Kaum Bewerber in Schwanewede Schulen suchen Bufdis

Schulen in Schwanewede suchen zum kommenden Schuljahr händeringend Bundesfreiwilligendienstler. Doch anderes als in den Vorjahren gibt es diesmal kaum Bewerbungen.
18.06.2020, 06:38
Lesedauer: 4 Min
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Von Gabriela Keller

Schwanewede. „Bislang war es nie ein Problem, Bundesfreiwilligendienstler für unsere Schule zu finden. Wir haben seit Jahren immer ein bis zwei Freiwillige, die uns tatkräftig unterstützen“, sagt Martin Thöne. Der 41-Jährige ist Lehrer an der Dreienkamp-Schule – und Ganztagskoordinator. In dieser Funktion kümmert er sich auch um Bundesfreiwilligendienstler (Bufdis) für die Schule. Und hat derzeit ein Problem: Knapp vier Wochen vor den Sommerferien hat die Schule noch keinen Bufdi für das kommende Schuljahr gefunden.

„In diesem Jahr ist es besonders schwierig, Bewerber zu finden“, stellt Martin Thöne fest, der seit rund zwei Jahren für den Ganztagsbetrieb und damit auch die Betreuung der Bufdis zuständig ist. Bis zu vier Bewerbungen im Jahr gehen nach seinen Angaben normalerweise bei der Schule ein. „Manchmal ein Jahr vorher, die meisten spätestens im Mai. Diesmal aber ist es knapp und spärlich.“

Noch vor einer Woche hatte Thöne nicht eine Bewerbung auf dem Tisch. Inzwischen gibt es zwei Interessenten – aus Usbekistan. „Die haben sich per E-Mail bei unserer Schule beworben.“ Beide Kandidaten haben nach seinen Angaben bereits ein Studium abgeschlossen – allerdings nicht für das Lehramt. Der eine sei ein 26-jähriger Mediziner, der andere ein 31-jähriger Zahnmediziner. Beide könnten Deutsch-Zertifikate vorweisen. Ende der Woche will Martin Thöne per Skype mit den Interessenten Bewerbungsgespräche führen.

„Bislang kamen unsere Freiwilligen immer aus Schwanewede oder Bremen-Nord. In der Regel sind es Schulabgänger, die die Zeit zwischen Studium oder Ausbildung überbrücken wollen.“ Jana Bachmann ist da keine Ausnahme. Seit August 2019 unterstützt die 20-Jährige aus Löhnhorst das Kollegium an der Dreienkamp-Schule. Mit dem Schuljahr Mitte Juli endet auch ihr Einsatz. Die Fachabiturientin möchte Grundschullehrerin werden. Noch vor einem Jahr hätte sie das nicht mit Gewissheit sagen können, inzwischen steht ihre Entscheidung fest. „Ich habe in den vergangenen Monaten einen guten Einblick in den Schulalltag erhalten“, sagt Jana Bachmann.

Sie unterstützt die Lehrer bei der Arbeit in den Klassen, hilft beim Austeilen des Mittagsessens und bei der Aufsicht der Schüler. „Zwei Mal in der Woche betreue ich zwei Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag: eine Hausaufgaben-Gruppe und eine Spiele-AG in der Turnhalle“, erzählt die junge Frau. „Die Bufdis sind ein wichtiger Baustein für die Betreuung der Schüler“, sagt Martin Thöne.

Jana Bachmann hatte sich bei ihrer Suche nach einer Einsatzstelle auf den Internet-Seiten der Grundschulen in der Gemeinde Schwanewede umgesehen „Vieles läuft bei der Bewerbersuche auch über Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir hören uns unter den Eltern um, ob sie mögliche Interessenten kennen. Auch über Kontakte zum Turnverein Schwanewede, der unsere Turnhalle mitnutzt, konnten wir immer einige junge Leute finden“, berichtet Martin Thöne. Ein Grund, warum Bewerbungen in diesem Jahr rar sind, könnte die Corona-Pandemie sein, vermutet er. Die wochenlange Schulschließung nur mit Notbetrieb, die Zwangspause für Sportvereine – „da fehlten die Kontakte“.

