Meine Woche

Viele Laufkilometer gen Süden absolviert

Bianca Gunnemann ist erst seit Anfang dieses Jahres Mitglied beim Lauftreff des TV Schwanewede und dennoch seit August 2020 im Vorstand -die sportliche Woche der 51-Jährigen.
01.12.2020, 13:55
Lesedauer: 6 Min
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Von Karsten Hollmann

Mittwoch, 25. November: Ich bin selbst von mir überrascht, dass ich so schnell Mitglied im Lauftreff-Vorstand geworden bin. Ist da die Frauenquote im Spiel oder meine jahrelange Erfahrung als Chefin einer großen Patchworkfamilie? Man(n) und Frau weiß es nicht. Ich genieße zunächst das Vertrauen der Vereinsmitglieder und bin bestrebt, mich in der neuen Rolle einzuleben. Eigentlich weiß Volker Kück, was er tut. Er war über viele Jahre das Gesicht unserer Abteilung. Er und der gesamte Vorstand haben jedoch ihre Tätigkeit beendet. An meiner Seite stehen nun Olaf Bollhorst und Roger Schöning, die als erfahrene Läufer den Lauftreff bestens kennen und einen großen Anteil am Vereinsleben haben. Olaf gehört unserer Leistungsgruppe an und übernimmt an unseren Trainingstagen, dienstags und donnerstags jeweils um 18.30 Uhr an der Waldschule Schwanewede, das Einteilen der Laufgruppen. Roger führt häufig die Gruppe der ambitionierten Freizeitläufer an, während ich gerne die Laufgruppe übernehme, die sowohl viele Kilometer als auch reichlich Worte im Training abliefert. In den Wintermonaten wird auf der Bahn unter Flutlicht trainiert. Das ist die Zeit, in der Laufanfänger und Wiedereinsteiger sich besonders gut an die Laufbelastung gewöhnen können. Donnerstags gerne in verschärfter Form bei Intervall-Läufen unter Olafs Regie. Roger und ich kümmern uns im Hintergrund um Anmeldungen, Organisatorisches, Pressearbeit und viele weitere anfallende Tätigkeiten. Heute geht mal wieder eine Mail an unsere Mitglieder raus. Wir versuchen damit, die Mitglieder zu motivieren, und hoffen somit auch in Corona-Zeiten nicht den Kontakt zur Gruppe zu verlieren.

Donnerstag, 26. November: Der Wecker klingelt grausam früh. Da wir derzeit in zwei Teams arbeiten, beginnt mein Arbeitstag bereits um 6 Uhr. Daher muss ich bereits um 4.30 Uhr aufstehen. Mein Mann Matthias und ich kommen um diese Zeit besonders gut klar, wenn wir wenig sprechen. In den 20 Minuten auf dem Weg zur Arbeit kann ich mir gut den jeweiligen Tag vorstellen. Abends werden wir mit einem befreundeten Pärchen laufen. Wir haben uns ganz originell Corona-Quartett genannt. Aber auch andere Gedanken, wie die Verlängerung des Teil-Lockdowns und verringerte Kontaktmöglichkeiten kommen mir in den Sinn. Die hake ich schnell ab, weil es ansonsten nur schlechte Laune macht. An meinem Arbeitsplatz, einem Dentallabor in der Nähe des Fallturms, ist der Tod von Diego Maradona das Thema. Die Welt bleibt stehen. Warum es einen Staatsakt für einen Fußballer gibt, der nicht nur positive Schlagzeilen geschrieben hat, verstehe ich nicht. Aber wenn sogar der Papst für ihn betet. Meine Arbeit mache ich gerne, bin Teil des Teams und freue mich, wenn die Kunden mit meiner Arbeit zufrieden sind. Manchmal ist das der Chef auch. Manchmal sagt er es dann sogar. Schichtende ist um 12 Uhr. Zuhause wartet unsere Border-Collie-Dame Amy, die mit ihren 14 Jahren etwas langsamer geworden ist. Die Nase ist aber noch intakt. Es wird ordentlich geschnüffelt. Amy ist bei den Postboten zwar wegen ihrer aufdringlichen Art nicht beliebt. In der Regel kommen die Pakete für meine Tochter trotzdem pünktlich an. Zum Laufen treffen wir uns um 18.30 Uhr. Matthias und sein Laufpartner Heinrich Wiebe laufen wieder etwas länger. Meiner Begleiterin Ines Wedemeyer und mir genügen 10,8 Kilometer. Gut gelaunt starten wir mit Stirnlampe und reichlich Reflektoren. Nach einer knappen Stunde kommen wir durstig, aber zufrieden wieder an.

Freitag, 27. November: Mir schmerzen leicht die Beine. Direkt nach einem Lauf fühle ich mich aber herrlich gelöst und frei. Laufen setzt ganz viele positive Hormone frei. Wenigstens ist das meine Theorie. Nach dem stressigen Arbeitstag gönne ich mir einen Besuch beim Friseur. Die anschließende Kopfmassage ist ein Hochgenuss. Auf die Aroma-Wellness-Massage in der Sauna muss ich zurzeit ja leider verzichten. Abends spielt Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga in Wolfsburg. Ich tippe mal ganz mutig auf einen knappen Werder-Sieg. Wer bei den Bayern schon die Chance auf einen Dreier hatte, kann auch in der VW-Stadt etwas holen. Besonders freue ich mich, dass abends meine Tochter Benita (20) wieder zurückkommt. Sie hatte fünf Tage Berufsschule in Bochum und möchte etwas verwöhnt werden – das mache ich gerne. Benita macht bei der Gewosie eine Ausbildung zur Immobilienkauffrau. Die stimmungsvolle Weihnachtszeit naht. Matthias und unser Akademiker Jan Lasse sind Weihnachtsfans. Also müssen Lichter angebracht werden. Der Adventskranz wartet auf seinen Einsatz. An unserer Haustreppe wird eine Adventskalender-Kette angebracht. Unsere Kinder freuen sich immer noch darüber. Das Werder-Spiel ist ja wild, das Ergebnis leider nicht wie gewünscht. Matthias hatte schon vor der 3:5-Schlappe ein schlechtes Gefühl, als er den Namen Osako in der Aufstellung las.

