Auktion in Schwanewede Holz unterm Hammer

Die Gemeinde Schwanewede hat zwischen Oktober und Februar diverse Bäume gefällt. Bei einer Versteigerung am Sonnabend, 30. März, auf dem alten Klärwerksgelände wird das Holz jetzt angeboten.
26.03.2019, 17:49
Lesedauer: 4 Min
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Von Iris Messerschmidt

Schwanewede. Regen- und Graupelschauer kümmern Rainer Flömer nicht. Er reduziert auch nicht die Geschwindigkeit, sondern pflügt mit dem Radlader durch die Pfützen. Matsch spritzt rechts und links auf, doch der Bauhof-Mitarbeiter macht unbeirrt weiter. Schließlich haben er und sein Kollege Marcel Brunsen noch einiges zu tun. Es ist Anfang der Woche und sie haben nur einen Tag Zeit, um das gesammelte Holz von A nach B zu transportieren und aufzuschichten. Am Wochenende dürfen dann die Schwaneweder Bürger auf das Gelände an der Landesstraße 149 – zur Holzversteigerung der Gemeinde Schwanewede.

„Das Kopfholz ist bis circa einen Meter, das Stammholz rund drei Meter lang und die Stämme durchschnittlich 50 Zentimeter dick.“ Die Zahlen hat Bauhof-Leiter Herbert Poppe im Kopf. Schließlich weiß er, wovon er redet. Das Holz, das seine Mitarbeiter gerade zu verschiedenen Haufen auf der Rasenfläche zwischen alter Kläranlage und neuem Wertstoffhof aufschichten, ist Material aus der Gemeinde. „Entfernt zwischen dem 15. Oktober und 28. Februar“, gibt Poppe weiter Auskunft. Gefällt wurden unter anderem Lindenbäume einer Allee am Lehmhorst, angegriffene Kastanienbäume am Vosshall, aber auch Pappeln vom Flutgraben Aschwarden.

„Einfach so fällen wir allerdings keine Bäume“, macht Herbert Poppe in diesem Zusammenhang deutlich. Der stellvertretende Bauamtsleiter Stefan Gröger erklärt den Ablauf näher: „Entweder werden wir vom Bauamt beziehungsweise Bauhof selbst auf problematische Bäume aufmerksam oder wir bekommen Hinweise aus der Bevölkerung.“ Unabhängig davon gehe jeder Mitarbeiter des Bauamtes oder des Bauhofes mit wachen Augen durch die Gemeinde, um eventuell schadhaften Bäumen auf die Spur zu kommen.

Dann werde der entsprechende Baum in Augenschein genommen, anschließend ein Termin mit dem Gutachter gemacht, der dann selbst vor Ort den Baum untersuche und ein Protokoll fertige. „Also ein Gutachten, ob der Baum nun gefällt werden muss oder nicht“, erläutert Stefan Gröger.

Es gebe auch marode Bäume, bei denen von Anfang an offensichtlich sei, dass sie entfernt werden müssen. „Dann brauchen wir auch kein Gutachten.“ Doch manchmal sei es eben nicht so offensichtlich, und „dann wundert man sich auch, wie hohl so ein Baum von innen sein kann, ohne vorher umzufallen“, schildert Stefan Gröger. Er macht mit Handbewegungen deutlich, wie der Gutachter seinen Bohrer einsetzt, um die innere Beschaffenheit des Baumes festzustellen. Herbert Springer, staatlich anerkannter Baumpfleger, ist schon seit Jahren für die Gemeinde Schwanewede als Gutachter tätig. „Er kennt sich hervorragend aus, wir haben Vertrauen zu ihm“, sagt Gröger.

Müssen die Bäume laut Gutachter weg, kommt erneut der Bauhof der Gemeinde Schwanewede zum Einsatz. „Wir haben drei eigens dafür geschulte Mitarbeiter“, berichtet Herbert Poppe. Die haben dann knapp vier Monate Zeit, um die so ermittelten und angegriffenen Bäume zu entfernen, das Holz entsprechend zu bearbeiten und auf dem Gelände der alten Kläranlage zu lagern, bis es für die Holzversteigerung zu verschiedenen Haufen für die Bürger aufgeschichtet wird. Circa 30 solcher Haufen könnten es bis zur kommenden Auktion werden.

