraus eine Betonwüste“, kritisierte Dörte Gedat die Planung. Der Grünen geht es auch gegen den Strich, dass beim Lidl-Neubau auf eine Fassaden- und Dachbegrünung wie sie der Bebauungsplan für Gebäude im Gewerbegebiet vorschreibt, verzichtet werden soll. „Die große Firma kriegt jetzt Sonderrechte“, meinte Gedat.

Kritik gab es an der Grabenverrohrung. In Vorgesprächen mit dem Landkreis sei deutlich geworden, „dass der vorhandene Graben ohne große Bedeutung für den Naturbereich ist“, hatte die Verwaltung in der Sitzungsvorlage ausgeführt. „Das ist der letzte Ausläufer der Blumenthaler Aue. Der Landkreis selbst hat den Graben als Schaugraben angelegt und kontrolliert ihn auch – und jetzt soll er auf einmal nichts wert sein“, – Bernhard Wenkelken war über die Einschätzung verwundert. „Eigentlich müsste der Graben als Teil der Aue im Rahmen der Ausgleichsmaßnahmen aufgewertet werden“, fand Dörte Gedat. Mit ihren Argumenten konnten sich die Kritiker aber nicht durchsetzen.

Ein weiteres Thema war die geplante Änderung des Bebauungsplanes Hofstellen Sonnenburg in Schwanewede. Auf dem Gelände im Ortskern, angrenzend an den Einzelhandelsbereich am Marktplatz, will ein Investor wie berichtet mehrgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser errichten. Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung hatten Bürger zahlreiche Einwände gegen die geplante Bebauung vorgebracht. In der Ausschusssitzung nahm Christina Tolk vom Planungsbüro Instara Stellung. Eine Kritik der Bürger: Die Einstufung des Plangebietes als urbanes Gebiet sei rechtswidrig, da nur ein Grundstück bebaut werde. Auch könne keine Rede sein von einer Durchmischung des Gebietes, da nur wenige Geschäfte am Rand geplant seien. Dazu sagte Tolk: Auch einzelne Grundstücke könnten urbanes Gebiet sein und für eine Durchmischung gebe es keine Quotierung. Die Bürger fürchten auch Lärmbelastungen: durch die Gewerbebetriebe, ein geplantes Rolltor einer Garagenanlage und zusätzlichen Verkehr. Tolk verwies aufs Lärmgutachten. „Danach wirken sich die Lärmemissionen der Gewerbebetriebe nicht nachteilig auf die Umgebung aus.“ Rolltore seien nach Aussage des Gutachters heute so modern, „dass sie keine oder nur geringe geringe Geräusche verursachen“.

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Beim zusätzlichen Verkehrsaufkommen sei mit 230 Autos zu rechnen. „Die sich dadurch ergebende Erhöhung des Schallpegels von 0,25 Dezibel ist zu vernachlässigen.“ Ein weiterer Einwand der Bürger betrifft die Höhe der künftigen Gebäude, die bis zu 15,5 Meter hoch werden dürfen. Sie befürchten eine Verschattung ihrer Grundstücke am Eichengrund, die nördlich an das Baugebiet grenzen. Bei Einhaltung des erforderlichen Grenzabstandes sei die meiste Zeit des Jahres nur von einer geringfügigen Verschattung angrenzender Flächen auszugehen, sagte Tolk unter Hinweis auf entsprechende Berechnungen. Ein Rechtsanwalt im Publikum, der nach eigenen Worten zwei betroffene Anwohner gegen das Bauprojekt vertritt, stellte das in Frage. Gemessen worden sei zwischen März und September. Er habe ein Bremer Architektenbüro beauftragt, im Zeitraum zwischen Mitte Oktober bis 1. März zu messen. Das Ergebnis zeigt nach seinen Worten ein anderes Bild. „Viereinhalb Monate wären die Gärten und Terrassen der Häuser am Eichengrund völlig verschattet.“ Seinen Vorschlag, dass Verwaltung und Anwohner zusammen mit einem Mediator nach einer „Lösung suchen, mit der alle Beteiligten leben können“, griff der Fachausschuss nicht auf, die Änderung des Bebauungsplanes wurde einstimmig empfohlen.

Ebenso eine Änderung des Bebauungsplanes Junkernkamp, die im Zusammenhang mit der künftigen Bebauung auf dem Gelände der früheren Hofstelle Sonnenburg steht. Ein Teil der neuen Grundstücke soll vom Wendeplatz an der Sophie-Scholl-Straße erschlossen werden. Dafür muss der gesamte Wendehammer als Straßenverkehrsfläche ausgewiesen werden, derzeit ist dies nur in Teilen der Fall.

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