Handball-Oberliga der Männer

Dem Jubel folgt die Sprachlosigkeit

Die HSG Schwanewede/Neuenkirchen befand sich gegen HC Bremen scheinbar auf Siegkurs und führte 15 Minuten vor Ende mit 25:20. Beim Abpfiff feierten jedoch die Gäste ein 30:29.
01.03.2020, 19:44
Lesedauer: 2 Min
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Von Olaf Kowalzik
Dem Jubel folgt die Sprachlosigkeit

Karlo Oroz (beim Wurf) erzielte für die "Schwäne" bei der Derby-Niederlage gegen den HC Bremen acht Treffer.

OLAF KOWALZIK

Wie konnte das bloß passieren? Den Oberliga-Handballern der HSG Schwanewede/Neuenkirchen blieb nach der 29:30 (18:15)-Heimniederlage gegen den HC Bremen die Sprache weg. Eine Viertelstunde vor dem Abpfiff lagen sie mit 25:20 vorne, als der kurzzeitig eingewechselte Jan Tholen auch noch einen Strafwurf des HC-Spielertrainers Marten Franke parierte. Da jubelten die 500 Zuschauer auf der Tribüne, soweit sie den „Schwänen" zugewandt waren. Nichtsahnend, dass ihr Team danach außer Rand und Band spielen sollte...

Einen Grund dafür gab es eigentlich nicht, obwohl die Gäste ihren Torwart wechselten und zu einer immer offensiveren Abwehr übergingen. „Wir wollten dann mit Übergängen an den Kreis spielen, dabei hat uns der HC aber vor gute Aufgaben gestellt", lobte der HSG-Trainer Henning Schomann den clever verteidigenden Gast. Denn der ließ nach dem Seitenwechsel nur noch elf Gegentreffer zu. „Wir haben kaum noch einen geordneten Angriff hingekriegt“, monierte Schomann.

Viel schlimmer noch: Die Hausherren projizierten ihre Unzufriedenheit in die erfahrenen Unparteiischen Volkmar Hustedt/Heiko Bujalla und waren dort freilich an der verkehrten Adresse. Torben Lemke bekam das bei der 26:23-Führung am eigenen Leib zu spüren, als er im Angriff etwas zu diskutierfreudig war und dafür zwei Minuten zur Gemütsabkühlung auf die Sünderbank durfte. Er hätte es besser wissen müssen.

„Wir machen uns das Leben selbst schwer, das Hadern mit den Schiedsrichtern hätten wir nicht zulassen dürfen", sagte HSG-Kreisläufer Nils Goepel und sparte sich nicht aus der Kritik aus. Denn er war wiederum beim 27:25-Vorsprung freistehend am jungen Gäste-Keeper Antonio Berdar gescheitert. Das hätte den Bremern sechs Minuten vor Schluss noch einen Dämpfer geben können. So aber drehte der Tabellensechste den Spieß erstmals nach der Pause zum 28:27 um (57.).

Die Spannung im „Derby light" war erst recht nicht mehr auszuhalten, als Niels Huckschlag den Ball im Fallen noch irgendwie zu Thorin Helfers bekam und der 37 Zeigerstriche vor Ultimo zum 29:29 traf. 24 Sekunden später griffen die Gäste zum alles entscheidenden taktischen Schachzug. Sie ersetzten ihren Torwart durch den siebten Angreifer, direkt vor der Schlusssirene knallte deren Spielertrainer Marten Franke das Leder ausgerechnet am größten HSG-Verteidiger vorbei zum Siegtreffer ins Netz. Der 2,04 Meter lange Torben Lemke war den viel zitierten entscheidenden Schritt zu spät gekommen, der starke „Schwäne“-Torwart Niklas Planck hatte gegen diesen fulminanten Stemmwurf nicht den Hauch einer Chance.

„Bei denen passte alles, bei uns in den letzten zehn Minuten nichts", meinte Nils Goepel. Zu Ersterem zählte übrigens auch der HC-Kreisläufer Jorrit Latacz, der an seiner alten Wirkungsstätte sechsmal traf und zwei Siebenmeter herausholte.

Die „Schwäne“ müssen diesen ärgerlichen Spielausgang abschütteln und sich auf die ersten 45 Minuten besinnen, „mit denen ich sehr zufrieden bin„, unterstrich Henning Schomann. In denen stellte sein Team eine klasse Deckung, im Angriff ersetzte Hannes Wünsch den studienbedingt fehlenden Rechtsaußen Tim Paltinat gut. Und sonst? „Wir haben der hohen Spielgeschwindigkeit vor der Pause noch ein monströses Tempo draufgesetzt“, urteilte Schomann und verwies dort auf vier Kontertreffer und zwei erfolgreiche schnelle Mitten, abgeschlossen über den achtfachen Torschützen Karlo Oroz. „Wir hätten ein Unentschieden verdient gehabt, unser Spiel bewegt sich auch gegen die offensive Deckung in die richtige Richtung“, bilanzierte der HSG-Coach zum Schluss.

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