Testgelände in in Schwanewede geplant Autonomes Fahren auf dem Kasernengelände

Wissenschaftler der Universität Bremen planen ein Testgelände für autonomes Fahren auf dem Areal der ehemaligen Lützow-Kaserne in Schwanewede.
16.03.2022, 19:00
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Autonomes Fahren auf dem Kasernengelände
Von Gabriela Keller

Das Auto fährt an, dreht eine kleine Kurve, bremst, setzt zurück - ohne dass jemand auf dem Fahrersitz Gas gibt, lenkt, auf die Bremse tritt oder schaltet.  Der VW Passat erhält seine Fahrbefehle von einem Computer. Vom Rücksitz aus steuert Andreas Folkers das Auto per Mausklick.

Auf einem großen Parkplatz auf dem Gelände der ehemaligen Lützow-Kaserne in  Schwanewede wird die Mobilität der Zukunft demonstriert. Was von außen wie ein normales Auto aussieht, ist ein mit Technik vollgestopftes Testfahrzeug. Laserscanner-Distanzsensoren vorne und hinten am Auto sowie Kameras an der Frontscheibe im Innern erfassen die Umgebung wie ein menschliches Auge. Die gesammelten Daten werden weitergeleitet an drei Rechner im Kofferraum, das elektronische Gehirn. Hier berechnet die künstliche Intelligenz die Steuerungsdaten für das Fahrzeug.

Grundlagenforschung

Ein Forschungsteam der Universität Bremen unter Leitung von Professor Christof Büskens gibt auf dem früheren Militärgelände in Schwanewede Einblick in das autonome Fahren. Die Wissenschaftler wollen das Areal als Testgelände nutzen. Seit 2016 betreiben sie am Zentrum für Technomathematik in der Arbeitsgruppe "Optimierung und Optimale Steuerung" Grundlagenforschung zum autonomen Fahren, seit 2017 sind sie mit einem Testfahrzeug auf öffentlichen Straßen in Bremen und Niedersachsen unterwegs. Autonome Fahrmanöver wie Lenken, Bremsen, Ausweichen oder auch Einparken werden dabei im Stadtverkehr auf einer festgelegten Strecke erprobt.

Nun wollen die Wissenschaftler das Forschungsfeld erweitern. "Wir haben weitere Projekte bewilligt bekommen", sagt Christof Büskens. Lange haben die Forscher nach einem geeigneten Testgelände gesucht, fündig geworden sind sie in Schwanewede. Durch die Wirtschaftsförderung des Landkreises Osterholz sind sie auf das Gelände der ehemaligen Lützow-Kaserne gestoßen. Laut Büskens bietet das Areal mit seiner Größe, seiner Straßeninfrastruktur und wenig Hindernissen beste Voraussetzungen, für das, was die Wissenschaftler vorhaben.

Vernetztes Fahren

In Schwanewede wollen sie das vernetzte Fahren mit mehreren autonomen Fahrzeugen in komplexen Verkehrssituationen testen. Christof Büskens nennt als Beispiel den Kreuzungsverkehr, wo Autos aus verschiedenen Richtungen zusammenkommen – wer fährt zuerst? "Beim vernetzten Fahren müssen die Autos miteinander kommunizieren." Um das vernetzte Fahren testen zu können, soll der Fuhrpark erweitert werden. Neben dem Testauto sei die Anschaffung eines Shuttle-Busses und eines Bulli geplant, sagt Büskens.

Tests mit höheren Geschwindigkeiten

"Das autonome Fahren ist interessant für den öffentlichen Nahverkehr", meint der Leiter der Forschungsgruppe. Fahrerlose Shuttle-Busse könnten als Zubringer aus den Randbereichen der Stadt ins Zentrum eingesetzt werden. Besonders attraktiv ist laut Büskens der Einsatz auf dem Land. Selbstfahrende Kleinbusse könnten dort eine kostengünstige Möglichkeit für den Ausbau des ÖPNV sein. Seit Anfang des Jahres läuft ein Forschungsprojekt. Es sieht vor, autonomes Fahren mit Shuttle-Bussen auf ausgewählten Strecken zu testen.

"Für den Einsatz von Shuttle-Bussen auf dem Land brauchen wir höhere Geschwindigkeiten", so Büskens. Bei den Testfahrten in Bremen und umzu dürfen die Forscher aus Sicherheitsgründen mit dem Testauto derzeit nicht schneller als 30 Stundenkilometer fahren. Auf dem Gelände der ehemaligen Lützow-Kaserne wollen sie mehr Gas geben: Testfahrten mit 50 bis 70 Stundenkilometern sind hier geplant.

Auch das teleoperierte Fahren soll in Schwanewede erprobt werden. "Wir haben dafür gerade einen Projektantrag eingereicht", sagt Büskens. Beim teleoperierten Fahren hat der Mensch aus einer Schaltzentrale heraus eine Zugriffsmöglichkeit auf das autonome Fahrzeug und kann es bei Bedarf ferngelenkt steuern. Das ist laut Büskens für die Übergangszeit, in der autonome und normale Fahrzeuge im Verkehr unterwegs sind, relevant. "Autonome Fahrzeuge werden in der Übergangszeit noch nicht in allen Situationen allein entscheiden können. Der Mensch kann sich dann aus der Ferne auf das Fahrzeug aufschalten und Entscheidungen treffen, die der Computer noch nicht entscheiden kann", erklärt er.

Bima muss zustimmen

Hausherrin des ehemaligen Kasernengeländes in Schwanewede ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Sie entscheidet, ob die Wissenschaftler das Areal als künftiges Testgelände nutzen können. Das müsste dann vertraglich ausgehandelt werden. "Wir sind da sehr aufgeschlossen", sagte Wiebke Rode von der Bundesanstalt bei der Vorführung am Dienstag. Die Gemeinde Schwanewede würde sich laut Bürgermeisterin Christina Jantz-Herrmann freuen, wenn die frühere Kaserne als Testgelände befristet genutzt werden könnte.  "Die Pläne der Gemeinde für die Konversion wird das nicht konterkarieren", sagte sie.

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