Was die Dreienkamp-Schule laut Thöne bislang nie nötig hatte, tut sie jetzt: gezielt Bufdis werben. „Wir haben in unserer Schule und in der Turnhalle einen Aushang gemacht, außerdem an der Waldschule und im Golfclub Bremer Schweiz, mit dem wir kooperieren.“ Die Schule bietet ihren freien Bufdi-Platz für das kommende Schuljahr zudem im Einsatzstellen-Portal des zuständigen Bundesministeriums an. Dort haben auch die zwei anderen Ganztagsschulen in der Gemeinde, die Grundschule Neuenkirchen und die Heideschule in Schwanewede, jeweils einen freien Platz eingestellt. Für das laufenden Schuljahr haben beide Einrichtungen einen Bufdi in Vollzeit, zum 1. September suchen sie Nachfolger.

„Bewerber zu finden ist nicht einfach, Interessenten rennen uns nicht die Türen ein“, sagt die Neuenkirchener Schulleiterin Claudia Luer. „In der Vergangenheit erhielten wir in der Regel ab Ostern ein bis zwei Bewerbungen, da zeichnete sich zum Schuljahresende eine Besetzung ab. In diesem Jahr haben wir noch nicht eine Bewerbung bekommen“, stellt ihre Kollege Torsten Lesemann von der Heideschule fest. In Neuenkirchen hat die Schulleiterin immerhin schon eine Bewerbung bekommen. Der Interessent ist nach ihren Worten ein Student aus Usbekistan, Zahnmediziner, Mitte 30. Auch eine ältere Dame „über 60“ habe sich vorstellt, die Bewerbung stehe aber noch aus.

Für den Bundesfreiwilligendienst können sich Frauen und Männer jeden Alters bewerben. „Eine Altergrenze nach oben gibt es nicht“, heißt es auf der Homepage des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. „An den drei Ganztagsgrundschulen in Schwanewede bewerben sich in der Regel Schulabgänger, die zwischen Studium oder Beruf noch ein Orientierungsjahr einlegen wollen“, weiß Ilka Becker, zuständig für den Personalbereich bei der Gemeinde. Die Kommune stellt die Bufdis ein und bezahlt sie auch. Die Vollzeitstellen hätten bislang immer zeitnah zum Beginn eines Schuljahres besetzt werden können. „Meist über Mundpropaganda.“

Aus dem Kreis der Schwaneweder Schulleiter wird das bestätigt. „Darüber und auch über unsere Homepage läuft viel“, sagt etwa Eugen Kolodziej von der Waldschule. Auch an der Kooperativen Gesamtschule sind Freiwillige im Einsatz – keine Bufdis sondern junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) leisten. Vier sind es laut Kolodziej aktuell, finanziert werden die Stellen nach seinen Angaben überwiegend aus Landesmitteln. Für das kommende Schuljahr sucht die Schule drei Freiwillige. „Wir haben zwei Bewerbungen von Realschülern aus Schwanewede bekommen. Doch da scheitert es am Alter.“ FSJ-ler müssten mindesten 18 Jahre alt sein. Weitere Bewerbungen – Fehlanzeige.

Eugen Kolodziej führt es darauf zurück, dass es an der Waldschule wie in Gymnasien in ganz Niedersachsen in diesem Jahr keine Abiturienten gibt. Hintergrund: 2014 beschloss der Landtag die Rückkehr zum Abitur nach 13 statt zwölf Jahren. 2019 legte der letzte Jahrgang das „Turbo-Abitur“ ab, deshalb gibt es 2020 keinen Abiturjahrgang. „In den Vorjahren fanden sich unter unseren rund 80 Abiturienten pro Jahrgang immer zwei oder drei Schüler, die als FSJ-ler an der Schule geblieben sind. Durch den Ausfall des Abiturs in diesem Jahr fehlen jetzt Interessenten“, sagt der Leiter der Waldschule.

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