Kirchengemeinde Aschwarden

Laufen für klingende Glocken

Die Kirchengemeinde Aschwarden-Bruch braucht Geld, um neue Klöppel für ihre Kirchenglocken zu kaufen und hat einen speziellen Spendenlauf organisiert: den „Run for Bells“.
26.07.2019, 06:43
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexander Bösch
Laufen für klingende Glocken

Los geht es um den Sportplatz in Aschwarden: Jede Runde zählt, um Sponsorengelder für die Glockenklöppel zu erlaufen.

Anne Werner

Dass das Schlagen einer Glocke mitunter erst wieder hart erarbeitet werden muss, weiß man in der Kirchengemeinde Aschwarden-Bruch. Im Zuge der geplanten Renovierungs- und Sanierungsarbeiten der St.-Nicolai-Kirche müssen auch die in die Jahre gekommenen Kirchenglocken saniert werden. Probebohrungen in einem alten Holzbalken im Glockenturm hatten erst im vergangenen Jahr ans Licht gebracht, dass die romanische Wehrkirche vermutlich 200 Jahre älter ist, als bislang angenommen. Bisher hatte man die Fertigstellung auf 1235 datiert.

Während die Kosten für die aufwändige Restaurierung des Gotteshauses von der Landeskirche übernommen werden, ist die Kirchengemeinde bei der Instandsetzung der Glocken selbst gefragt. Mit einem Sponsorenlauf im Rahmen der Aschwardener Sportwoche kamen dafür jetzt 2680 Euro zusammen.

Genau genommen geht es nicht um die beiden aus den Jahren 1549 beziehungsweise 1685 stammenden Glocken, sondern um deren Klöppel, wie Annegret Kursawsky vom Kirchenvorstand erklärt. „Die Glocken sind intakt, aber die jetzigen Klöppel sind zu hart und machen die Glocken kaputt“, sagt die Aschwardenerin. Die Klöppel, hätten Sachverständige entdeckt, haben Dellen in das Glockeninnere geschlagen. Auch die aus Metall bestehenden Joche, an denen die Glocken aufgehängt sind, seien in Mitleidenschaft gezogen: „Die sollen künftig aus Holz sein.“

10.000 Euro benötigt

Ihre Idee, mit einem Sponsorenlauf namens „Run for Bells“ die Finanzierung der Klöppel anzuschieben, konnte das Kirchenvorstandsmitglied Mareike Metschulat jetzt im Rahmen der Sportwoche in Aschwarden verwirklichen. „Die Landeskirche hält sich bei diesen Sachen meist zurück. Wir müssen vom Kirchenvorstand aus etwa 10.000 Euro für die Restaurierung der Glocken beisteuern. Die müssen auch gereinigt und gewendet werden, sodass der Klöppel an einer anderen Stelle anschlägt“, schildert der für den Pfarrbezirk zuständige Andreas Otten.

Aus Gründen des Denkmalschutzes gehe man inzwischen dazu über, wieder die historisch verwendeten Materialien zu verwenden. Bei der letzten Instandsetzung im Jahr 1959 habe man noch Metall verwendet.

Annegret Kursawsky ist nicht nur Mitglied im Kirchenvorstand der Gemeinde, sondern beteiligt sich auch aktiv am Sponsorenlauf. Die 67-Jährige kann auf 31 Euro Sponsorengelder pro Runde verweisen. „Mein Sohn, meine Nichte und mein Mann geben je zehn Euro, eine Nachbarin hat noch einen Euro draufgelegt“, berichtet die 67-Jährige. Einige ihrer zwölf Runden schlendert die Aschwardenerin „Das ist ja erlaubt, man muss sich seine Kräfte ja einteilen.“

Jeder, der eine Runde gelaufen ist, begibt sich zu einem Stand und macht einen Strich auf seinem Laufzettel. „Kann ich mir meine Runden auch merken und am Schluss die Striche machen?“, fragt ein Teilnehmer. „Nein, das geht nicht, immer nach jeder Runde den Strich machen“, sagt Mareike Metschulat.

Karin Hogrefe und ihre beiden Kinder laufen ebenfalls mit. „Mein Mann, meine Mutter und zwei ehemalige Aschwardener sponsern mich“, erzählt sie. Ihr Mann hält den Läufern einen Kübel mit Eiswürfeln zur Kühlung hin. Als Teilnehmerin Karla Grimm sich die Hände kühlt, scherzt er: „Nicht die Hände drin waschen, die Eiswürfel brauchen wir nachher noch für die Getränke.“

Karin Hogrefes Sohn Mattis hatte sich eigentlich vorgenommen, seine drei Jahre ältere Schwester Merle zu übertrumpfen. Am Ende muss der 16-Jährige sich geschlagen geben. Mit seinen 20 Runden ist der Aschwardener dennoch zufrieden. „Meine Schwester hat einen Euro weniger Sponsorengeld pro Runde, deswegen muss sie auch länger laufen“, gewinnt er der Niederlage schmunzelnd etwas Positives ab.

Handballerin springt gerne ein

Hannah Steilen ist an diesem Tag die Läuferin mit den großzügigsten Sponsoren. Die Firma Energiequelle aus Zossen hat sich bereit erklärt, 150 Euro pro Runde zu spendieren. „Die hatten sich mit meiner Schwester in Verbindung gesetzt, die jetzt aber Knieprobleme hat“, sagt Hannah Steilen. Die Handballerin ist gern eingesprungen. „Wir haben bei meiner Mannschaft SG Findorff sowieso gerade eine Lauf-Challenge. Die Mannschaft soll insgesamt 650 Kilometer in vier Wochen laufen, da kann ich meine Kilometer hier anrechnen“, erzählt Hannah Steilen. Mehr als zehn Runden, so die Verabredung mit der Firma, soll Hannah Steilen jedoch angesichts der großzügigen Spendensumme an diesem Tag nicht laufen. „Mir macht so etwas Spaß, ich mache beim Bremen-Marathon auch für ein Autismuszentrum mit“, erzählt die gebürtige Meyenburgerin.

Am Ende des „Run for Bells“ können sich Mareike Metschulat und ihre Mitstreiter vom Kirchenvorstand über einen Gesamtbetrag von 2680 Euro für die Klöppel der Kirchenglocken freuen. Die Spendengelder können von den Sponsoren jetzt vor Ort bei der Gemeinde, im Kirchenbüro abgegeben oder auf das Gemeindekonto überwiesen werden.

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