Corona-Pandemie

Schulpferde in Not

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung erfasste in einer Umfrage bundesweit die Nöte der Reitschulen. Auch Reit- und Fahrgemeinschaft Auetal aus Schwanewede steckt in finanziellen Schwierigkeiten.
17.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Schulpferde in Not
Von Patricia Friedek
Schulpferde in Not

Das Stalldach der Reit- und Fahrgemeinschaft Auetal ist marode und sollte eigentlich renoviert werden – daraus wird vorerst nichts.

CARMEN JASPERSEN

Schwanewede. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung ging kürzlich mit einer dramatischen Prognose an die Öffentlichkeit: Viele Reitschulen stehen kurz vor dem Verkauf ihrer Schulpferde oder haben sie bereits verkauft. In einer Online-Umfrage hatte die Vereinigung, kurz FN, im Februar die Situation der Reitschulen erfasst. Das Ergebnis: Ein Drittel der insgesamt 2926 befragten Schulbetriebe sehen ihre Existenz so stark bedroht, dass sie ihre Pferde abgeben werden müssen. Etwa 1000 der befragten Reitschulen fürchten, im Sommer nicht mehr da zu sein, sofern sich nichts an ihrer Lage ändert.

Die FN forderte Reitbetriebe deshalb auf, in den sozialen Medien auf sich und die prekäre Lage der Schulpferde aufmerksam zu machen. Unter dem Hashtag #Keinschulpferdweniger posten seit Tagen deshalb Reiterinnen und Reiter Videos und Fotos, in denen sie entweder eine Wiederaufnahme der Reitstunden fordern oder ein Kurzarbeitergeld für Schulpferde. Das hatte die FN angestoßen und betonte in ihrer Forderung: „Ein Pferd lässt sich nicht wie ein Ball für die Zeit der Pandemie im Schrank verstauen. Es braucht Futter, Wasser, Bewegung, den Hufschmied und manchmal auch einen Tierarzt. All das kostet Geld.“ Immer wieder erreichten die FN demnach Hilferufe von Betriebsleitern und Vereinsvorsitzenden, die nicht mehr wüssten, wie sie die Versorgung ihrer Pferde ohne den Reitunterricht noch sicherstellen sollen.

Auch die Reit- und Fahrgemeinschaft Auetal aus Schwanewede hat an der Umfrage teilgenommen, wie Jörg Buchholz, Vorsitzender des Vereins berichtet. In seinem Verein sind die Einbußen ebenfalls enorm. Zwölf Schulpferde gehören dazu, die je etwa 300 Euro im Monat kosten – insgesamt sind das etwa 4000 Euro im Monat, die nun durch fehlenden Reitunterricht wegbrechen. „Die Schulpferde müssen ihren Unterhalt sozusagen selbst erwirtschaften“, sagt Buchholz. Der Verein hat Glück, weil er noch Geld für die Renovierung des maroden Stalldachs zurückgelegt hatte. Vereine dürfen nämlich nur unter bestimmten Bedingungen Rücklagen bilden. Trotzdem aber fehlen Einnahmen, die normalerweise sowohl durch den Reitunterricht, als auch durch Veranstaltungen oder Spenden eingehen. Ostergottesdienst, Weihnachtsreiten, Weideauftrieb – alles Events, die geplant waren aber durch die Pandemie ins Wasser fielen. Und das Stalldach wird wohl vorerst marode bleiben.

Ein Problem, das in der Umfrage ebenfalls deutlich wird: Viele Betriebe bekommen keine Corona-Hilfen, da sie die Förderungskriterien nicht erfüllen. 82 Prozent der befragten Reitschulen kennen die Förderprogramme, doch lediglich 44 Prozent aller Umfrageteilnehmer hat Unterstützung aus den Corona-Hilfsprogrammen beantragt. Im Falle der Reit- und Fahrgemeinschaft Auetal steht einer Förderung im Wege, dass sie einen Pensionsbetrieb hat, der weiterläuft. Es werde der Gesamtumsatz des Vereins betrachtet, wie Buchholz erklärt. Zudem kommt, dass der Verein keine Angestellten in Kurzarbeit schicken kann, denn die Pferde müssten weiterhin versorgt werden.

Die Schulpferde in Auetal werden aktuell von Mitarbeitenden und ausgewählten Vereinsmitgliedern bewegt, sagt Jörg Buchholz. Dafür zahlen die Mitglieder einen kleinen Betrag, aber die Einnahmen aus dem Reitunterricht könnten dadurch lange nicht kompensiert werden, sagt Buchholz. „Statt vier oder fünf Stunden am Tag laufen die Pferde jetzt ein oder zwei Stunden, das ist auch ein großer Unterschied“, betont er. Der Verein selbst sei nicht gefährdet: Anders als bei anderen Sportvereinen ist es im Auetal nicht so, dass Mitglieder wegbrechen. Dennoch macht sich Buchholz Sorgen, wie es weitergehen wird. Was das Kurzarbeitergeld für Schulpferde angeht, glaubt er noch nicht ganz daran, dass es das geben wird.

Info

Zur Sache

Die FN schätzt auf Grundlage ihrer Umfrage, dass es nach dem Lockdown wahrscheinlich 5.400 Schul- und Voltigierpferde weniger geben wird. „Schulpferde sind vierbeinige Lehrer, Seelentröster, Sportpartner und Mitarbeiter mit einer wertvollen Ausbildung und Kompetenz, die sich nicht so leicht wiederbeschaffen lässt“, schreibt die Vereinigung in einer Mitteilung. Somit sei der Verlust nachhaltig. „Wenn wir das auf alle Reitschulen in Deutschland hochrechnen und es richtig schlimm kommt, werden wir bis zu 11.000 Schulpferde- und ponys verlieren“, sagte Thomas Ungruhe, Leiter der FN-Abteilung Vereine, Umwelt, Breitensport und Betriebe.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+