Damenformation des Beckedorfer TC

Mit wenig Spin zur Attacke

Für Tennisspielerin Megan Bruns hat ein völlig neuer Lebensabschnitt begonnen. Die Nummer eins der Damenformation des Beckedorfer TC ist für ein Studium der Psychologie ins brandenburgische Neuruppin gezogen.
16.11.2020, 09:41
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann
Mit wenig Spin zur Attacke

Die Beckedorferin Megan Bruns möchte sich weiter verbessern, muss nun aber erst einmal sehen, wie viel Zeit ihr für den Tennissport noch bleibt.

foto: Christian Kosak

Für Tennisspielerin Megan Bruns hat ein völlig neuer Lebensabschnitt begonnen. Die Nummer eins der Damenformation des Beckedorfer TC ist für ein Studium der Psychologie ins brandenburgische Neuruppin gezogen. Dies hält sie aber nicht davon ab, weiter Punktspiele für Beckedorf in der Verbandsklasse zu absolvieren. Dafür nimmt die 19-Jährige auch eine vierstündige Anreise in Kauf. „Ich fühle mich einfach super wohl in meiner Mannschaft“, versichert Bruns.

Derzeit besitzt sie die Leistungsklasse 12. „Ich würde mich gerne in dieser Hinsicht noch verbessern, muss aber erst einmal sehen, wie viel Zeit mir fürs Tennis bleibt“, gibt Megan Bruns zu bedenken. Auch wenn sie mit dem Neuruppiner TC Grün-Weiß einen Verein vor Ort habe, laufe die Suche nach geeigneten Spielpartnern eher schleppend an. So habe sie sich auch schon für ein Fitnessstudio angemeldet. Da dieses aber wegen des neuerlichen Lockdowns derzeit geschlossen ist, hält sich die in Leuchtenburg aufgewachsene Sportlerin mit Laufen und Workouts in ihrer Zweier-Wohngemeinschaft fit. Zudem fällt ihr die Suche nach einem Nebenjob, zum Beispiel in der Gastronomie, wegen Corona schwer – dafür entdeckte sie fern der Heimat ihre Kochkünste.

Megan Bruns begann ihre Laufbahn mit sieben Jahren bei dem Klub, für den sie nun immer noch im Einsatz ist. Bereits im Alter von 13 Jahren feierte das Ausnahme-Talent sein Debüt in der Damen-Formation. „Ich war bei meinem ersten Spiel total aufgeregt und habe am ganzen Körper gezittert“, verrät Bruns. Die deutliche Einzelniederlage im ersten Spiel sei daher auch nicht verwunderlich gewesen. Weil beim Gegner ebenfalls eine sehr junge und hoffnungsvolle Spielerin angetreten sei, hätte es ein großes Medien-Interesse an der Partie gegeben. „Die vielen Fotografen war ich nicht gewohnt“, erinnert sich die 19-Jährige.

Megan Bruns lobt die gute Integrationsarbeit im Hinblick auf junge Spielerinnen und Spieler in ihrem Verein. „Ich habe das auch gerade bei meinem jüngeren Bruder Kendan beobachtet, der selbst als 14-Jähriger sofort als vollwertiges Mitglied der zweiten Herrenmannschaft akzeptiert wurde“, schwärmt Megan Bruns. Vor Kurzem feierte Kendan Bruns seinen 15. Geburtstag, und seine Schwester begleitete ihn und sein Team der Junioren A in Regionsliga-Punktspielen als eine Art Trainerin. Megan Bruns verfügt bereits über die C-Lizenz.

Bei den Damen versuchen sich die Spielerinnen, stets gegenseitig ein wenig zu coachen. „Bei den Einzeln soll möglichst immer eine Kollegin zuschauen. Da hilft dann oft auch schon ein einfaches Zunicken“, versichert die Studentin.

Es gehe dabei in erster Linie darum, nicht in eine Negativspirale zu geraten. Auch Tipps der Teamkameradinnen würden helfen. „Wenn man sich daraus resultierend dann selbst eine Aufgabe im Spiel stellt, kann man sich wenigstens nicht auf etwas anderes konzentrieren“, äußert sich Bruns. Aber auch Beckedorfs Coach Frank Henk gebe immer wieder hilfreiche Hinweise.

Ihr letztes Jahr in der Heimat hatte sich Megan Bruns aber ganz anders vorgestellt. Wegen der Ungewissheit im Hinblick auf die Durchführung der Sommersaison im Zuge der Corona-Pandemie verzichtete der Beckedorfer TC im Juni komplett auf die Serie für den Erwachsenen-Bereich.