Während Rainer Flömer und Marcel Brunsen an diesem Tag noch an der Ordnung der Kopfholz-Berge arbeiten, wechseln Herbert Poppe und Stefan Gröger schon zu einer weiteren begehrten Ware: dem Stammholz. „Circa drei Meter lang sind die Stämme, wir helfen den Käufern auch beim Aufladen“, erzählt Stefan Gröger. Das Stammholz sei immer schnell weg, berichtet Gröger von seinen Erfahrungen. „Vermutlich können so einige im heimischen Garten ihre Motorsäge ausprobieren.“ Auf dem Gelände der alten Kläranlage ist das Benutzen einer Motorsäge zur Holzversteigerung verboten. „Deshalb müssen Interessenten das Holz auch so abtransportieren, wie sie es hier vorfinden beziehungsweise ersteigern“, so Gröger. Viele Schwaneweder Bürger wissen allerdings schon, was sie erwartet. „Seit 2011 bieten wir die Holzversteigerung an“, erzählt Stefan Gröger. Die Aktion – mittlerweile sei es die neunte – habe sich eingebürgert. "Viele Gesichter sehen wir jedes Jahr aufs Neue“, erzählt der stellvertretende Bauamtsleiter. Herbert Poppe ist ebenfalls schon seit der ersten Holzversteigerung in der Gemeinde Schwanewede ins Geschehen involviert und hat in den vergangenen Jahren beobachtet: „Die Technik hat sich stark verändert.“

Das geht auch nicht spurlos an der Gemeinde Schwanewede vorüber. So werden beispielsweise besonders große, unhandliche Stämme nach dem Fällen vor Ort direkt von einer Firma geschreddert. Und dieses Material geht dann auch gleich weiter, beispielsweise an ein Spanplattenwerk in der Umgebung – oder an eine Firma in Elsfleth. „Da gibt es eben einen gewaltigen Wandel in der Verarbeitung der Bäume“, erläutert Herbert Poppe und bezieht sich dabei auf einen Zeitraum von circa drei Jahren. Seitdem wird in der Gemeinde Schwanewede auch kein Holzschredder-Material mehr an die Bürger verkauft, erzählt Herbert Poppe. Eigenes Häckselgut habe die Gemeinde Schwanewede allenfalls noch in kleinerem Umfang, um eigene Beete damit abzudecken.

Gröger und Poppe betonen, dass es für jeden gefällten Baum einen Ersatz gibt. „Dabei kommen nur einheimische Gehölze in Betracht.“ Außerdem werde darauf geachtet, was in die jeweilige Umgebung passt. Bei neuen Baugebieten werden auch Anwohner oder Ortsbürgermeister in die Entwicklung neuer Anpflanzungen einbezogen. Nicht zuletzt wird auch der Gutachter nach geeigneten Gehölzen befragt. „In den zuletzt gefällten Bereichen werden neue Eichen gepflanzt“, sagt Herbert Poppe.

Info

Zur Sache

Die Regeln der Auktion

Das gemischte Brennholz wird am Sonnabend, 30. März, auf dem Gelände der Alten Kläranlage an der Landesstraße 149 zwischen Schwanewede und Neuenkirchen versteigert. Die ersten Kubikmeter Holz kommen ab 9.30 Uhr unter den Hammer. Geöffnet ist das Areal schon eine halbe Stunde vorher. So lange haben Bieter Zeit, die verschiedenen Holzstöße, die zu haben sind, zu begutachten. Rund 30 sind es – und alle jeweils zwischen drei und fünf Kubikmeter groß. Auch Stämme von bis zu drei Metern Länge werden versteigert. Technische Hilfe, das Brennholz auf dem Autoanhänger zu verladen, wird von der Gemeinde gestellt. Die Kubikmeterpreise für das Brennholz beginnen ab 20 Euro. Die Mindestgebote für die einzelnen Chargen werden vor Ort bekannt gegeben. Wer den Zuschlag erhält, bekommt eine Rechnung. Bieter haben einen Personalausweis vorzulegen. Pro Haushalt darf lediglich ein Holzstoß erworben werden. Das Brennholz muss noch am Tag der Versteigerung bis 13 Uhr abgeholt werden. Das Benutzen von Kettensägen ist auf dem Gelände untersagt.

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