Meine Woche

Ausgleichssport American Football soll die mentale Balance unterstützen

Lukas Fierek spielt in der ersten Herren des Beckedorfer TC. Er berichtet darüber, was er in der vergangenen Woche erlebt hat und was ihn bewegt hat.
20.04.2021, 11:38
Lesedauer: 6 Min
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Von Karsten Hollmann

Mittwoch, 14. April: Unsere Tage beginnen meistens morgens gegen 6 Uhr. Meine Freundin Lisa und ich sind keine Frühaufsteher. Aber wir quälen uns aus dem Bett, um etwas vom Tag zu haben. Die Corona-Pandemie hat meinen Alltag so beeinflusst, dass ich mittlerweile nur noch zwei Tage in der Woche im Büro arbeiten kann. Den Rest erledige ich von zu Hause aus. Ich mag es zwar im Home-Office zu arbeiten und mir gelingt es auch, den Großteil der Tage sehr produktiv zu gestalten. Trotzdem fehlt mir die Kommunikation mit anderen Menschen, vor allem da ich noch nicht lange in meiner aktuellen Position arbeite und immer mal wieder Fragen habe. Ich bearbeite bei der Airbus Defence and Space GmbH den Helicopter-Bereich und bin verantwortlich für alle innerbetrieblichen Vorgänge. Ich freue mich immer rauszukommen und den einen oder anderen Kollegen, wenn auch nur aus der Ferne, zu sehen und mich auszutauschen. Am Abend findet das Tennis-Training unter der Leitung von Frank Henk statt. Ich trete gegen Maximilian Schwier an, unsere Nummer eins. Maxi und ich spielen zusammen Tennis, seitdem wir sechs Jahre alt sind. Ein Probetraining in unserer Grundschule brachte uns zum Sport. Seitdem haben wir alle Jugendmannschaften zusammen durchlaufen. Wir spielen viele Rhythmus-Ballwechsel, ohne großartig um Punkte zu kämpfen.

Donnerstag, 15. April: Nach meiner Arbeit im Home-Office kümmere ich mich um den Haushalt. Lisa kommt an zwei Tagen in der Woche erst abends nach Hause, da sie in einer privaten Arztpraxis arbeitet und dort noch Patienten versorgen muss. In der aktuellen Situation rund um das Corona-Virus habe ich großen Respekt vor jedem, der im medizinischen Bereich oder in der Pflege arbeitet. Gerade jetzt merken wir, wie wichtig Menschen in diesen Berufen für uns sind. Leider werden solche Berufe im Verhältnis zu anderen viel zu schlecht bezahlt. Meinen Nachmittag nutze ich, um mich körperlich fit zu halten. Gerade für die langen, anstrengenden Sandplatz-Spiele im Sommer möchte ich top vorbereitet sein. Da das Wetter leider nicht mitspielt, um Laufen zu gehen, powere ich mich daheim mit meinen Kurzhanteln aus. Spät am Abend spiele ich noch mit Lisa Tennis. Wir sind seit einem Jahr ein Paar. Seit ihrem Umzug von Dresden nach Bremen vor etwa zwei Monaten habe ich sie auch mit dem Tennis-Fieber angesteckt.

Freitag, 16. April: Der Morgen ist gespickt mit virtuellen Meetings. Ich habe 2016 ein duales Studium zum Wirtschaftsingenieur bei Airbus begonnen und dieses im vergangenen Jahr erfolgreich abgeschlossen. In meinem Beruf muss ich eine Vielzahl verschiedener Fähigkeiten aufbringen: Kommunikation, um wütenden Lieferanten zu erklären, weshalb Rechnungen noch nicht bezahlt wurden, Konzentration, um keine Fehler beim Kontrollieren und Zahlen von Rechnungen zu begehen und strukturiertes Denken, um meine Vielzahl an Aufgaben und Terminen zu koordinieren. Für den Moment bin ich sehr zufrieden mit meinem Job. Aber es ist mein Naturell, mich immer verbessern zu wollen, egal ob beruflich oder auf dem Tennisplatz. Im Laufe dieses Jahres möchte ich daher mein berufsbegleitendes Master-Studium beginnen. Am Abend findet das wöchentliche Herren-Training statt. Während wir normalerweise hier mit acht Spielern trainieren, spielen wir zurzeit zu fünft auf drei Plätzen verteilt, um die Corona-Regularien einzuhalten. Im ersten Teil der Stunde habe ich Einzeltraining bei Frank Henk, das wir für das intensive Arbeiten an meiner Vorhand nutzen. Im Gegensatz zu vielen anderen Tennisspielern ist die Vorhand nicht mein bester Schlag.

