Jugendtreff Dreienkamp Mit Lob, Respekt und ganz viel Farbe

Graffiti sollte laut Künstlerin Mia Himme nicht illegales Sprühen auf privaten Flächen, sondern die legale Auseinandersetzung mit Form und Farbe sein – so wie beim Projekt am Jugendtreff Dreienkamp.
07.08.2020, 10:54
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Iris Messerschmidt

Rund 100 Dosen, „von schwarz bis weiß und alles, was dazwischen ist“ haben laut Künstlerin Mia Himme die zehn beteiligten Kinder am Graffiti-Projekt verbraucht. „Gold, Silber und Neonfarben inklusive.“ Herausgekommen ist in fünf Tagen eine bunte Blockhauswand des Schwaneweder Jugendtreffs Dreienkamp, die selbst vorbeischlendernde Spaziergänger zu einem Zwischenstopp animiert. „Ja, wir hatten schon viele Zuschauer und positive Rückmeldungen“, erzählt auch Peter Jeschke vom Jugendpflegeteam.

„Der Jugendtreff Dreienkamp feiert im kommenden Jahr das 20-jährige Bestehen. Da haben wir uns im Vorfeld Gedanken gemacht, wie wir dafür ein Zeichen setzen können“, berichtet Peter Jeschke von den Hintergründen der Aktion. Ein Graffiti-Projekt, das gab es nämlich schon während des Ferienprogramms 2019. „Aber nur einen Tag“, erzählt Mia Himme. Sie leitete damals schon den Ferienkurs. Mit Keilrahmen und auf Leinwand lernten die Kinder wichtige Elemente der Graffiti-Kunst kennen. Es seien „selbst gestaltete Werke, um sie anschließend mit nach Hause zu nehmen“, schildert die Künstlerin aus Lemwerder, die schon seit Jahren solche Kurse anbietet. „Großformatige Flächen mit Kindern zu gestalten, ist dabei eher selten“, sagt sie. Umso erfreuter war sie, als seitens der Schwaneweder Jugendpflege die Anfrage für die Wand kam.

Fünf Tage für ein großflächiges Graffiti – für das Schwaneweder Jugendpflegeteam Peter Jeschke, Ilka Dilba und Bärbel Gramberg sowie Künstlerin Mia Himme, „eine rundum gelungene und tolle Aktion“. Zwar gab es zu Beginn eine Zitterpartie, hatte doch die Corona-Krise der Schwaneweder Jugendpflege ein Strich durch die Ferienprogramm-Rechnung gemacht. „Als es die ersten Lockerungen gab, haben wir innerhalb von 14 Tagen ein neues, machbares Programm auf die Beine stellen müssen. Anmeldungen gab es lediglich online und nur mit begrenzter Teilnehmerzahl“, berichtet Jeschke. Viele Kinder hätten beim Graffiti-Projekt dabei sein wollen, doch nur zehn Nachwuchskünstlern ist es geglückt. „Sie sind mit großer Leidenschaft dabei“, freut sich Peter Jeschke.

„Mensch, was für ein Glück“, findet die zehnjährige Henny Rehfuß aus Beckedorf. „Ich interessiere mich sehr für Kunst, war schon im letzten Jahr beim Graffiti-Kurs. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich unbedingt dieses Jahr beim mehrtägigen Projekt dabei sein wollte.“ Ideen sammeln, Skizzen anfertigen, dann auf der Wand einfach sprühen und sich selbst ausprobieren, gemeinschaftlich mit Unterstützung der Künstlerin über Form und Farbe zu bestimmen, „ich finde das toll“, erzählt auch der neunjährige Sönke Jagosch, der mit seinem elfjährigen Bruder Tjarde beim Projekt dabei ist. Sönke hatte mal auf dem Geburtstag eines Freundes Bekanntschaft mit Graffiti gemacht, und wollte „unbedingt bei diesem Projekt dabei sein“. Seine Planeten-Idee kam im Übrigen bei den Mitstreitern gut an, und ziert nun, wie auch die Baum-Regenbogen-Idee die Blockhaus-Wand.

Wenn auch Henny und Sönke gestehen, „wir mussten sehr, sehr viel abkleben“, das fast fertige Werk am Donnerstagnachmittag präsentierten alle mit Stolz. Auch Künstlerin Mia Himme war voll des Lobes: „Hier sind alle hochmotiviert und setzen mit Lust die gesammelten Ideen um. Die Gruppendynamik war toll. Und, was mich richtig beeindruckt hat, war der respektvolle Umgang untereinander. Da gab es gegenseitige Hilfe und Lob für den anderen. Außerdem haben alle begriffen, was ich ihnen mit auf den Weg geben wollte.“

Denn für Mia Himme (makeitbright.de) ist es wichtig, das Graffiti-Kunst nicht das illegale Besprühen fremder Wände ist. „Das habe ich nie gemacht.“ Graffiti ist für die ausgebildete Künstlerin sichtbare Kunst im öffentlichen Raum, „bei der es um die Auseinandersetzung mit Schrift, Form und Sprache geht“, sowie das richtige Zusammenspiel von Licht, Schatten und von Farben.

Peter Jeschke würde das Projekt gern wiederholen: „Vielleicht 2021, und vielleicht auf einer großflächigen Wand, die die Gemeinde verschönert haben möchte.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+