HSG Schwanewede/Neuenkirchen Den Alltag in der Schule von A bis Z auf den Kopf gestellt

„DIE NORDDEUTSCHE“ fragt bei Sportlern, Trainern und Funktionären nach, wie sie die Situation aktuell erleben. Heute der Handball-Spieler der HSG Schwanewede/Neuenkirchen: Torben Pilger.
26.03.2021, 09:35
Lesedauer: 4 Min
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Von Olaf Schnell

Das gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Leben ist coronabedingt seit fast einem Jahr eingeschränkt oder steht gänzlich still. Und jetzt gibt es seit geraumer Zeit auch noch die Aufforderung, ins Homeoffice zu gehen. Wann ist für uns alle wieder Land in Sicht? Wann kann endlich wieder in Hallen und auf Freiluftplätzen Mannschaftssport oder Individualsport in gewohnter Form getrieben werden? „DIE NORDDEUTSCHE“ fragt bei Sportlern, Trainern und Funktionären nach, wie sie die Situation aktuell erleben, wie sie den Weg zurück in die Normalität skizzieren und was sie am meisten vermissen. Heute der Handball-Spieler der HSG Schwanewede/Neuenkirchen: Torben Pilger.

Welche Veränderungen hat es in Ihrem beruflichen Alltag in Zusammenhang mit Corona gegeben?

Torben Pilger: Corona hat meinen kompletten Alltag im Privaten und auch im Beruf komplett auf den Kopf gestellt – nichts ist so wie vorher. Durch die Coronazeiten hatten die Schulen ja erst einmal die Präsenzpflicht ausgesetzt. So boten wir anfangs eine Notbetreuung an. Dann hatten wir maximal Klassen mit fünf Kindern. Jeden Tag gab es für uns neue Regeln, wie wir mit dem Corona-Hygienekonzept umgehen mussten. Wir trennten die Kinder in ganz vielen verschiedenen Gruppen, damit sie sich so wenig wie möglich über den Weg laufen – und wir mussten zum Beispiel auch viel lüften. Das hat wirklich den Alltag in der Schule von A bis Z auf den Kopf gestellt.

Corona heißt ja auch: Weniger persönliche Kontakte und weniger Bewegung. Wie gleichen Sie diese beiden Einschränkungen aus?

Wir haben von unserem Trainer (Henning Schomann, Anm. d. Red.) einen Vorbereitungsplan bekommen. Jeder Spieler von uns in der Mannschaft hat auch einen Herzfrequenz-Sensor. Das ist so ein Brustgurt, den wir dann mit der App verbunden haben. Dort wird von uns jede Lauf-und Krafteinheit aufgezeichnet und man hat dort sofort Zugriff drauf. Auf dem Trainingsplan sehen wir, wann wir laufen gehen müssen. So bin ich in der Coronazeit viel am Joggen, was mir allerdings nicht so viel Spaß macht. Deswegen habe ich schon ein paar Mal auf dem kleinen Sportplatz in Neuenkirchen mit meinem Vater Stefan und seinem Hund trainiert, warf den Ball so eine halbe Stunde ins kleine Handballtor. Ich brauche einfach den Sport mit dem Ball.

Sie verbringen viel mehr Zeit als gewöhnlich zu Hause. Gehören Sie zu denen, die Projekte gestartet haben, die schon lange Mal angegangen werden sollten?

Das blieb ein wenig auf der Strecke, weil wir Nachwuchs bekommen haben. Da stand und steht alles unter dem Motto Baby. Aber wir haben das Kinderzimmer inzwischen renoviert und mit einem neuen Laminatfußboden verschönert, den Raum gestrichen und neue Möbel angeschafft.

Nutzen Sie häufig die Möglichkeit, sich Fertiggerichte zu holen oder bringen zu lassen oder stehen Sie jetzt eher öfter und länger in der Küche und zaubern in aller Ruhe Ihr Lieblingsgericht, wenn ja welches und wie?

Hier hat sich nicht wirklich viel geändert. Wir kochen weiterhin gerne zusammen, aber bestellen uns am Wochenende abends auch schon gerne mal etwas. Meine Verlobte ist eine sehr gute Köchin und so machen wir uns öfters mal gerne eine gute Lasagne. Was ich aber am Liebsten mag, ist Thai-Curry. Sie kocht das nicht nach Rezept und verwendet eine asiatische Thai-Curry-Paste – die schmeckt wirklich super.

Welche Rolle spielt bei Ihnen seit Corona die Unterhaltungs-Elektronik?

Das wird bei uns schon genutzt. Wir haben Netflix, DAZN und Sky. Aber seitdem das Baby da ist, ist das schon weniger geworden. Mein Schwerpunkt liegt klar auf Sportsendungen – und zwar besonders Fußballpartien. Ich sehe mir vor allem Spiele von Werder Bremen und Bayern München an. Ich bin eigentlich Werder-Fan, mein Herz schlägt grün-weiß. Aber ich finde, dass Bayern auch eine coole und sehr starke Mannschaft hat. Ich hoffe auch sehr, dass Werder nicht absteigt.

Wie wird nach Ihrer Einschätzung die zeitliche Rückkehr in die Normalität aussehen?

Mein Gefühl sagt mir, dass das Ganze sich noch nach hinten zieht. Wir haben schon so lange mit der Pandemie zu tun, dass man sich fast schon daran gewöhnt hat. In Form von Impfungen könnte man aber auf jeden Fall mehr erreichen. Ich hoffe, es passiert so schnell wie möglich. Aber ich glaube, dass wir mit Glück erst Ende Dezember wieder zur Normalität zurückfinden. Ich habe vor rund zwei Monaten ein Zitat von Angela Merkel gelesen, dass jeder Einwohner in der Bundesrepublik bis Ende des Jahres ein Impfangebot erhalten wird. Und darauf baue ich.

Worauf freuen Sie sich in der Zeit nach Carona am meisten?

Ich freue mich am allermeisten, einfach mit meiner Mannschaft wieder in der Halle zu sein. Das ist der Tag, den ich am meisten herbeisehne. Natürlich auch sehr gerne mit Zuschauern. Mit den Fans ist das doch immer eine ganz andere Atmosphäre, und ein anderes Gefühl. Die dritte Halbzeit nach dem Handball-Spiel wäre auch nicht schlecht und dann mit der Familie, mit den Freuden und Teamkollegen unbedenklich einen Abend verbringen – ohne wirklich groß die Vorschriften zu beachten. Werder wieder am Fernseher mit einigen Leuten zu sehen und das Leben ohne Maske zu genießen. Aber es reicht mir auch schon erst einmal ein Handball-Training in der Sporthalle mit den Mannschaftskameraden.

Das Interview führte Olaf Schnell.

Info

Zur Person

Torben Pilger (28) begann als Sechsjähriger mit dem Handballsport beim TV Grambke, spielte in der B- und A-Jugend bei der HSG Schwanewede/Neuenkirchen und anschließend vier Jahre bei der SVGO Bremen. Inzwischen geht der 28-Jährige in seine sechste Saison bei den „Schwänen“ und man findet ihn dort überall im Rückraum oder auf Linksaußen. Der Rechtshänder arbeitet als Erzieher an der Grundschule Am Mönchshof in Lesum, ist verlobt mit Kim-Vanessa Durak (29), mit der ein Sohn (Liam, fast sieben Wochen jung) hat, und wohnt in Neuenkirchen.

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