Sonnabend, 17. April: Nach einer Stunde Tennis am Morgen mit Lisa, in der wir uns mit ihrer noch etwas wackligen Rückhand beschäftigen, gehen wir am Mittag einer unserer liebsten gemeinsamen Aktivitäten nach: dem Kochen. Wir probieren gerne viele unterschiedliche Rezepte aller Art aus, egal welcher Herkunft. Heute gibt es Tacos, die wir mit Halloumi, Rucola, Gurken und Aioli füllen. Das ist genau nach unserem Geschmack. Am Nachmittag nutzen wir das gute Wetter und fahren eine große Runde mit dem Fahrrad. Da Lisa noch relativ neu in Bremen ist, genieße ich es, ihr die schönen Ecken in der Umgebung zu zeigen und manchmal auch für mich neue Entdeckungen zu machen. Ich weiß die Schönheit Bremens sehr zu schätzen und fühle mich hier auch nach fast 23 Jahren noch unendlich wohl. Ob Knoops Park, die Vegesacker Innenstadt oder das Blockland, es gibt einfach viel zu unternehmen. Ich freue mich bereits sehr auf die Aktivitäten nach der Corona-Zeit, wie einen Besuch im Weserstadion. Heute führt uns der Weg allerdings vorbei an der Moorlosen Kirche zum Grambker See, an der Lesum entlang und wieder zurück. Den Tag lassen wir dann mit zwei großen Eisbechern auf unserem sonnigen Balkon ausklingen.

Sonntag, 18. April: Wir besuchen meine Familie in Löhnhorst. Mir als Familienmensch ist es sehr wichtig, einen guten Kontakt zu meinen Eltern und zu meiner Großmutter zu pflegen, die mich auch während meiner Tenniskarriere immer unterstützt haben. Um 15.30 Uhr tritt Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga bei Borussia Dortmund an. Bereits seit vielen Jahren bin ich Werder-Fan und schaue so gut wie jedes Spiel. Wir bekommen 25 Minuten lang ein couragiertes Spiel der Grün-Weißen zu sehen, bis eine fragwürdige Elfmeterentscheidung und eigene Fehler doch den BVB auf die Siegerstraße führen. In der Bremer Mannschaft fehlt es mal wieder an Struktur, an einem Leader der in den entscheidenden Situationen konsequent die Zweikämpfe gewinnt und die Mannschaft führt. Als besonders störend empfinde ich die Leistungen der Schiedsrichter in der Bundesliga, die den leichtesten Kontakt als Foul bewerten sowie die Einführung des Video-Beweises in der aktuellen Form. Während der Video-Beweis die Entscheidungen nachvollziehbarer und transparenter machen sollte, tut er genau das Gegenteil. Niemand versteht, wann in das Spiel eingegriffen wird und wann nicht.

Montag, 19. April: Im Normalfall findet am Montag-Abend mein American-Football-Training statt. Schon immer habe ich parallel zum Tennis einen zweiten Sport als Ausgleich betrieben. Während dies bis zu meinem 18. Lebensjahr der Fußball war, spiele ich mittlerweile American Football bei den Bremen Union Bulls. Das Fußballspielen habe ich vor drei Jahren nach einem Schlüsselbeinbruch beendet. Der Ausgleich ist vor allem mental für mich sehr wichtig. Beim Tennis muss ich meine Emotionen im Griff haben und darf mich nicht von negativen Gefühlen aus der Balance bringen lassen, was mir nicht immer gelingt und sich dann auf mein Spiel auswirkt. Beim American Football ist dies kein Problem. Der extrem physische Sport bringt mich an meine körperlichen Grenzen. Und ich kann mit meinem Team zusammen alles geben. Da der Sport sehr komplex ist und ich noch nicht lange dabei bin, ist es eine coole Herausforderung, mir verschiedene Konzepte zu merken und umzusetzen. Als Passempfänger (Wide Receiver) ist es meine Aufgabe, vorgegebene Routen zu laufen, den Football zu fangen und möglichst weit das Feld runterzutragen, bevor ein Verteidiger mich zu Boden bringt. Da das Training zurzeit nicht erlaubt ist, laufe ich eine große Runde durch Knoops Park.

Dienstag, 20. April: Nach meinem Arbeitstag komme ich endlich mal dazu, in Ruhe ein Buch zu lesen. Sowohl Lisa als auch ich interessieren uns für Genres wie True Crime sowie Thriller und Fantasy. Heute fällt meine Wahl allerdings auf „My American Football Dream“ von Björn Werner, dem wahrscheinlich erfolgreichsten Deutschen in der Geschichte der US-amerikanischen Football-League (NFL). Das Buch habe ich zu Ostern bekommen. Ich frage mich, wieso die USA verhältnismäßig so viel mehr elitäre Sportler ausbilden als wir in Deutschland beziehungsweise Europa. Mein Fazit lautet, dass das Highschool- und College-System jüngeren Menschen deutlich mehr Möglichkeiten bietet. Während es in den USA möglich ist, sich über seine sportlichen Leistungen einen Studienplatz zu erarbeiten und sich direkt für die Profi-Ligen zu zeigen, existiert ein solches System hier nicht. Junge Sportler müssen vieles aufgeben und sich auf eine Sportart konzentrieren, um eventuell Erfolg zu haben. Wir bilden hier also eher einen Tennis- oder Fußballspieler aus als einen kompletten Athleten.

Gunda Hinz, die Läuferin der SG akquinet Lemwerder, wird als Nächste über ihre Woche berichten.

Info

Zur Person

Lukas Fierek (22) spielt bereits seit 16 Jahren Tennis beim Beckedorfer TC. Die aktuelle Nummer drei der Setzliste der Herrenformation lebt mit seiner Freundin Lisa Kunert (22) in Bremen-Lesum. Seine Familie stammt aus Löhnhorst. Der Rechnungsprüfer arbeitet bei Airbus.

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