Auch bei den Damen wurde darüber abgestimmt, ob gespielt werden soll. Eine Mehrheit war für eine Absage. „Ich selbst war zwar gegen eine Absage, konnte diese aber sehr gut nachvollziehen“,betont Megan Bruns. So sei ihr aber der Abschluss vor dem Umzug verdorben worden. Dafür hatte sie aber Zeit, ihren Bruder und die Junioren zu begleiten. „Bei deren Punktspielen habe ich gemerkt, dass es nicht viel anders als vor Corona ablief“, so Megan Bruns. Ihr Bruder habe inzwischen den Spieß in den direkten Duellen der Geschwister herumgedreht und nun die Nase vorne.

Megan Bruns spielt gerne auch mit Männern. Bis zum Beginn ihres Studiums im Oktober hatte sie sich einmal wöchentlich mit Lukas Tuckermann aus der ersten Herrenmannschaft zum Tennis verabredet. Damit der Aufschlag keine übergeordnete Rolle spielt und zu einem Ungleichgewicht führt, brachten die beiden den Ball oft in Elferrunden von unten ins Spiel.

Aber auch bei den Beckedorfer Damen findet Megan Bruns noch ernsthafte Konkurrenz. Beckedorfs Kapitänin Neele Kalka verfügt nicht nur zufällig ebenfalls über die Leistungsklasse 12, sondern weist auch ansonsten ein ähnliches Niveau auf. Zuletzt hatte Kalka aber noch knapp die Oberhand besessen.

Am besten befreundet ist Megan Bruns bei den Beckedorfer Damen mit Malin Kück. „Ich habe aber auch zu allen anderen einen sehr engen Kontakt. Wir pflegen ein ganz familiäres Verhältnis“, versichert Bruns, die nach ihrem Abitur im Jahre 2019 ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Reha-Zentrum für Suchtkranke absolvierte. In Gruppensitzungen erhielt die angehende Psychologin erste Einblicke in ihre künftige Arbeitswelt. Auch als Folge ihrer Tätigkeit trinkt sie seit ein paar Monaten keinen Alkohol mehr.

„Ich mag auch gar keinen Alkohol und weiß nicht, warum man dem Körper das antun sollte“, sagt Bruns. Das Anstoßen mit einem Glas Sekt zu besonderen Anlässen behält sich die Aktive aber vor. „Ich möchte auch niemanden verurteilen, der Alkohol trinkt“, stellt die junge Frau klar. Zuletzt hatte sie mit ihrem Freund Leon von Loh zusammengewohnt, mit dem sie jetzt eine Fernbeziehung führt. Ihr Freund spielt ebenfalls Tennis in Beckedorf. „Deshalb kann er mich auch besser verstehen und weiß, wie lange ein Punktspiel dauert“, begrüßt Megan Bruns, dass ihr Lebenspartner ihr Hobby teilt. Leon von Loh kann seiner Freundin auf dem Tennis-Court aber noch nicht das Wasser reichen. „Leon hat aber auch nicht so viel Zeit für Tennis, besitzt aber auf jeden Fall das Potenzial, um mich zu bezwingen“, erklärt Megan Bruns. Als kleines Kind hatte sie die fünffache Grand-Slam-Siegerin Maria Sharapova bewundert: „Bei ihr sah immer alles sehr elegant aus.“ Das Stöhnen der Russin habe sie damals noch nicht gestört.

Die Beckedorferin teilt mit der früheren Nummer eins der Tennis-Weltrangliste die Leidenschaft für das druckvolle Spiel. „Ich spiele auch mit wenig Spin und versuche den Aufschlag meiner Gegnerin sofort zu attackieren“, berichtet Megan Bruns. Lange Ballwechsel gebe es bei ihr nicht.

„Ich mache dadurch natürlich auch mehr Fehler. Aber wenn diese durch viele Winner ausgeglichen werden, bin ich zufrieden“, verrät der Youngster. Sie streue aber auch mal Winkelbälle ein, um der Gegnerin keinen Rhythmus zu ermöglichen. Bei den Männern sympathisiert Megan Bruns mit der Nummer eins der Welt, Novak Djokovic. „Ich finde aber auch Roger Federer ganz gut“, so Bruns. Mit dem „König der Ballrotation“, Rafael Nadal, könne sie dagegen nicht so viel anfangen. Am 16. Januar wollen die Beckedorfer Damen nun in die Hallenrunde starten.

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