12,29 Hektar Wald sollen gerodet werden

Sandabbau im Landschaftsschutzgebiet

Die Firma Nord-KS will 1,2 Millionen Tonnen Sand unter anderem in den Landschaftsschutzgebieten Schmidts Kiefern und Heidhof fördern. Bis zum 14. September sind Einwendungen möglich.
21.08.2020, 07:00
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Von Klaus Grunewald

Schwanewede. Der Eingriff in die Natur ist erheblich und könnte für Zündstoff sorgen. Auf einer rund 12,3 Hektar großen Waldfläche der Gemeinde Schwanewede und der Stadt Osterholz-Scharmbeck sollen in den nächsten 25 Jahren circa 1,2 Millionen Kubikmeter Sand abgebaut werden. Betroffen wären auch die Landschaftsschutzgebiete Schmidts Kiefern und Heidhof.

Pläne und Erläuterungen über das Vorhaben der Firma Nord-KS waren vom 15. Juli bis 14. August in den Rathäusern von Osterholz-Scharmbeck und Schwanewede sowie im Internet einzusehen. Wie viele Stellungnahmen oder Einwände es gegeben hat, ist noch nicht bekannt. Schwanewedes Bürgermeister Harald Stehnken verweist in diesem Zusammenhang auf die Ferienzeit sowie die coronabedingten Einschränkungen und plädiert dafür, die öffentliche Auslegung der Pläne in den Rathäusern noch einmal zu verlängern. Im Internet sind sie freilich weiterhin zu begutachten und Stellungnahmen sind bis zum 14. September entweder bei der Stadt Osterholz-Scharmbeck, Rathausstraße 1, 27711 Osterholz-Scharmbeck, der Gemeinde Schwanewede, Damm 4, 28790 Schwanewede, oder dem Landkreis Osterholz, Untere Naturschutzbehörde, Am Osterholze 2A, 27711 Osterholz-Scharmbeck möglich.

Die Firma Nord-KS koffert bereits seit 1991 den Boden in der Garlstedter Geest auf einer 12,8 Hektar großen Fläche aus. Jetzt sollen die Bagger auf weiteren 123 000 Quadratmetern Sand an die Oberfläche befördern, die das Unternehmen für sein Kalksandsteinwerk benötigt. Deshalb sucht es nicht nur um die Verlängerung der Abbauerlaubnis nach. Gleichzeitig ist die Befreiung von den Verboten der Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet Schmidts Kiefern und Heidhof beantragt worden.

Eine solche Ausnahme von den gesetzlichen Regelungen sei grundsätzlich keine Besonderheit, teilt Jana Lindemann, Pressesprecherin des Landkreises Osterholz, auf Anfrage mit. Der Dispens könne allerdings nur in besonders begründeten Fällen zugelassen werden. Zum Beispiel deshalb, weil es sich in diesem Fall um eine Erweiterung des bestehenden Sandabbaus handle. Wobei sich die Bagger nicht nur tief in die Geest fressen, sondern vorher auch die insgesamt 12,29 Hektar umfassende Waldfläche gerodet werden muss. Auf ihr hätten 17 Fußballfelder Platz, die internationalen Ansprüchen genügen.

Die Fläche gehört größtenteils zum Standortübungsplatz der Lucius D. Clay-Kaserne und liegt zwischen der Truppenunterkunft und dem ehemaligen Panzergleis Garlstedt beziehungsweise der Siedlung Hinter dem Horn/Lange Heide – und damit auch innerhalb des Landschaftsschutzgebietes. Die 1,2 Millionen Kubikmeter Sand will das Buxtehuder Unternehmen in den nächsten 25 Jahren in drei Abschnitten im sogenannten Trockenabbauverfahren ausbaggern und anschließend über Förderbänder in seine angrenzende Produktionsstätte an der Bremerhavener Heerstraße transportieren und dort direkt verarbeiten.

Auf eine „Verfüllung“ der abgebauten Flächen werde verzichtet, heißt es in der öffentlichen Bekanntmachung weiter. Geplant seien stattdessen eine „langfristige ökologische Waldentwicklung“ und eine forstliche Nutzung. Damit könnte allerdings nicht früher als im Jahre 2045 begonnen werden. Für den abgeholzten Wald ist laut Bekanntmachung zudem ein Ersatz an anderer Stelle erforderlich und gewährleistet. Für die Aufforstung sollen Flächen aus dem Kompensationspool der Niedersächsischen Landesforsten in den Gemeinden Vollersode und Wurster Nordseeküste dienen.

Das Hoheitsgebiet von Schwanewede ist zwar nach den Worten von Bauamtsleiterin Ulrike Becker mit etwa 2900 Quadratmetern nur zu einem kleinen Teil betroffen. Gleichwohl aber muss auch die Gemeinde eine Einschätzung über die Umweltverträglichkeit des Sandabbau-Projekts vornehmen. Möglichst bis zum 1. September. Wegen der vom Landkreis eng gesetzten Fristen in einer sitzungsfreien Zeit sei die Angelegenheit aber noch nicht politisch beraten worden, unterstreicht Ulrike Becker. Der Verwaltungsausschuss werde sich nun am 31. August mit der Thematik befassen.

Anschließend will die Gemeinde ihre offizielle Stellungnahme zusammen mit den Anregungen und auch Bedenken von Bürgern und Organisationen sowie der politischen Bewertung abgeben. Für die Naturschutzverbände im Landkreis wird die Biologische Station Osterholz (Bios) Position beziehen, wie Jutta Kemmer bekräftigt. Das Forstamt Rotenburg hat nach Aussage von Klaus Samel bereits eine Stellungnahme abgegeben. Samel sagt: „Aus unserer Sicht gibt es keine Bedenken.“

Im Landkreis Osterholz sind nach Darstellung des Planungsamtes in den vergangenen 40 Jahren gut 150 Bodenabbau-Vorhaben genehmigt worden. Aktuell seien 15 in Betrieb. Umfangreiche Sandlagerstätten von großer Mächtigkeit befänden sich vor allem in den Geestgebieten wie zum Beispiel in Eggestedt, Garlstedt, Hülseberg, Sandhausen/Freißenbüttel, Vollersode und Wallhöfen. Dort seien verschiedene Firmen aktiv, die den Sand vor allem an die Bauwirtschaft in Bremen liefern. Häufig, so lässt der Landkreis auf seiner Internetseite weiter wissen, würden die ausgebaggerten Gruben wieder mit Fremdböden verfüllt. Die allerdings vorher auf Schad- und Fremdstoffe überprüft werden müssten. Nord-KS, siehe oben, will auf eine Verfüllung verzichten.

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