Förster Bernd Wiedenroth Er bleibt dem Wald erhalten

Bernd Wiedenroth geht nach 47 Förster-Jahren Ende Juli in den Ruhestand, engagiert sich aber weiterhin: bei der Weihnachtsbaum-Aktion, als Vorsitzender der Ameisenschutzwarte und im Imkerverein.
30.07.2019, 15:52
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Von Gabriela Keller

Landkreis Osterholz. „Ich dachte, zum Ende meiner Dienstzeit wird die Arbeit etwas weniger. Doch dem ist nicht so. Manche Aufgaben haben sogar zugenommen“, sagt Bernd Wiedenroth. Vor allem kleine Krabbler sorgen dafür, dass der Brundorfer Revierförster kurz vor seinem Ruhestand noch gut zu tun hat. Etliche Ameisenvölker hat Wiedenroth, der auch Vorsitzender der Regionalgruppe Osterholz-Scharmbeck der Deutschen Ameisenschutzwarte ist, in den vergangenen Tagen und Wochen umgesiedelt in sein Revier.

Ein Volk aus Gyhum im Landkreis Rotenburg ist jetzt in der Nähe des Friedwaldes in Brundorf zu Hause, ein anderes ist umgezogen in das Naturschutzgebiet Heidhofer Teiche. „Erst am Montag habe ich ein Volk aus Grasberg umgesiedelt, in die Nähe des Brundorfer Friedhofes“, erzählt der Revierförster. Auch auf den Borkenkäfer hat er in den letzten Tagen seiner Amtszeit ein wachsames Auge. Im Heidhof-Revier hält sich die Käferplage zwar in Grenzen. „Doch er muss überwacht werden“, sagt Bernd Wiedenroth. Befallene Bäume müssen frühzeitig gefällt und aus dem Wald geschafft werden, damit sie gesunde nicht infizieren.

Während die Arbeiten im Forst wie gewohnt weiterlaufen, bereitet der Heidhof-Chef gleichzeitig seinen Abschied vor. Am 30. Juli feierte Wiedenroth seinen 65. Geburtstag, am heutigen 31. Juli ist sein letzter Arbeitstag. Dann geht Bernd Wiedenroth nach 47 Jahren in den Ruhestand. Offiziell verabschiedet wurde er bereits am Freitag, 26. Juli.

„Dann geht es 'runner vom Hoff' – so würde man es dort sagen, wo ich herkomme.“ In Nordburg in der Südheide ist er geboren und aufgewachsen. „Auf einem Bauernhof mit Kühen, Schweinen, Schafen und Hühnern.“ Landwirt wäre er gerne geworden, doch die Eltern rieten ihm zum öffentlichen Dienst. Der Sohn befolgte den Rat, bewarb sich mit der mittleren Reife bei Post, Bahn, Polizei und Forst. „Von der Forstverwaltung kam die erste Zusage.“ So wurde Wiedenroth Förster. Es war eine richtige und gute Entscheidung, sagt er heute.

Auf zwei Jahre Forstschule in Düsterntal und diverse Lehrgänge folgte 1978 die Laufbahn-Prüfung. Danach leitete Wiedenroth eineinhalb Jahre das Wald-Jugendheim Rosengarten, wechselte dann für fünf Jahre ins Forstamt nach Bremervörde. Im September 1985 übernahm er den Heidhof in Brundorf mit damals 650 Hektar. Später kamen die Gebiete der ehemaligen Försterei Düngel und der 2001 aufgelösten Revierförsterei Garlstedt hinzu. Heute umfasst Wiedenroths Revier 1700 Hektar – ein Gebiet, das von Stotel im Norden bis zum Brundorfer Forstort Hohehorst im Süden, von Eggestedt im Westen bis nach Hülseberg im Osten reicht.

Der Heidhof ist nicht nur größer geworden, er sieht heute auch anders aus als vor fast 40 Jahren. Wie überall in den Wäldern der Niedersächsischen Landesforsten regiert auch hier inzwischen der „Löwe“. Die Abkürzung steht für das 1991 in den Landesforsten eingeführte Programm zur „langfristigen ökologischen Waldentwicklung“. Dauerwald statt Flächenkahlschlag, Mischwald statt Nadelholz-Monokultur ist das Ziel.

Nur die stärksten Bäume werden dem Wald entnommen, Nachpflanzung und Naturverjüngung gehen Hand in Hand. Der Wald soll widerstandsfähiger werden gegen Naturgewalten, die in der Vergangenheit Schneisen der Verwüstung in den Nadelholz-Bestand rissen. Aber auch gegen Schädlinge wie jenen Borkenkäfer, der ausschließlich Fichten befällt.

