Pflegeheim in Schwanewede Corona-Fall hat sich nicht bestätigt

Eine 87-jährige Bewohnerin eines Pflegeheims in Brundorf ist doch nicht am Coronavirus erkrankt. Ein erster Test hatte einen positiven Befund ergeben, ein weiterer Test ist jetzt negativ ausgefallen.
01.05.2020, 11:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Gabriela Keller

Brundorf. Eine 87-jährige Bewohnerin in einem Pflegeheim in Schwanewede, von der es am Dienstag von Seiten des Landkreises Osterholz noch hieß, sie sei positiv getestet worden, ist doch nicht an dem Virus erkrankt. „Der Corona-Fall hat sich nicht bestätigt“ hat der Kreis am Donnerstag mitgeteilt.

Wie berichtet, lag dem Landkreis zunächst ein positiver Testbefund vor. Das Gesundheitsamt Osterholz testete daraufhin im Heim die Mitbewohner des direkten Wohnumfeldes der angeblich infizierten Frau und die dortigen Pflegekräfte. „Im Rahmen des sogenannten Kontaktpersonenmanagements wurde auch bei der 87-jährigen Person ein erneuter Test durchgeführt“, teilt der Kreis mit. Insgesamt seien 42 Personen getestet worden. „Alle 42 durchgeführten Tests weisen ein negatives Ergebnis auf“, teilt der Kreis jetzt mit. Bei der zuvor positiv getesteten Person sei zur Überprüfung noch ein weiterer Test durchgeführt worden. „So weit sich auch dieser als negativ herausstellt, könnte die derzeitig vorsorgliche Quarantäne in der Pflegeeinrichtung aufgehoben werden“, so der Kreis.

Bei dem betroffenen Heim handelt es sich um das Haus Vital in Brundorf. Das bestätigte Matthias Szczesny, Inhaber der Pflegeeinrichtung, gegenüber der NORDDEUTSCHEN. Er erfuhr nach eigenen Angaben am Mittwoch von der Entwarnung.

Warum es zunächst hieß, die 87-Jährige sei positiv getestet worden, erklärt Matthias Szczesny so: Zur Vorbereitung einer Operation hatte die Bewohnerin am Montag ein Krankenhaus in Bremen aufgesucht. Dort sei automatisch auch ein Corona-Schnelltest gemacht worden. „Am Montagnachmittag gegen 16 Uhr rief das Krankenhaus im Heim an und teilte uns mit, dass der Test positiv ausgefallen sei.“

Im Heim habe man sich da schon gewundert, sagt Matthias Szczesny. „Keiner unserer Bewohner und unserer Mitarbeiter war vorher erkältet, fiebrig oder hatte sonst Anzeichen einer Infektion gezeigt.“ Nach seinen Angaben leben im Heim zurzeit 46 Bewohner, beschäftigt würden 38 Mitarbeiter.

Weil am späten Montagnachmittag im Gesundheitsamt Osterholz niemand mehr erreichbar gewesen sei, habe die Pflegeeinrichtung am Dienstagmorgen das Amt informiert. „Das war inzwischen auch vom Krankenhaus informiert wurden.“ Kreis-Sprecherin Jana Lindemann bestätigt, dass bei dem Aufenthalt der 87-Jährigen im Krankenhaus routinemäßig ein Corona-Abstrich gemacht worden sei, der positiv gewesen sei. „Die Laborergebnisse hat der Kreis bekommen.“

Am Dienstagnachmittag testete das Gesundheitsamt Osterholz Bewohner und Mitarbeiter des Heimes, auch die zu dem Zeitpunkt als infizierte geltende 87-Jährige. „Am Mittwoch hat das Gesundheitsamt uns telefonisch mitgeteilt, dass alle Tests negativ ausgefallen sind“, sagt Matthias Szczesny.

Die zusätzlichen Hygiene- und Schutzmaßnahmen, die in Absprache mit dem Gesundheitsamt wegen des vermeintlichen Corona-Falles umgesetzt wurden, werden nach Angaben des Heiminhabers vorerst aufrechterhalten, bis das Gesundheitsamt schriftlich Entwarnung gibt. Laut Matthias Szczesny ist der Wohnbereich, in dem die 87-Jährige und acht weitere Bewohner leben, so abgetrennt worden, dass er von den übrigen Bewohnern nicht betreten werden kann. Um die Zahl der Mitarbeiter in dem betroffenen Wohnbereich aus Infektionsschutzgründen gering zu halten, sei eine Zwölf-Stunden-Schicht eingeführt worden. „Pro Schicht arbeiten zwei Mitarbeiter.“ Einer stehe immer bereit, um Bewohner, die mal frische Luft schnappen wollen, nach draußen zu begleiten. So sollte sichergestellt werden, dass kein Bewohner aus dem betroffenen Wohnbereich von außen in andere Bereiche des Hauses gehe.

Viel Aufwand für nichts, wie sich jetzt herausgestellt hat. „Für uns ist das ganz schön blöd gelaufen“, sagt Matthias Szczesny. Zwei Bewohner seien ausgezogen. „Wir hatten viele Anrufe von Angehörigen, die sich Sorgen machten“, erzählt er. Szczesny kann dem Fehlalarm auch etwas Gutes abgewinnen: „Wir haben jetzt den 'worst case' durchgemacht und erfahren, wie es ist, wenn es tatsächlich mal Ernst werden sollte. Wir sind froh, dass es in diesem Fall nicht so war.“

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