Thomas Derzak Einblicke in den Corona-Alltag: Heute mit Thomas Derzak

Der Tennisspieler beim Beckedorfer TC, Thomas Derzak, möchte bald auch wieder Fußballspiele des SV Werder Bremen besuchen. Oder einfach problemlos zu Hause Besuch einladen, ohne sich groß Gedanken zu machen.
01.03.2021, 15:32
Lesedauer: 4 Min
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Von Olaf Schnell

Das gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Leben ist coronabedingt seit fast einem Jahr eingeschränkt oder steht gänzlich still. Und jetzt gibt es seit geraumer Zeit auch noch die Aufforderung, ins Homeoffice zu gehen. Wann ist für uns alle wieder Land in Sicht? Wann kann endlich wieder in Hallen und auf Freiluftplätzen Mannschaftssport oder Individualsport in gewohnter Form getrieben werden? „DIE NORDDEUTSCHE“ fragt bei Sportlern, Trainern und Funktionären nach, wie sie die Situation aktuell erleben, wie sie den Weg zurück in die Normalität skizzieren und was sie am meisten vermissen. Heute der Tennisspieler beim Beckedorfer TC: Thomas Derzak.

Welche Veränderungen hat es in Ihrem beruflichen Alltag in Zusammenhang mit Corona gegeben?

Thomas Derzak: Beruflich hat sich bei mir schon sehr viel verändert. Ich bin ja als Systemtechniker bei der Firma Höfelmeyer Waagen GmbH im Außendienst tätig und so täglich bei anderen Firmen unterwegs. Dort ist ein sehr sensibles Verhalten gegenüber den Kunden Pflicht. Du kommst nicht mehr ohne Weiteres in die Betriebe rein. Bei einigen Firmen ist es inzwischen so, dass man auch einen Schnelltest machen muss, bevor man auf das Gelände kann. Oder man soll einen Fragebogen ausfüllen, dass man 48 Stunden zuvor keinen Kontakt zu einer coronapositiven Person hatte. Und die privaten Kontakte sind fast gänzlich auf null gegangen. Das ist für mich schon sehr störend und fehlt mir wirklich sehr – das nervt. Zudem bin ich noch beim Fitnesspark in Aumund beschäftigt. Ich gebe sonst dort zwei Spinning-Kurse in der Woche und finde, dass die Studios gänzlich geschlossen sind, die falsche Strategie. Dort verbringe ich normalerweise viel Zeit. Auch diese sozialen Kontakte und die Kurse mit den Leuten fehlen mir sehr.

Corona heißt ja auch: Weniger persönliche Kontakte und weniger Bewegung. Wie gleichen Sie diese beiden Einschränkungen aus?

Der Tennissport ist für mich ja im Einzel in der Halle zum Glück in Bremen und Niedersachsen möglich. Das ist ja nicht in allen Bundesländern so. Ich spiele mit festen Partnern, zum Beispiel mit dem Mannschaftskamerad und BTC-Trainer Frank Henk oder mit Thorsten Steffens. Zu Hause bin ich mit meinem Spinning-Bike im Einsatz. Mit dem Bike nehme ich dann an entweder an Online-Kursen oder bei den elektronischen Plattformen an Radrennen teil. Dort treffen sich Leute weltweit so zwischen 10.000 und 20.000 gleichzeitig online – natürlich auf verschiedenen Strecken. Das kostet 15 Euro im Monat und du kannst zum Beispiel in Amerika oder in Österreich fahren. Um letztlich daran teilzunehmen, muss man am Bike eine Leistungsmessung haben, der in der Pedale eingebaut ist. So kann man die Trittfrequenz und Leistung messen. Diese Daten werden dann im Programm umgesetzt, damit man sehen kann, wie schnell man zum Beispiel fährt.

Sie verbringen viel mehr Zeit als gewöhnlich zu Hause. Gehören Sie zu denen, die Projekte gestartet haben, die schon lange mal angegangen werden sollten?

Die ersten Monate von Corona haben wir zu Hause für Renovierungsarbeiten genutzt. Aber in den letzten Wochen konnte man ja nicht wirklich in einen Baumarkt fahren. Und dann waren wir ziemlich kurzfristig auf Haussuche. Das hat letztlich mit einem Haus in Lüssum-Bockhorn geklappt. Wegen Corona waren die Besichtigungen insgesamt doch komplizierter als früher unter den gegebenen Vorschriften.

Nutzen Sie häufig die Möglichkeit, sich Fertiggerichte zu holen oder bringen zu lassen, oder stehen Sie jetzt eher öfter und länger in der Küche und zaubern in aller Ruhe Ihr Lieblingsgericht, wenn ja welches und wie?

Von Fertiggerichten sind wir komplett von ab. Aber dank Corona beschäftigt man sich inzwischen schon mehr, was man isst. Weil man einfach mehr Zeit hat zum Kochen. Wir kaufen auch etwas bewusster ein und das macht einfach Spaß. Spaß macht auch unsere Wochenend-Kreation – die Mandelhörnchen zuzubereiten. Das geht relativ schnell und haben wir schon öfters gemacht. Nachmittags zum Kaffee oder Tee.

Welche Rolle spielt bei Ihnen seit Corona die Unterhaltungs-Elektronik?

Hier hat sich bei uns nicht viel geändert. Fernsehen ist klar, aber keine Play-Station. Meine Lebensgefährtin Helene geht draußen sehr viel laufen und besucht online auch Yogakurse. Ich bin täglich ein bis zwei Stunden auf dem Bike unterwegs. Im Fernsehen liegt der Schwerpunkt im Winter auf Biathlon.

Wie wird nach Ihrer Einschätzung die zeitliche Rückkehr in die Normalität aussehen?

Ich hoffe, jetzt so langsam. Aber mit der derzeitigen Entwicklung – sprich die Mutation – wird sich das in den nächsten ein bis zwei Wochen herausstellen, ob die Lockerungen – zum Beispiel an der Schule – sinnvoll sind. Aber auf der anderen Seite denke ich, dass uns der Virus irgendwie länger begleiten wird. Man sieht fast tagtäglich viele rücksichtslose Menschen, denen das Ganze egal ist. Aber zum Glück nicht bei uns im Bekanntenkreis. Das sollten eigentlich alle so machen, dann ist man mit Corona schneller durch.

Worauf freuen Sie sich in der Zeit nach Corona am meisten?

Ich möchte sehr gerne mein Stamm-Restaurant El Mariachi in Delmenhorst wieder besuchen. Da ich eine Werder-Dauerkarte besitze, hoffe ich natürlich auch, bald wieder mit meinem Bruder Rolf plus Freunden ins Weserstadion gehen zu können. Auch wäre es für mich sehr schön, den Leuten wie zum Beispiel beim Tennis, wieder näher zu kommen. Oder einfach problemlos zu Hause Besuch einladen, ohne sich groß Gedanken zu machen. Ein Leben ohne Maske wäre auch toll, aber das wird wohl noch dauern.

Das Interview führte Olaf Schnell.

Info

Zur Person

Thomas Derzak (48)

ist beim Beckedorfer TC seit rund 20 Jahren als Tennisspieler im Einsatz und spielte früher auch Volleyball.

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