Sonnabend, 28. November: Allegra, die beste Freundin von Benita, ist das Wochenende im Haus. Sie hat bei uns ein eigenes Zimmer, ist fester Bestandteil aller Familien-Unternehmungen und eigentlich unser sechstes Kind. Benita und Allegra haben ihre grässliche Weihnachts-Playlist laufen, pfeifen schräg mit. Und alle lachen beim Keksebacken. Leider kommt auch die Absage des Bremer Silvesterlaufs. Ich unterstütze hiernach den Einzelhandel in Vegesack. Die Winterjacke bei Leffers will mich unbedingt begleiten. Beim anschließenden Einpacken der Adventskette lasse ich mich von meinen geliebten Tiersendungen berieseln. Dann gönnen wir uns noch ein Gläschen weißen Glühwein vom Bremer Ratskeller.

Sonntag, 29. November: Um ein wenig Gemeinschaftsgefühl in der Laufgruppe zu erzeugen, haben wir uns eine kleine Challenge ausgedacht. Wir wollen unsere Mitglieder zu einem virtuellen Staffellauf, in den Süden animieren. Die Kilometer, die jeder Läufer zwischen dem 1. und dem 24. Dezember absolviert, rechnen wir zusammen und zeigen, welche Strecke wir zusammen geschafft haben. Matthias meint, wir kommen vielleicht bis in die Schweiz. Ich glaube, dass wir viel weiter kommen. Meine Schwiegermutter hat Grünkohl versprochen und dazu auch gleich noch den ersten Frost organisiert – passt und schmeckt. Zum Glück bin ich mit Ines und Heinrich schon am Vormittag von Neuenkirchen ins Bundeswehrgelände gelaufen. Dort sind die Laufbedingungen aus meiner Sicht einfach klasse. Am Ende hatten wir wieder zehn Kilometer auf der Uhr. Vor zwölf Monaten hätte ich nicht gedacht, diese Entfernung je zu schaffen. Unser einäugiger Kater Niko freut sich über meine Gesellschaft – er liebt es, zu kuscheln. Den Gefallen tue ich ihm heute besonders gerne.

Montag, 30. November: Ich fange zwar erst um 12 Uhr an zu arbeiten. Länger schlafen, klappt trotzdem nicht, denn Matthias muss schon früh wieder raus. Also geht es um 5 Uhr wieder los. Das klingt zwar sehr hart – wir gönnen uns jedoch nach den ersten Aufräumarbeiten und der Versorgung aller Tiere noch 30 Minuten mit Kaffee und Zeitung im Bett. Abends wird es wieder etwas lauter. Matthias` Tochter Annika kommt zum Schlafen vorbei. Sie wohnt in Hannover, arbeitet jedoch noch drei Tage in der Woche in Bremen. Das nutzt sie, um immer mal wieder Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Annika ist ein Wirbelwind und immer gut gelaunt. Gerne nimmt sie die Gelegenheit wahr, um sich kulinarisch bei mir weiterzubilden. Ich probiere in der Küche gerne neue Rezepte aus. Wir sind eine klassische Patchwork-Familie mit fünf Kindern aus zwei Ehen, plus Allegra. Diese Zusammensetzung ist zwar manchmal anstrengend. Aber alle verstehen sich gut. Mal sehen, wie wir alle die Weihnachtsfeier in diesem Jahr umsetzen werden.

Dienstag, 1. Dezember: Die ersten Rückmeldungen auf unseren Aufruf trudeln ein. Matthias ist bei uns fürs Rechnen zuständig. Er wird bereits morgen den ersten Zwischenstand an Roger Schöning melden. Roger wird dann auf unserer Webseite den Zwischenstand veröffentlichen. Auf dem Weg zur Arbeit denke ich darüber nach, dass wir Läufer zum Glück unseren Sport ausüben können, während viele andere Sportler dies nicht können. Aber zur Freude beim Lauftreff gehört auch das Gemeinschaftsgefühl. Unser Stammtisch im Restaurant Leonardo in Schwanewede an jedem Donnerstag fällt aber auch aus. Dort schmeckt nicht nur das Essen klasse, auch das Team dort kennt uns bereits in und auswendig. Bereits das Betreten des Restaurants reicht für die Getränkebestellung. Steffi und das ganze Team, haltet durch – wir kommen zurück, sobald die Türen wieder offen sind.

Patricia Tröger, die Springreiterin vom RC General Rosenberg, wird als Nächste über ihre Woche berichten.

Info

Zur Person

Bianca Gunnemann (51)

ist erst seit Anfang dieses Jahres Mitglied beim Lauftreff des TV Schwanewede und dennoch seit August 2020 im Vorstand. Die Zahntechnikerin ist verheiratet mit Matthias Gunnemann und lebt mit ihrer Familie in Aumund-Hammersbeck.

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