Inklusion in Schwanewede Gemeinde betritt Neuland

Schwanewede beteiligt sich an umfassendem Inklusionsprojekt: Bildungseinrichtungen sollen gestärkt werden. Dafür stehen 1,2 Millionen Euro bereit. Wofür das Geld vorgesehen ist.
18.03.2022, 12:36
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald

Schwanewede. Egal, wie er aussieht, welche Sprache er spricht oder ob er eine Behinderung hat: Jeder Mensch soll dabei sein und zur Gesellschaft gehören. Das jedenfalls ist mit dem Begriff Inklusion (Einbeziehung) gemeint. In Schwanewede soll die inklusive Pädagogik jetzt zusätzlichen Schwung erhalten. Deshalb hat der Ratsausschuss für frühkindliche Bildung während seiner jüngsten Sitzung am Mittwochabend einhellig entschieden, dass sich die Gemeinde an einem Projekt der Stadt Osterholz-Scharmbeck, der Volkshochschule sowie der Arbeitsgemeinschaft Berufsbildung und örtliche Entwicklung (ABÖE) beteiligt.

Das Projekt firmiert unter der Kurzbezeichnung „Best“ und soll Bildungseinrichtungen durch „Vielfalt und Teilhabe“ stärken. Dazu werden Mitarbeiter, Lehrkräfte und Ehrenamtliche  in den verschiedenen Einrichtungen geschult, aber auch Eltern fortgebildet. Wovon dann letztlich vor allem Jungen und Mädchen in Kindertagesstätten sowie Schülerinnen und Schüler in Bildungsstätten profitieren.

Kommunales Netzwerk wird angestrebt

Während die Kreisstadt, die ABÖE und die Volkshochschule bereits mit einem ähnlichen Vorhaben Erfahrungen gesammelt haben, betritt die Gemeinde Schwanewede jetzt Neuland. Ihr konkretes Ziel, so heißt es in der Beschlussvorlage für den Ratsausschuss „Frühkindliche Bildung“, sei die Weiterentwicklung der Inklusion in den Kindertagesstätten und der kommunalen Jugendarbeit.  Die bislang eher integrativen Ansätze sollten zu einem umfassenden Verständnis von Inklusion und inklusiver Pädagogik führen. Angestrebt wird ein kommunales Netzwerk, das die pädagogischen  Fachkräfte und alle anderen Akteure in den Kitas, Schulen und in der Jugendarbeit fördert.

Profitieren von  dem „Best“-Projekt in Schwanewede sollen insbesondere die  zehn gemeindeeigenen Kindertagessstätten, davon sechs mit Krippengruppen sowie zwei eigenständige Krippen. Und darüber hinaus die fünf Grundschulen sowie die kooperative Gesamtschule mit Oberstufe.  Unmittelbare Zielgruppen des Projekts seien zwar die Erzieherinnen und Erzieher, die Eltern sowie die pädagogischen Fachkräfte, wurde während der Ausschusssitzung unterstrichen. Mittelbar und dennoch zentral aber sollten die Kinder im Elementar-, Primar- und Sekundarbereich auf den neuen Weg hin zu einer Gemeinschaft ohne Ausgrenzungen gebracht werden. Das gilt aktuell zum Beispiel auch für Kinder und Jugendliche, die vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet sind.

Sprachliche und soziale Kompetenzen erhöhen

Beim „Best“-Projekt spielen unter anderem die interkulturelle Erziehung und neue Lernformen inklusive Medienkompetenz eine wichtige Rolle. Unbedingt verhindert werden, so heißt es in der Erläuterung der Beschlussvorlage der Rathausverwaltung, müsse zudem die Ausgrenzung von bildungsfernen und benachteiligten Gruppen, und zwar durch das Zusammenwirken aller relevanten Akteure.

Die Stadt Osterholz-Scharmbeck, die Volkshochschule OHZ/Hambergen/Schwanewede und die Arbeitsgemeinschaft Berufsbildung und örtliche Entwicklung kooperieren bereits seit 2008 in Sachen Inklusion. Und zwar im Rahmen der Richtlinie „Inklusion durch Enkulturation (IdE)“. Enkulturation beschreibt den Prozess, in dem Kinder auf unbewusste Art und Weise gesellschaftliche und kulturelle Werte und Normen verinnerlichen und erlernen. Übergeordnetes Ziel der Richtlinie ist es, die Zahl der Schulabbrecher und -verweigerer durch interkulturelle, sprachliche und soziale Kompetenzen zu verringern. Dabei wird auf die Vernetzung und Schulung aller Personen gesetzt, die Kinder und Jugendliche in ihrer gesamten Entwicklung begleiten.

Das Best-Projekt und die Kooperation mit Osterholz-Scharmbeck, der VHS und der ABÖE ist vom Schwaneweder Ratsausschuss nach ausführlicher Debatte unter Leitung von Jens Bunk, Vertreter der Bürgermeisterin, abgesegnet worden. Die Gesamtkosten für die Gemeinde belaufen sich auf rund 1,2 Millionen Euro, die zu 60 Prozent aus dem Europäischen Sozial-Fonds (ESF) finanziert werden. Die restlichen 40 Prozent sind durch eine sogenannte Kofinanzierung zu tragen. Sie soll erzielt werden, indem Beschäftigte der Gemeinde an dem Projekt mitarbeiten. Aus Verwaltungssicht, so Bunk, sei das leistbar und zielführend.

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