HSG Schwanewede/Neuenkirchen

„Bei mir ist momentan der Wurm drin"

Nils Husen ist zurzeit alles andere als das, was man umgangssprachlich als Glückspilz bezeichnen würde. „Bei mir ist der Wurm drin“, sagt der Handballer von sich selbst. Man kann ihm nicht widersprechen.
20.03.2020, 16:49
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Kowalzik
„Bei mir ist momentan der Wurm drin"

Beim großen Beachhandball-Event in Cuxhaven-Duhnen zog sich Nils Husen (Mitte, mit Ball) im Vorfeld eine sehr schmerzhafte Schultereckgelenksprengung zu.

Fotos: OLAF KOWALZIK

Nils Husen ist zurzeit alles andere als das, was man umgangssprachlich als Glückspilz bezeichnen würde. „Bei mir ist momentan der Wurm drin“, sagt der Oberliga-Handballer der HSG Schwanewede/Neuenkirchen von sich selbst. Man kann ihm nicht widersprechen.

Vor gut einem Monat wollte der schwer an der Schulter verletzte Linkshänder alles hinschmeißen und seine Comeback-Anstrengungen im Handball abbrechen. Danach flog ihm der geplante USA-Urlaub um die Ohren, weil die Vereinigten Staaten ihre Grenzen nicht nur für deutsche Staatsbürger dichtgemacht haben. Ironie am Rande: Nils Husen liegt mittlerweile selbst grippekrank im Bett. Aber hübsch eins nach dem anderen erzählt.

Der 2. August war es, der die Welt des Blondschopfs für einige Zeit auf den Kopf stellte. Nils Husen wollte in Cuxhaven-Duhnen an einem großen Beachhandball-Event teilnehmen. Eigentlich war es nichts Besonderes, denn diese Sportvariante im Sand gilt als erheblich weniger verletzungsanfällig als der körperbetonte „große Bruder“ in der Halle. Den 26-Jährigen erwischte es trotzdem, weil er auf dem Deich ins Straucheln kam und stürzte – ohne überhaupt eine Sekunde gespielt zu haben.

Die Folgen waren niederschmetternd: Der vor 20 Jahren beim TV Grambke mit dem Handball groß Gewordene zog sich eine Schultereckgelenksprengung zu, stark angegriffene Bänder plus Fehlstellung des Schlüsselbeins inklusive. Dass es dabei auch noch seinen linken Wurfarm erwischte, komplizierte alles. Wenigstens hatte er Glück im Unglück, weil er schnell einen Operationstermin bei einem Hamburger Spezialisten bekam.

Dank der Verletzung fiel jedoch der dreiwöchige Urlaub direkt danach ins Wasser. „Da ich sowieso überwiegend Arbeiten am Haus eingeplant hatte, war es nicht so schlimm“, plaudert Nils Husen weiter.

Später ging es bei ihm in der Physiotherapie flott voran – zunächst. Na klar musste er zunächst einmal vieles zwangsweise mit der rechten Hand erledigen, außerdem war das nächtliche Drehen auf die linke Seite tabu. Dafür durfte er rund sieben Wochen nach der OP bereits die Schulter mit Kraft- und Halteübungen stabilisieren. „Die ersten Erfolge stellten sich schnell ein“, blickt Nils Husen zurück.

Seine Übungen wurden komplexer, die Anforderungen höher –und die Probleme größer. „Ich hatte keine schlimmere und keine schmerzhaftere Verletzung als diese“, betont er. Den Armbruch, den er sich als Kind zugezogen hatte oder die verschiedenen Bänderrisse aus dem Sport? Pah, darüber kann er nur milde lächeln.

Dazu gesellte sich bei ihm im Training der Frust, wenn ihm beim Wurf der Schmerz blitzartig durch den Körper jagte, weil die Kapsel im Schultergelenk mal wieder streikte und die Bizepssehne aufmuckte. Auch das Üben mit leichtem Körperkontakt, in das Nils Husen vor knapp vier Wochen eingestiegen ist, erhöhte das Frustpotenzial. „Mein Tiefpunkt war Anfang Februar, da hatte ich ans Aufhören gedacht“, gibt der hauptberufliche Sozialversicherungsfachangestellte einer großen Krankenkasse zu.

Also musste sich der neue Trainer der „Schwäne“, Henning Schomann, nicht nur um die kurzfristige Übernahme des Oberligateams, sondern auch gleich um den gefrusteten Rückkehrer im rechten Rückraum kümmern. „Das Gespräch hat mich wieder aufgebaut“, berichtet Nils Husen. Sein Ziel ist jetzt der volle Einstieg in die Vorbereitung auf die Saison 2020/21, irgendwann im Sommer. „Mal sehen, ob es klappt“, bleibt er hinsichtlich seines Lieblingssports gelassen.

Privat trieb er seine Urlaubsplanung voran. Zusammen mit seiner Freundin Sara Grzeschik sollte es in die USA gehen, nach Miami und an die Strände Floridas. Garniert mit einem Besuch der unvergleichlichen Everglades mit ihren Alligatoren, dem Zuschauen des NBA-Basketballspiels zwischen den Miami Heat und Oklahoma City Thunder sowie einem Abstecher in die Freizeitparks von Orlando. Alles sollte stilecht im gemieteten Mustang Cabrio bereist werden, schließlich nennt sich Florida ja auch selbst „Sunshine State“, sprich Sonnen(schein)-Staat – aktuelle Temperaturen von 25 Grad nebst Sonnenschein unterstreichen das.

Dass die Vereinigten Staaten ihre Grenzen vier Tage vor seinem geplanten Abflug aufgrund der Corona-Pandemie unter anderem für deutsche Staatsbürger schlossen, war für ihn schon bitter. „Gesellschaftlich betrachtet ist das die richtige Maßnahme“, legt sich Nils Husen fest.

Ironie des Schicksals: Er wird selbst von einer Grippe erwischt und liegt krank im Bett. Immerhin wird Nils Husen das vorgestreckte Geld für seinen Urlaub wieder erstattet. „Das lege ich für die nächste Reise zurück“, sagt er. Gerne möchte er dann die ausgefallene Tour in die USA in Angriff nehmen. Aber dann soll ihm gefälligst nicht wieder irgendein Unglück widerfahren...

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