Schädlinge im Wald Raupen-Trio schädigt Eichen

Die Eichen im Hasbruch und Harpstedter Forst leiden unter Raupen, die ihnen die Triebe abfressen. In der Revierförsterei Heidhof und in Bremen-Nord gibt es jedoch noch keinen Grund zur Sorge.
21.06.2020, 17:58
Lesedauer: 3 Min
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Von Iris Messerschmidt und Kerstin Bendix-Karsten

Die Eichen im Hasbruch und Harpstedter Forst leiden. Die Baumkronen der in den letzten Wochen ergrünten Bäume sind an vielen Stellen wieder durchsichtig geworden, berichten die Niedersächsischen Landesforsten. Schuld sei ein Raupen-Trio: Die ab Ende April schlüpfenden Raupen des Kleinen und Großen Frostspanners sowie des Grünen Eichenwicklers machen sich derzeit in großer Zahl über die frischen Eichentriebe her.

Die Raupen fressen in den sich öffnenden Blatt Knospen und anschließend die jungen Blätter. Im Brundorfer Wald, in dem der Eichenbestand unter zehn Prozent liegt, seien die Raupen derzeit zwar auch vorhanden, aber Revierförster Heiko Ehing gibt Entwarnung: „Noch kein Grund zur Sorge.“

Raupe im Bremer Norden nicht aktiv

In Bremen-Nord kommt das Raupen-Trio noch gar nicht vor. Das berichtet Kerstin Doty, Sprecherin des Umweltbetriebs Bremen. „Wir beobachten das, aber haben noch keine Vorkommen festgestellt“, sagt sie.

Andernorts sieht das problematischer aus: Während die Raupen die Blätter vertilgen, ist bei starkem Befall und bei Windstille der rieselnde Kot zu hören und auf dem Waldboden oft auch zu sehen. Im Juni seilen sich die Spannerraupen an Fäden ab, um sich im Boden zu verpuppen, erläutern die Landesforsten. Bei starker Vermehrung könne man auch die Fäden im Wald wahrnehmen. „Das sind Fraßgesellschaften von mehreren Insekten. Deren Larven, wie eben die des Kleinen und Großen Frostspanners sowie des Grünen Eichenwicklers, leben in Gruppen“, erläutert Knut Sierk, regionaler Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Solche Fraßgesellschaften seien im Übrigen besondere Lebensraumtypen, die besonderen Artenschutz genießen. Aus diesem Grund könne man auch nicht einfach so mit irgendwelchen Mitteln gegen diese Raupen vorgehen. „Mal abgesehen davon, dass die ,fressenden Gesellschaften' in den Kronen des Laubbaumes sitzen, weshalb eine Bekämpfung nur von oben sinnvoll ist“, macht Sierk deutlich.

Bekämpft werde nur im Ausnahmefall. Und dann dürfe laut Sierk der Waldbesitzer auch nicht einfach so die Initiative ergreifen. Wenn absehbar ist, dass das Raupentrio enorme Schäden verursacht, müsse die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen informiert werden, die dann gegebenenfalls geeignete Maßnahmen in Angriff nehme. „Vor mehreren Jahren wurde da mal ein Bazillus eingesetzt. Der ist meines Erachtens nach aber mittlerweile auch verboten“, so Sierk. Bekämpft werde in diesen Fällen aus der Luft. Spezialisten würden das organisieren, in Absprache mit den Waldbesitzern. Ein Pilot würde dann punktuell das betroffene Gebiet bearbeiten.

„Die Fraßgesellschaften sind immer vorhanden, treten immer mal in Wellen in größeren Gruppen – allerdings nicht flächendeckend im ganzen Land – auf“, erzählt Sierk von weiteren Hintergründen. Die Wellenbewegungen bedeuteten, dass es durchaus in den kommenden Jahren auch mal in der hiesigen Region zu einem Problem kommen könne. Momentan sei das Phänomen eher westlich der Weser konzentriert, also laut Sierk mehr im Oldenburger Land, in Richtung Hude. „Wie Heiko Ehing berichtete, gibt es zwar einige dieser Raupen auch in der Revierförsterei Heidhof. Allerdings ist dies momentan eine zu vernachlässigende Größe“, so Sierk.

„Unsere Eichenbestände haben sowieso eine Altersspanne bis 20 Jahre“, sagt Heiko Ehing und gibt damit gleich eine weitere Erklärung. Nämlich, dass der starke Befall des Raupen-Trios eher bei älteren Eichen für nachhaltige Probleme sorgt. „Unsere Jungeichen sind noch relativ grün.“ Ein Zeichen dafür, dass hier die Raupenlarven nicht so arg angreifen würden. Überhaupt habe das Heidhof-Revier nicht so sehr mit dem Raupentrio zu kämpfen, denn es handele sich überwiegend um ein Nadelholz-Revier: „Hauptsächlich Kiefer mit mehr als 50 Prozent, dann folgt Fichte mit 20 Prozent und Douglasie mit elf Prozent“, berichtet der Revierförster. Außerdem seien die Eichenbestände über das ganze Revier verteilt.

Raupe beschäftigt Forscher

Alle paar Jahre entwickelt sich das Raupentrio laut Knut Sierk allerdings sehr stark. Dann geht es zum großen Fressangriff auf die Eichen. Die treiben im Übrigen zwei Mal im Jahr aus. Also beim ersten Austrieb und dem Fraß des ersten Grüns durch das Raupen-Trio, „können Eichen dieses normalerweise gut wegstecken. Denn mit dem zweiten Austreiben um den 24. Juni, gleichen die Eichen die Fraßschäden teilweise wieder aus“, so Sierk. Wenn die Eiche allerdings nicht mehr vital ist, wenn Trockenheit, Spätfrost oder Mehltau die Bäume bereits geschwächt haben, könne mehrjähriger Kahlfraß durchaus ein Absterben der Eichen bedeuten.

Um der Entwicklung entgegenzuwirken wird bereits geforscht. Laut den Niedersächsischen Landesforsten untersucht ein neues Forschungsprojekt des Bundeslandwirtschaftsministeriums, welchen Einfluss verschiedene Raubparasiten auf die fressenden Raupen haben. Forscher am Zentrum Wald und Holzwirtschaft in Arnsberg untersuchen zudem besonders, ob sich mit dem gezielten Ausbringen von Parasitenarten, wie etwa Schlupfwespen, der Fraßdruck auf die Eichen deutlich vermindern lässt. Gleichzeitig erproben Wissenschaftler an der Wiener Universität für Bodenkunde die Zuchttauglichkeit bestimmter Raubparasiten des Eichenwicklers und der beiden Frostspannerarten.

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