Hähnchen-Maststall Aschwarden

Nach Genehmigung durch Kreis folgt Widerspruch

Der Landkreis Osterholz hat den umstrittenen Hähnchen-Maststall in Aschwarden genehmigt, doch der Konflikt um die Anlage geht weiter. Bürger aus Aschwarden und der Naturschutzbund haben Widerspruch eingelegt.
25.06.2020, 22:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gabriela Keller

Der umstrittene Hähnchen-Maststall in Aschwarden darf gebaut werden. In der jüngsten Gemeinderatssitzung teilte Bürgermeister Harald Stehnken mit, dass der Landkreis Osterholz die geplante Anlage genehmigt hat. Der Aschwardener Landwirt und Ortsvorsteher Christian Meyer will einen Maststall für knapp 30 000 Tiere errichten. Eine Bürgerinitiative im Dorf will das Projekt nach wie vor verhindern. Zwei Bürger aus den Reihen der Initiative haben beim Landkreis Widerspruch gegen die Genehmigung eingelegt. Unterstützt werden die Hähnchenstall-Gegner vom Naturschutzbund in Schwanewede. Auch er hat Widerspruch eingelegt.

„Der Landkreis Osterholz hat die Baugenehmigung für den Hähnchen-Maststall in Aschwarden am 25. Mai 2020 erteilt“, betätigt Kreissprecherin Jana Lindemann auf Nachfrage. „Der Antragsteller hat mit seinen Antragsunterlagen nachgewiesen, dass sein Vorhaben alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Bestandteil der Genehmigung ist unter anderem ein qualifiziertes und vom Landkreis fachlich geprüftes Immissionsgutachten. Darin ist detailliert geregelt, wie der Stall betrieben werden muss.“ Weitere Auflagen betreffen laut Lindemann die Gebäude- und Betriebssicherheit, die Düngeverwertung und Ausgleichsmaßnahmen.

Das Projekt hatte in Aschwarden Protest ausgelöst. Die Bürgerinitiative sorgte sich um das Tierwohl, aber auch um die Gesundheit der Dorfbewohner. Sie befürchtete unter anderem Geruchsbelästigungen, Belastungen durch Feinstaub und Keime. Die Initiative sammelte nach eigenen Angaben 750 Unterschriften gegen das Vorhaben, im Februar dieses Jahres gab es eine Demonstration auf dem Marktplatz in Schwanewede.

Die Bürgerinitiative gibt auch jetzt nicht auf. Laut Initiative-Sprecher Arnold Neugebohrn hat ein Ehepaar stellvertretend für die Initiative gegen die Genehmigung vor Kurzem Widerspruch eingelegt. „Unser Ziel ist, einen Baustopp zu erreichen.“ Die Maststall-Gegner zweifeln die Ergebnisse des Immissionsgutachtens an, das von Bauherrn Christian Meyer in Auftrag gegeben wurde. Die Initiative hat laut Neugebohrn von einem Sachverständigen eine Stellungnahme zu dem Gutachten eingeholt. „Nach Ansicht des von uns beauftragen Sachverständigen weist das von Herrn Meyer in Auftrag gegebene Gutachten, das Bestandteil der Genehmigung ist, erhebliche Mängel auf“, sagt der Initiativesprecher.

So habe der von der Initiative bestellte Gutachter kritisiert, dass bei der Berechnung der Ausbreitung der unter anderem mit Stickstoff belasteten Abluft eine Baumgruppe in der Nähe der geplanten Anlage nicht angemessen berücksichtigt worden sei. Auch die Wahl der Wetterdaten halte der Sachverständige für fragwürdig. Dem Gutachten für die Genehmigung liegen laut Neugebohrn Daten der 30 Kilometer entfernten Wetterstation am Bremer-Flughafen zugrunde. „Für eine realitätsnähere Berechnung der Emissionsausbreitung wären nach Ansicht des von uns beauftragen Gutachters Daten der Wetterstation in Brake geeigneter gewesen.“

Die Maststall-Gegner haben einen Rechtsanwalt eingeschaltet. „Der wird jetzt die Begründung für den Widerspruch ausarbeiten“, erklärt Arnold Neugebohrn. Im Kampf gegen die Hähnchenfarm haben die Dorfbewohner den Naturschutzbund an ihrer Seite. Dort ist die Stellungnahme zum Gutachten aufmerksam gelesen worden. „Wir haben am Donnerstag dieser Woche erst mal Widerspruch eingereicht, um die Frist zu wahren“, sagt der Schwaneweder Ortsverbandsvorsitzende Lüder Kreft. „Der Sachverständige hat Fehler im Gutachten festgestellt. Wir wissen noch nicht, wie relevant sie sind. Wir werden uns jetzt das Gutachten detailliert anschauen.“

Die Bürgerinitiative will auch klären lassen, wie es zu einem Beschluss des Verwaltungsauschusses vom 19. August 2019 kommen konnte. Demnach sollte eine Ansiedlung des Maststalls in Gewerbegebieten der Gemeinde ausgeschlossen werden. Laut Arnold Neugebohrn, der für die Linke im Gemeinderat sitzt, wurde damit die Chance vertan, die Ansiedlung in Aschwarden zu verhindern. „Zwischenzeitlich hat die Initiative Einsicht in die Verfahrensakte beim Kreis nehmen können. Dabei sind Zweifel am ordnungsgemäßen Zustandekommen des Beschlusses gekommen. Das muss geklärt werden.“

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