Referat für Hausbesitzer Klimaschutz im Eigenheim

Der Klimaschutz funktioniert auch im Eigenheim, das machte jetzt der Energieberater Raymond Krieger von der Verbraucherberatung Bremen in seinem Referat zur Energiewende in Meyenburg deutlich.
27.11.2021, 16:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt/jöh

Meyenburg. „Sollte man erst das Dach sanieren, oder vorher lieber eine neue Heizung einbauen?“ Raymond Krieger von der Verbraucherberatung Bremen stellt diese Frage in den Raum. Denn bevor der Energieberater im Dorfgemeinschaftshaus in Meyenburg über die „Energiewende im Eigenheim“ referiert, begrüßt Christina Jantz-Herrmann, Bürgermeisterin von Schwanewede, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer Videobotschaft.

„Bis zum Jahr 2045 wollen wir in der Gemeinde Schwanewede klimaneutral sein.“ Christine Jantz-Herrmann, Bürgermeisterin.

"Wenn man berücksichtigt, dass 39 Prozent der klimarelevanten Gase aus privaten Haushalten stammen, wird einem die große Verantwortung jedes Einzelnen bewusst“, mahnt die Bürgermeisterin. Vor allem Hausbesitzer könnten durch eine energetische Gebäudesanierung einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. „Die beste Kilowattstunde ist die eingesparte, denn sie bedeutet aktiven Klimaschutz“, erklärt in diesem Sinn Raymond Krieger. Sein Vortrag soll Hilfestellung bieten, wenn die Energiebilanz im eigenen Heim verbessert werden soll. Den Hausbesitzern stellt sich dabei häufig zunächst die Frage: „Womit am besten anfangen?“ Krieger: „Entscheidend ist zunächst, den Energiebedarf des Wohngebäudes zu ermitteln. Der reicht bei älteren Häusern mit 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr bis zu nur noch 15 Kilowattstunden bei Häusern auf dem Weg zum Passivhaus-Standard.“ Auch wenn andere Heizsysteme eingebaut würden, ändere dies am Energiebedarf eines Gebäudes nichts, so Krieger. „Die wichtigste Grundlage ist also, dass ein Haus möglichst wenig Energie verliert."

Unabhängige Beratung ist wichtig

Wer sein Haus energetisch verbessern wolle, dem sei eine unabhängige Beratung zu empfehlen, und dabei solle man sich ausreichend Zeit für die Planung nehmen. „Doch eine Förderung für die energetische Sanierung muss beantragt werden, bevor mit den Maßnahmen begonnen wird“, macht Raymond Krieger deutlich. Bei der Erstellung des „Sanierungsfahrplans“ solle man nicht der Gerüchteküche Glauben schenken, nach der man sich zum Beispiel mit einer Wärmedämmung den Schimmel ins Haus hole.

Die Dämmung der Hauswände sei einer der wichtigsten Bereiche, um nicht unnötig Energie vom Gebäude in die Umgebung abstrahlen zu lassen. Wärmedämmung sollte alle beheizten Bereiche eines Hauses umfassen, und kann an einer Wand außen oder innen erfolgen. „Bei einer Innendämmung sollte eine Dampfsperre in Form einer Schicht verhindern, dass warme Luft aus dem Wohnbereich auf eine kalte Außenwand trifft“, sagt der Energieberater, sonst komme es zu hohen Wärmeverlusten.

Knackpunkte sind oft die Fenster

Besonders die Fenster im Haus seien energetisch oft Knackpunkte, doch ein Wärmedämmstoff, eine Wärmeschutzverglasung sowie ein luftdichter Einbau der Fenster könnten unnötige Energieverluste verhindern. Solche drohen auch von oben: Über das Dach eines Hauses könnten erhebliche Mengen Wärmeenergie entweichen. Bei dessen Dämmung müsse sowohl auf Winddichtigkeit wie Luftdichtigkeit geachtet werden. Auch durch die Dämmung der Geschossdecke, zum Beispiel in Form einer dicken Zelluloseschicht, ließen sich Energieverluste über das Dach verhindern.

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„Schließlich wird auch häufig unterschätzt, wie wichtig das Dämmen der Kellerdecke ist“, sagt Raymond Krieger, der anschließend auf die Heizungsanlage in Häusern eingeht. Eine Erneuerung könne ein wichtiger Faktor sein, um Energie zu sparen. Dabei solle man auf einen hydraulischen Abgleich achten, was bedeutet, dass alle Räume gleichmäßig beheizt werden. Auch Investitionen wie eine thermische Solaranlage, die zur Heizungsunterstützung dient, oder eine Pellet-Heizung, könnten die Energiekosten eines Eigenheims senken, ebenso wie Wärmepumpen, die zum Beispiel auch Wärme aus den Tiefen der Erde nutzen können.

Finanzierung über die Hausbank

Wer sich schließlich für eine energetische Sanierung seiner Wohnanlage entschlossen habe, solle die Finanzierung mit der Hausbank abklären und sich gut beraten lassen. „Es gibt eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten, und mit dem Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung wird sich bei der Energiewende im Eigenheim künftig noch mehr tun“, sagt Raymond Krieger.

Zur Sache

Klimaschutz in der Gemeinde Schwanewede

In einem Klimaschutzszenario hat der Gemeinderat Schwanewede im Oktober 2021 beschlossen, bis zum Jahre 2045 klimaneutral zu werden. Dies bedeutet, dass ab dann nicht mehr als eine Tonne Kohlendioxid pro Einwohner emittiert werden darf. Um den Klimaschutz kommunal besser zu verankern, zu organisieren und zu kommunizieren, soll die neue Klimaschutzmanagerin der Gemeinde, Lisa Griem, die Handlungsfelder zusammenbringen, die für den Klimaschutz relevant sind, wie zum Beispiel Erneuerbare Energien, Straßenbeleuchtung, Mobilität, Abwasser oder Abfall, und nicht zuletzt die Energiebilanz von Eigenheimen. Weitere Informationen finden sich unter https://www.schwanewede.de/portal/seiten/klimaschutzmanagement.

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