Der „Bomber vom Deich“ Marc Holler trifft auch in Ahlerstedt

Es ist fast wie bei Chuck Norris: Nicht Marc Holler hat einen neuen Verein gefunden, sondern der Verein Marc Holler. Aber der Vollblutstürmer hat seinen Wechsel zum SV Ahlerstedt/Ottendorf kreineswegs bereut.
16.11.2020, 09:07
Lesedauer: 3 Min
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Marc Holler trifft auch in Ahlerstedt
Von Dennis Schott

Landkreis Osterholz. Marc Holler fühlt sich wohl. Hamburg sei eine tolle Stadt, sagt er. In den vergangenen Jahren war der 27-Jährige immer mal wieder in der Elbe-Metropole gewesen, um seinen Bruder zu besuchen, der schon längere Zeit dort wohnt. Seit Ende März lebt Marc Holler selbst in Hamburg. Das ist natürlich etwas anderes als in Aschwarden, wo er aufwuchs, oder in Oldenburg, wo er auch mal wohnte. Aber Marc Holler mag es auch beschaulich, vor allem in fußballerischer Hinsicht. In einem der vielen Vereinen aus der Hansestadt zu kicken, kam für ihn nicht infrage. „Ich habe einen Verein gesucht, wo es auch dörflich zugeht, so wie in Hagen oder Aschwarden“, erklärt der Stürmer. Mit der SV Ahlerstedt/Ottendorf habe er den perfekten Verein für sich gefunden, so Holler weiter.

Wobei: Das mit dem Suchen stimmt so ganz nicht. Es müsste besser lauten: Marc Holler wurde gefunden. Was bei einem Spieler mit eingebauter Treffsicherheit nicht sonderlich überrascht. Holler wird nicht umsonst „der Bomber vom Deich“ genannt. Gerade im Trikot seines Heimatvereins schoss er Tore wie am Fließband. In seiner letzten Saison für den Osterholzer Kreisligisten waren es sage und schreibe 61 Treffer. In 28 Spielen wohlgemerkt. Diese Quote rief logischerweise Interessenten auf den Plan, und so wagte Marc Holler zur vergangenen Saison beim Oberligisten FC Hagen/Uthlede den Sprung um drei Klassen.

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„Ich habe auch da meine Tore geschossen“, sagt er, auch wenn die Ausbeute vergleichsweise mager ausfiel. Die vier Treffer beruhten aber auch darauf, dass der 27-Jährige selten von Anfang an aufgeboten wurde. „Natürlich war der Unterschied zur Kreisliga krass. Das Spiel ist viel schneller, viele Spieler kommen aus Jugendleistungszentren, sind dort top ausgebildet worden. Und wenn du dann ein paar Prozent zu wenig gibst, hast du keine Chance“, blickt der Stürmer zurück. Er wäre auch beim FC Hagen/Uthlede geblieben, wenn sich in Hamburg nicht eine berufliche Chance aufgetan hätte. Und dennoch: Auf so etwas wie bei den Grün-Schwarzen, wo es eine enge Bindung zwischen Verein und der Umgebung gibt, wollte er nicht verzichten.

Dafür nimmt er 40 Minuten Fahrtweg gerne in Kauf. So lange dauert es nämlich von Eimsbüttel nach Ahlerstedt in den Landkreis Stade. Aber dort stimmt das Gesamtpaket einfach. Denn neben der ländlichen Prägung spielten die sportliche Philosophie und Perspektive nicht minder wichtige Rollen. „Bei uns wird Offensivfußball gespielt, das kommt mir als Stürmer natürlich zugute. Aber generell steckt in der Mannschaft sehr viel Potenzial. Das sind zum größten Teil junge Spieler, ich gehöre mit meinen 27 Jahren zu den fünf, sechs Ältesten im Team“, erzählt Marc Holler. Mit Malte Bösch, gerade einmal 30 Jahre alt, hat die SV Ahlerstedt/Ottendorf zudem einen sehr jungen und ambitionierten Trainer.

„Die Gespräche mit ihm haben mich am Ende auch überzeugt“, meint Marc Holler, der sich über fehlende Angebote wahrlich nicht beschweren konnte. Etliche Trainer hätten angerufen, so Holler. Der Ex-Ritterhuder Julian Geils, derzeit Coach beim TuS Harsefeld, streckte ebenfalls seine Fühler nach dem Vollblutstürmer aus. „Aber da war ich mir mit Ahlerstedt eigentlich schon so weit einig“, begründet der 27-Jährige seine Absage.

Er sollte seine Entscheidung nicht bereuen. Bei der SV Ahlerstedt/Ottendorf wird Fußball gelebt. „Wir haben fünf Herren- und fünf Damen-Mannschaften. Das ist mega“, sagt Marc Holler wie zum Beweis. Und schon während der Vorbereitung auf die aktuelle Saison habe er gemerkt, welches Potenzial in der Mannschaft schlummert. Gegen den Hamburger Oberligisten Dassendorf holten die Ahlerstedter ein achtbares 0:0 oder bezwangen Landesliga-Konkurrenten ziemlich souverän. Dieser gute Eindruck bestätigte sich schließlich im Ligabetrieb, mit dem Ergebnis, dass die SV Ahlerstedt/Ottendorf staffelübergreifend das einzige Team ohne Niederlage ist.

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Derzeit ist der Landesligist nur aufgrund der weniger absolvierten Spiele Zweter der Staffel 1. Im Pokalwettbewerb wartete das Team zudem mit zwei Siegen gegen die Oberligisten Heeslinger SC und MTV Eintracht Celle auf. Was in dieser Saison möglich ist, wenn sie fortgesetzt wird? „Das ist schwierig einzuschätzen. Durch die Teilung der Liga ist jedes Spiel schon fast ein Endspiel. Aber unser Ziel ist ganz klar die Aufstiegsrunde“, sagt Marc Holler.

„Der Bomber vom Deich“ will seinen Teil dazu beitragen. Mit dem, wofür er steht: Tore. In dieser Hinsicht hat er seinen neuen Klub keineswegs enttäuscht. Mit sechs Treffern führt er die Torjägerliste an. „Es hätten auch zwei, drei mehr sein können“, schränkt Marc Holler ein.

Und abgesehen davon sei jeder Teamkollege in der Lage zu treffen, so Holler, und verweist darauf, dass zwei weitere Ahlerstedter unter den Top fünf der Torjägerliste stehen. Und dennoch: Sein Torriecher scheint auch über die Grenzen der Heimat hinaus zu funktionieren.

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