Im Forst in Brundorf kann der Spaziergänger die Veränderungen in der Forstkultur sehen. Zwischen die Kiefern und Fichten, die einst den Wald prägten, mischen sich immer mehr Buchen und Eichen, auch Bergahorn, Hainbuche und Roterle. „Ein mehrschichtiger Wald mit Bäumen unterschiedlichster Art, Größe und Stammdicke ist das Ziel“, sagt Wiedenroth. Im Heidhof-Forst wird nach seinen Worten nicht erst seit dem Löwe-Programm nach diesem Prinzip gearbeitet. „Naturgemäße Waldwirtschaft mit standortangepasster Pflanzung und Naturverjüngung wird hier seit 1964 praktiziert.“

Den Waldbestand zu gestalten und zu pflegen – „das hat mir als Förster immer am meisten Spaß gemacht“, sagt Bernd Wiedenroth. So hatte er stets ein wachsames Auge auf die Traubenkirsche. „Die spendet viel Schatten, darunter wächst nichts mehr. Deshalb muss sie aus dem Wald entfernt werden“, erklärt der Förster. „Wir bringen heute mehr Licht in den Bestand, dadurch fördern wir die Naturverjüngung.“

Ein Mal im Jahr dürfen dafür sogar Bürger mit der Säge in den Wald gehen und sich eine Fichte als Weihnachtsbaum schlagen. "Es ist im Vorfeld zwar viel Arbeit, aber es macht großen Spaß", sagt der Förster, der seit 1988 die Aktion organisiert und das auch im Ruhestand weiter tun will. Die Idee dazu sei ihm "aus Faulheit" gekommen", erzählt Wiedenroth und schmunzelt. Früher sei er immer mit jedem einzelnen, der wegen eines Weihnachtsbaumes in die Försterei kam, in den Wald gefahren. Heute strömen am letzten Wochenende vor Heiligabend mehrere Hundert Menschen unter seiner Leitung gemeinsam in den Wald.

Auch Umwelttage für Schulklassen aus dem Landkreis und Bremen rief der Förster einst ins Leben. Die Aktion gibt es zwar nicht mehr. „Mich sprechen aber heute noch Erwachsene an, die früher daran teilnahmen.“ Nach wie vor gibt es die Wald-Jugendspiele im Forst. Früher ist Wiedenroth selbst mit den Kindern und Jugendlichen durch den Wald gestiefelt, inzwischen haben Waldpädagogen die Aufgabe übernommen.

An die dunkelsten Stunden in seinem Försterleben erinnert sich Bernd Wiedenroth noch genau: „Das war der große Waldbrand vom 27. Mai 1991.“ Ein Flächenbrand auf dem Truppenübungsplatz der Bundeswehr in Garlstedt uferte in den Heidhof-Forst aus. „20 Hektar Bestand nördlich der Heidhofer Teiche brannten ab.“ Die Bundeswehr habe damals mit drei Bergepanzern Schneisen in den Wald geschlagen, um eine weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern.

2011 ist im Brundorfer Forst der Friedwald Bremer Schweiz mit einer Fläche von 40 Hektar eingerichtet worden. Der werde gut angenommen, weiß Wiedenroth. Er selbst will sich dort auch einen Bestattungsbaum kaufen. „Eine Eiche soll es sein, in der Nähe meines Bienenstandes.“

Neben seinem Beruf als Förster und seinem Engagement als Vorsitzender der Ameisenschutzwarte Osterholz-Scharmbeck ist Wiedenroth auch noch Hobby-Imker. Einige seiner Bienenvölker haben im Forst in Brundorf ihren Platz. Und so wird man den Förster auch im Ruhestand noch oft in seinem Wald sehen. Bei seinen Bienen, bei Wanderungen mit dem Imkerverein und der Ameisenschutzwarte. In Brundorf bleibt Wiedenroth auch wohnen. Die zwei Blockhäuser am Sitz der Försterei am Eichenweg – das eine Wohnhaus, das andere bislang Arbeitsplatz – sind sein Eigentum. Er hat beide selbst gebaut.

Seit April 2003 lebt und arbeitet er dort, nachdem das alte Forsthaus am Scharmbecker Weg verkauft wurde. Als Ruheständler wird es Bernd Wiedenroth zusammen mit seiner Frau Antje aber auch öfter auf die Insel ziehen. Auf Amrum, wo sie schon mal für einige Jahre im Urlaub ihre Zelte aufschlugen, haben die beiden seit April einen Wohnwagen-Dauerplatz. Wald hat die Insel auch zu bieten. „Es sind 180 Hektar“, weiß Bernd Wiedenroth.

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